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Kitapreis-Jury besucht Hochwälder Netzwerk Hafen: Hilfe für Familien bald preisgekrönt?

Soziales : Jury besucht Hochwälder Netzwerk: Hilfe für Familien bald preisgekrönt?

Das Hochwälder Netzwerk Hafen kümmert sich um Sorgen und Bedürfnisse von Kindern und Eltern im Raum Hermeskeil. Dafür könnte es im Mai mit dem Deutschen Kitapreis ausgezeichnet werden. Jetzt war eine Jury zu Besuch.

Für Sandra Cäsar ist das Hochwälder Familiennetzwerk Hafen eine Bereicherung in ihrem Alltag. Die Mutter aus Damflos nutzt viele Angebote und lobt: „Für meine Kinder bedeutet Hafen einfach Spaß. Egal, wo man mitmacht, sie sind immer willkommen und gut betreut.“ An diesem Vormittag ist Sandra Cäsar ins Mehrgenerationenhaus nach Hermeskeil gekommen, um das Netzwerk zu unterstützen. Denn es zählt zu den zehn Finalisten des Deutschen Kitapreises in der Kategorie „Lokales Bündnis für frühe Bildung“ (siehe Info).

Um herauszufinden, wer Sieger wird, sind Experten von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung aus Berlin angereist. Sie wollen sich ein Bild von der Arbeit des Netzwerks machen. Ihr Bericht geht an die Jury, die über die Gewinner entscheidet, die am 13. Mai in Berlin geehrt werden. 1600 Einrichtungen hatten sich in den Kategorien „Kita des Jahres“ und „Lokales Bündnis für frühe Bildung“ beworben. Die Hermeskeiler stehen als einzige Initiative aus Rheinland-Pfalz im Finale.

„Für uns sind alle schon Gewinner“, sagt Linda Broschkowski von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung beim Pressegespräch. Ziel des Preises sei es, Menschen anzuerkennen, die sich „für die Kleinsten starkmachen und ihnen ein optimales Umfeld zum Lernen und Aufwachsen schaffen“. Der Besuch vor Ort diene dazu, sich ein noch genaueres Bild von den Finalisten zu machen. „Wir wollen lebhaft spüren, wie hier gearbeitet wird und möglichst viele Perspektiven einbeziehen.“ Neben Interviews mit den Netzwerk-Trägern zählen deshalb auch Gespräche mit Eltern und Kooperationspartnern wie der Lebensberatung zum Programm.

„Dass wir im Finale stehen, ehrt uns sehr“, sagt Netzwerk-Koordinatorin Karen Alt. Sie ist Ansprechpartnerin für alle Aktionen von Hafen. Das Angebot sei mittlerweile so vielfältig, sagt sie, dass es schwerfalle, alles aufzuzählen. Es gibt regelmäßig Elterncafés in den beteiligten Kitas, gemeinsame Elternabende zu Erziehungsthemen, Betreuungsangebote, Familienausflüge, Musik- und Kunstprojekte. Das Netzwerk vermittelt Babysitter, Erste-Hilfe-Kurse und hilft Eltern dabei, eigene Ideen umzusetzen wie beispielsweise neue Krabbelgruppen. Auch generationsübergreifende Projekte sind dabei, etwa ein Frühlingsbacken in Zusammenarbeit mit dem Seniorenzentrum. Zusätzlich gibt es Beratungs- und Hilfsangebote der Kooperationspartner.

Hinter Hafen stehen Unterstützer wie das Mehrgenerationenhaus, die Pfarrei St. Franziskus Hermeskeil und das Bistum Trier, dessen Kita gGmbH Trägerin dreier Netzwerk-Kitas in Hermeskeil und Beuren ist. Gemeinsam mit Land und Landkreis finanzieren sie die Stelle der Koordinatorin mit 14 Stunden pro Woche. Hafen wurde 2013 gegründet, die Idee dazu gab es laut dem Hermeskeiler Pfarrer Clemens Grünebach aber schon viel früher.

„Wir wollten Leute zusammenbringen, denen es eine Herzensangelegenheit ist, Familien zu unterstützen.“ Dass das Netzwerk nun Anwärter auf den Kitapreis sei, empfinde er als „Anerkennung, weil der echte Wunsch dahintersteht, die Arbeit der Kitas für und in der Gesellschaft zu würdigen“.

Kindergärten entwickelten sich immer mehr zum Anlaufpunkt für Familien, die „unkomplizierte Unterstützung“ suchten, sagt Cordula Scheich, Geschäftsführerin der katholischen Kita gGmbH Trier. Das Netzwerk ermögliche, was die Kitas allein nicht leisten könnten. Die Nominierung von Hafen könne auch Ansporn für andere Einrichtungen sein. Bernhard Klein, Gesamtleiter bei der Kita gGmbH, betont, dass sich die Angebote immer weiterentwickeln.

„Die Eltern werden regelmäßig befragt, was sie brauchen, wo sich der Bedarf vielleicht geändert hat.“ So sei etwa 2017 das Start-up Familie mit Hilfsangeboten rund um das Thema Geburt entstanden. In Hermeskeil gebe es Familien mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen, darunter viele mit Migrationshintergrund: „Das Tolle ist aber, dass sich alle irgendwo einbringen können. Das stärkt auch das Selbstvertrauen der Kinder.“

Wie die Kleinen vom Netzwerk profitieren, das ist ein Punkt, der die Experten von der Stiftung besonders interessiert, erklärt Peter Bleckmann. Der Forschungsreferent von der Hochschule für angewandte Pädagogik in Berlin hilft bei den Interviews. Bei Hafen sei das Besondere, sagt er, dass die Wege kurz und die Akteure „sehr nah dran an den Familien“ seien. „Das macht es für sie leichter, die Hilfe zu kriegen, die sie brauchen.“

Das bestätigt die Hermeskeilerin Judith Justinger, die ebenfalls als Nutzerin des Netzwerks zum Interview gekommen ist: „Man knüpft viele Kontakte und schaut über den eigenen Tellerrand hinaus, das bereichert ungemein.“ Claudia Gemmel lobt Cafés und Elternabende, bei denen man „Probleme und schwierige Themen“ ansprechen könne. Gut findet sie auch, „dass für unsere Ideen immer ein offenes Ohr da ist“. Als Beispiel nennt sie eine von Hafen gestartete Elterninitiative zur Aufwertung der Hermeskeiler Spielplätze.

Ob das Netzwerk zu den Siegern gehören wird, erfahren die Mitstreiter erst am 13. Mai in Berlin. „Wäre schön, wenn wir es schaffen“, sagt Karen Alt. „Auch wenn wir uns jetzt schon wie Gewinner fühlen.“

Kontakt zum Hochwälder Familiennetzwerk Hafen: E-Mail: hochwaelder-familiennetzwerk@kita-ggmbh-trier.de, Telefon: 0160/92936992.