Kinderbetreuung: Kita streicht Ganztagsangebot

Kinderbetreuung : Kita streicht Ganztagsangebot

Fehlende Leitung, vier Kündigungen und ein vorübergehend verschwundenes Kind: Die Eltern sind sauer auf die Kita gGmbH, die das Betreuungsangebot in der Kita Herz Jesu kürzt, weil Fachkräfte fehlen.

Kinder, Eltern und Erzieher in der Kita Herz Jesu in Trier-Süd kommen seit Jahresanfang nicht mehr zur Ruhe. Seit die Sanierung des Gebäudes in der Friedrich-Willhelm-Straße begonnen hat und alle 67 Kinder in Räume der Grundschule Olewig ausgelagert wurden, jagt aus Sicht der Eltern ein unglücklicher Vorfall den nächsten.

Mittagessen in der Kita (wie auf diesem Symbolfoto) ist für Ganztagskinder normal. In der Kita Herz Jesu geht die Betreuung vorerst nur bis 14 Uhr. Foto: dpa/Georg Wendt

 Sie berichten von einem kurzzeitig verschollenem Kind, das von der Polizei zurückgebracht werden musste (siehe Text unten), einem verletzten Mädchen  und Problemen mit den Räumlichkeiten in Olewig. Hinzu kommt die angespannte Personallage. So ist zum Beispiel seit Jahresanfang die Kita-Leitung nicht, beziehungsweise nur provisorisch besetzt worden. Der Posten ist auf der Internetseite der Kita gGmbH ausgeschrieben, Bewerbungsschluss 15. Juni. Die Eltern haben sich bisher trotz der angespannten Situation mit öffentlicher Kritik zurückgehalten. Nachdem vier Erzieher fast zeitgleich gekündigt haben, hat sich die Lage aber weiter verschärft. Wegen der angespannten Personalsituation streicht die Kita gGmbH das Betreuungsangebot massiv zusammen. Die Ganztagsplätze mit einer Betreuung bis 16.30 Uhr fallen ab Montag, 4. Juni, weg. Die Kita betreut ab sofort nur noch in Teilzeit von 7 Uhr bis 14 Uhr. Der Betrieb in der Krippengruppe wurde vergangene Woche sogar komplett eingestellt. Davon haben die Eltern vor einer Woche in einem Brief erfahren. Nun machen sie ihrem Ärger Luft.

Reaktionen Jan van Raay, Mitglied des Elternausschusses der Kita, beschreibt im Gespräch mit dem TV die Reaktionen der Eltern: „Ungläubigkeit, Wut, teilweise Resignation aufgrund der anhaltenden und immer neuen Probleme. Viele Eltern würden ihre Kinder gerne in andere Kitas geben – wenn denn Platz wäre.“ Viele Eltern müssten improvisieren mit Familien und Freunden. Andere müssen sogar ihre Arbeitszeit reduzieren. Der Vater eines Krippenkindes, der lieber anonym bleiben will, sagt im Gespräch mit dem TV: „Meine Lebensgefährtin hat ihre Arbeitszeit reduziert, um ohne Ganztagsplatz auszukommen.“ Er beklagt sich weiter: „Die Kommunikation mit den Eltern ist katastrophal.“

Die Kita Herz Jesu in Trier-Süd wird zurzeit saniert. Die Kinder werden im Übergangsquartier in der Grundschule Olewig betreut. Foto: TV/Christian Kremer

Von dem Ausweichstandort in Olewig sind die Eltern ebenfalls enttäuscht. Die Kinderbetreuung dort komme den Eltern, die die Kinder bringen, abholen oder eingewöhnen wegen des Raum- und Erziehermangels mehr wie ein Verwahren als ein Fördern vor, sagt Elternbeiratsmitglied van Raay. Den einzelnen Erziehern machten die Eltern aber keinen Vorwurf, betont er: „Ich denke, ich spreche für alle, wenn ich sage, dass die Elternschaft absolut hinter den verbliebenen Erziehern steht und diese gerne bei allen Vorhaben unterstützten möchte.“ Aus Sicht der Eltern sei das betroffene Personal einfach zu spät über Veränderungen informiert worden.

Damit liegt der Ball beim Träger der Einrichtung, der katholischen Kita gGmbH Trier, die laut eigenen Angaben in der Stadt Trier und den Landkreisen Trier-Saarburg, Bernkastel-Wittlich, Bitburg-Prüm, Cochem-Zell sowie Birkenfeld 151 Kindertageseinrichtungen mit 3300 Mitarbeitern und 13 300 betreuten Kindern betreibt. In dem Elternbrief erläutert Erika Werner, Leiterin der Gesamteinrichtung Trier 2, dass zwei Springer der Kita gGmbH eingesetzt werden, um den Betrieb in Herz Jesu aufrecht zu erhalten. Sie ruft die Eltern in dem Brief dazu auf, sich gegenseitig zu unterstützen bei der Betreuung ab 14 Uhr.

Erklärungen Ein Grund für die Probleme in der Kita ist der Fachkräftemangel bei den Erziehern. Laut Arbeitsagentur sind im Raum Trier zurzeit 33 Stellen offen, 17 davon in der Stadt Trier. Laut der Internetseite der Kita gGmbH sind allein in deren Einrichtungen acht Kita-Leitungspositionen vakant. „Die sind besonders schwer zu besetzen“, heißt es bei der Agentur für Arbeit.

Auch Anke Stadtfeld-Penth, Pressesprecherin der Kita gGmbH, äußert sich bei der Frage zu den konkreten Gründen für die vier Kündigungen nicht konkret, sondern verweist auf den Fachkräftemangel. „Als Träger sind wir durch die gesetzlichen Vorgaben verpflichtet, bei Unterschreitung des genehmigten Personalschlüssels auch das pädagogische Angebot zu reduzieren“, erklärt sie weiter. Das geschehe selten, sei aber im vorliegenden Fall notwendig. Die Kita gGmbH betont zudem, dass der Rechtsanspruch auf sieben Stunden Betreuung täglich erfüllt werde. „Eltern in Notsituationen, die keine Möglichkeit haben, ihre Kinder zu betreuen, können sich an die zuständige Gesamtleitung wenden“, sagt Stadtfeld-Penth.

Der Pressesprecher der Stadt Trier, Michael Schmitz, erklärt auf  TV-Anfrage, dass das Jugendamt wegen der Kita Herz Jesu in ständigen Kontakt mit der Kita gGmbH stehe. Der Träger müsse im Fall von Personalproblemen beim Jugendamt der Stadt Trier und dem Landesjugendamt dokumentieren, welche Maßnahmen ergriffen werden, um den Betrieb zu gewährleisten. Schmitz: „Dies kann zu teils erheblichen Einschränkungen des Angebotes, insbesondere der Betreuungszeiten, führen.“ Die Stadt gehe davon aus, „dass der Träger mit hohem Engagement sämtliche Möglichkeiten zur Sicherung des Betriebes ausschöpfen wird“, setzt Schmitz hinzu.

Und laut Stadtfeld-Penth sind die offenen Stellen schon ausgeschrieben. Sobald sie neu besetzt seien und der genehmigte Personalschlüssel wieder vorgehalten werden könne, werde die Kita Herz Jesu wieder zu den gewohnten Zeiten öffnen“ verspricht sie.

Mittagessen in der Kita (wie auf diesem Symbolfoto) ist für Ganztagskinder normal. In der Kita Herz Jesu geht die Betreuung vorerst nur bis 14 Uhr. Foto: dpa/Georg Wendt

Kritik der Eltern an den Ausweichräumen in Olewig weisen Träger und Aufsichtsbehörden zurück: Für den Betrieb der Kita in den Räumen in der Grundschule habe das Land eine Betriebserlaubnis erteilt, sagt Schmitz. Auch das Jugendamt Trier halte die Räume für geeignet. Die Kita gGmbH ist ebenfalls froh über das Ausweichquartier. Stadtfeld-Penth: „So kann die Sanierung des alten Gebäudes in Ruhe erfolgen. Gleichzeitig kann die pädagogische Arbeit zum Wohl der Kinder und ihrer Familien in kindgerechten Räumen weitergeführt werden.“

Mehr von Volksfreund