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Kita-Betreiber saniert Schimmelräume

Kita-Betreiber saniert Schimmelräume

Der Schimmel im Wiltinger Kindergarten ist anderthalb Monate nach Bekanntwerden des Schadens vollständig entfernt worden. Die katholische Kirchengemeinde sorgt jetzt als Bauträger dafür, dass ein neuer Boden verlegt wird. Der Elternausschuss wirft den Verantwortlichen vor, zu spät gehandelt zu haben.

Wiltingen. Einige Kita-Kinder aus Wiltingen und Kanzem werden seit dem 26. Mai in Ausweichquartieren betreut. Der Grund: Schimmelbefall im Wiltinger Kindergarten. Zwei Gruppen sind umgezogen - nach Kanzem in die Alte Schule und in die Wiltinger Grundschule (der TV berichtete).
Die schimmeligen Räume sind seit Ende Mai leer, Trocknungsgeräte sind aufgebaut. Arbeiter haben die vom Schimmel befallenen Teile ausgebaut: Der komplette Boden wurde bis auf den Estrich entfernt, die feuchten Wandstellen abgetragen. Damit ist alles bereit für die Sanierung.
Anfragen zum weiteren Vorgehen in der Kita beantwortet die Pressestelle des Bistums Trier für die Kirchengemeinde Wiltingen, die Trägerin des Gebäudes. Die bistumseigene Kita gGmbH ist verantwortlich für den Kindergartenbetrieb. Die Renovierung der Räume dauere wahrscheinlich drei Monate, sagt Bistumssprecherin Christine Wendel. Sie bestätigt die Vermutung, dass eine undichte Spülmaschine die Ursache für den Schimmel war. Laut Architekt Franz Conen aus Konz koste die Sanierung voraussichtlich 40 000 Euro, heißt es beim Bistum. Wie die Kosten aufgeteilt werden, sei noch nicht abschließend geklärt, sagt Wendel: "Wir gehen jedoch davon aus, dass der größte Teil der Kosten ein Versicherungsschaden ist."
Der Schaden wird also reguliert, doch der Sachverhalt ist aus Sicht des Elternausschusses nicht vollständig geklärt. Die Eltern werfen der Kirchengemeinde vor, zu spät reagiert zu haben. Die baulichen Mängel seien schon im Januar bekannt gewesen. Die Eltern sind laut eigener Aussage im März erneut wegen des Schimmels aktiv geworden, und Pfarrer Andreas Neumann sei schon früh über den Schaden informiert worden.
Trotzdem seien die betroffenen Gruppen erst am 14. Mai geschlossen worden, fasst die Vorsitzende des Elternausschusses, Susanne Beutner, zusammen. Der Pfarrer habe als Vorsitzender des Pfarrverwaltungsrats die anderen Mitglieder des Kirchengremiums nicht rechtzeitig über den Schimmelverdacht informiert, führt sie weiter aus. Die anderen Mitglieder des Pfarrverwaltungsrats hätten gegenüber dem Elternausschuss entschuldigend erklärt, dass Pfarrer Neumann sie nicht informiert habe.
Die Ausschussmitglieder wollen sich nicht gegenüber dem TV äußern. Der Geistliche selbst schweigt auf TV-Anfrage ebenfalls. Er lässt von der Pfarrsekretärin ausrichten: "Kein Kommentar!" Der TV möge sich auch mit der Frage zu den persönlichen Vorwürfen an die Pressestelle des Bistums wenden. Dort heißt es auf TV-Anfrage knapp: "Aus Sicht des Bistums ist ausreichend schnell gehandelt worden."
Trotz des Ärgers um die Ursachen ist beim täglichen Kindergartenbetrieb fast Normalität eingekehrt. Laut Kita-Leiterin Hilde Reinert läuft die Betreuung in den Übergangsquartieren gut. 22 der insgesamt 93 Kinder seien in der Alten Schule Kanzem untergebracht, eine Gruppe in der Wiltinger Grundschule. "Wir hoffen, dass es jetzt schnell geht", sagt Reinert.
Auch Susanne Beutner vom Elternausschuss bedankt sich für die "recht guten Ausweichquartiere". Die Kindergartenleitung, die Ortsgemeinden Kanzem und Wiltingen sowie die Eltern haben laut Beutner gut zusammengearbeitet.Meinung

Mehr Offenheit, weniger Ärger
Der Schimmelvorfall in Wiltingen zeigt, dass die katholische Kirche ein Imageproblem hat. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Bistum oder der örtliche Pfarrer für die Verschleppung verantwortlich sind. Alles ist besser als gar nichts zu solchen Vorwürfen zu sagen. Denn äußert sich jemand nicht zu einem Vorwurf gegen seine Person, liegt der Verdacht nahe, dass ein Stückchen Wahrheit dahintersteckt. Eine andere Möglichkeit ist, dass derjenige, der nichts sagt, so loyal ist, dass er lieber sich selbst als seinen Arbeitgeber in ein schlechtes Licht rückt. Im ersten Fall hieße das, dass der Pastor vor Ort über den Schimmel Bescheid wusste und sich erst später um eine Lösung des Problems gekümmert hat. Das wäre ein zu entschuldigendes Versäumnis - schließlich sind auch Priester Menschen, die manchmal Fehler machen. Ist die Sprachlosigkeit des Pastors der Loyalität gegenüber dem Bistum geschuldet, läge der Fehler im System. Denn sollte er die Informationen schon ans Bistum weitergereicht haben, hätte das Bistum die Kirchengemeinde schneller unterstützen müssen. Dann hätten die betroffenen Kinder früher umziehen können und wären weniger lang mit den gefährlichen Schimmelsporen konfrontiert gewesen. Insgesamt wäre ein offenerer Umgang mit solchen Problemen wünschenswert. c.kremer@volksfreund.deExtra

Schimmel: Gesundheitsgefährdende Schimmelsporen werden immer wieder in Schulen und Kindertagesstätten gefunden. In Trier wurden aufgrund von Schimmelsporen in der Raumluft Räume der Nelson-Mandela-Realschule plus gesperrt. Die Trie rer Egbert-Grundschule ist wegen Schimmel-Problemen derzeit komplett ausgelagert. Auch im Neubau des Gymnasiums Schweich gab es Probleme. Feuchtigkeit ist eine der Hauptursachen für Schimmelbildung in Gebäuden. Schimmelsporen und Pilzgifte gelangen über die Luft in die Atemwege und können Allergien oder asthmatische Erkrankungen auslösen. Schimmel macht sich durch modrig-muffigen Geruch und schwarze Sprenkel an den Wänden bemerkbar. har/TV-Archiv