1. Region
  2. Konz, Saarburg & Hochwald

Kirfer Pestkreuz als Mahnung: In Coronazeiten ist das Denkmal aktueller denn je

Mahnmal : Es steht wieder: Pestkreuz in Kirf erinnert an frühere Katastrophen

In Kirf erinnert ein kleines Denkmal an das große Sterben durch den Schwarzen Tod. In Corona-Zeiten wirkt das Mahnmal an der L133, das im Auftrag der Gemeinde rekonstruiert wurde, aktueller denn je.

Reinhold Anton, Ortsbürgermeister von Kirf, kennt sich aus mit der Geschichte seines Ortes: „Unser Dorf hatte im Mittelalter schon mal mehr als 1000 Einwohner“, berichtet er. Doch Kirf sei – lange vor der aktuellen Krise rund um das Coronavirus – mehrfach von Pest-Epidemien heimgesucht worden. „Bis auf acht Bewohner ist die Zahl während des Dreißigjährigen Kriegs geschrumpft“, weiß der an Regionalgeschichte interessierte Tawerner Ortschef Thomas Müller zu berichten (siehe Hintergrund).

Ein Pestkreuz mit der Jahreszahl 1753 erinnerte lange Zeit an die damaligen Katastrophen. Doch vor wenigen Jahren wurde der obere Teil des Kleinods an der Landesstraße 133 zwischen Kirf und Beuren gestohlen.

Vor drei Jahren gab der Gemeinderat daher die Nachbildung des Kleindenkmals in Auftrag, das inzwischen wieder an Ort und Stelle steht. 3000 Euro wurden investiert. „Das dauerte so lange, weil die Denkmalschutzbehörde des Landkreises länger gebraucht hat, um die Rekonstruktion zu prüfen und zu genehmigen“, sagt Ortschef Anton. Allerdings sei dies den meisten Leuten gar nicht aufgefallen, weil sie glaubten, es handele sich um eine bloße Reinigung.

„Es ist wichtig, daran zu erinnern, dass es schon früher verheerende Pandemien gab“, macht Anton deutlich. Und zwar nicht zu knapp, wie Thomas Müller aus alten Kirchenbüchern erfuhr: „Seit dem Hochmittelalter gab es immer wieder Pestzüge in der Region. Zwischen 1120 und 1650 kam die Seuche 20-mal in Wellen zurück.“

So sah das Original des Kirfer Pestkreuzes von 1753 aus. Teile davon wurden vor einiger Zeit gestohlen, deshalb beauftragte die Gemeinde eine Nachbildung. Foto: Herbert Thormeyer

Mit Pest sei dabei nicht nur die Beulenpest von 1348, auch Schwarzer Tod genannt, gemeint. Auch die Cholera, Typhus, die Pocken und die Ruhr als Durchfall-Erkrankung wurden damals so bezeichnet. 1634 wüteten diese Seuchen schrecklich in der Region. Dreiviertel der Bevölkerung fiel ihnen zum Opfer. „Die Kirche empfahl Fasten und Gebete, weil die Pest als Strafe Gottes angesehen wurde“, sagt Müller. Gegenmittel gab es keine.

Hinzu kamen die Schrecken des Dreißgjährigen Krieges (1618-1648). Franzosen, Spanier und Schweden zogen plündernd und brandschatzend durch die Region. Weiter verstärkten Missernten und damit einhergehend die gesundheitliche Schwächung die Lage der Bevölkerung. Krankheitserreger, wahrscheinlich eingeschleppt von Soldaten, hatten ein leichtes Spiel.

Wenn es mal glimpflich ausging wurden wie in Kirf Sühnekreuze mit Bezug auf das Leiden Christi aufgestellt. 1632 rief der Erzbischof und Kurfürst von Trier, Philipp Christoph von Sötern, zum Sühnegebet auf.

Gleichzeitig begann nach jeder Seuche die Suche nach Sündenböcken. Menschen jüdischen Glaubens rückten in den Fokus, womöglich der Beginn des Antisemitismus. Die Hexenverfolgung erreichte immer neue Höhepunkte.

„Diese Kreuze sind Zeitzeugen der Heimatgeschichte und deshalb sehr wertvoll.“ Dieser Meinung ist nicht nur Thomas Müller. „Auf dieses Kreuz habe ich als Kind schon geschaut“, sagt die 90-jährige Kirferin Martha Schons. Ihr Bruder Klaus stellt mit Blick auf die aktuelle Zeit fest: „So was wie dieses Coronavirus habe ich mit meinen 89 Jahren noch nicht erlebt.“

Für den Blumenschmuck am Pestkreuz sorgt Maria Anton, die Schwester des Ortsbürgermeisters. Die Kosten dafür trägt die Gemeinde.