Klanggewaltig und berührend

Die Seelen seiner Zuhörer berühren will der Trierer Tenor Thomas Kiessling. Gospels, Spirituals und berühmte Weihnachtslieder hat er sich für sein Konzert in der Pfarrkirche St. Laurentius Saarburg ausgesucht. Dabei ging es wesentlich fröhlicher und lockerer zu als erwartet.

Saarburg. Ein Tenor in Bewegung: Mit hell strahlendem Gesang ist der Trierer Tenor Thomas Kiessling in der Saarburger Pfarrkirche St. Laurentius auf sein Publikum zugegangen. Spirituals und Gospels bildeten einen Schwerpunkt seines Weihnachts- Konzertes. Den instrumentalen Gegenpol lieferte der Trierer Organist Klauspeter Bungert - als Begleitung auf dem E-Piano und auf der großen Weimbs-Orgel mit dem Präludium und Fuge in Es- Dur (BWV 561) von Johann Sebastian Bach (1685-1750).
"Das Konzert ist nicht nur eine Reise durch die Weihnachtsmusik, sondern auch durch viele Länder", erklärt der Künstler dem Trierischen Volksfreund, der den Abend auch präsentierte. Mit vielen Liedern verbinde man doch Erinnerungen, und dieser Effekt komme bei der großen Bandbreite des Repertoires sicher zum Vorschein.
Kiessling nennt selbst ein Beispiel: "Meine Oma Annemie hat an Heiligabend immer Ombra mai tu aus der Oper "Xerxes" von Georg Friedrich Händel auf unserem nussbaumfarbenen Klavier gespielt." Der heute 50-Jährige war acht, Oma Annemie 86 Jahre alt.
Dieses berühmte Stück durfte im Konzert ebenso wenig fehlen, wie die bekannten großen Weihnachtslieder. Immer wieder lockerte der Trierer Künstler den Abend mit Gedichten auf. So etwa mit der gereimten Geschichte von der Weihnachtsmaus von James Krüss (1926-1997).
Nach der Pause begrüßte Kiessling seine 110 Zuhörer so: "Ich freue mich, dass sie so zahlreich geblieben sind." Er warb für seine Weihnachts-CD, aus deren Verkaufserlös ein Großteil an den Trierer Verein Nestwärme fließt, und erzählte immer wieder kleine Geschichten. Die Noten für die Gospels habe er in einem Notenladen in New York gekauft, nachts um 1 Uhr: "Ich konnte nicht schlafen, und bin durch die Stadt spaziert."
Feierlich war jedes Mal der Moment, in dem ein Lied im großen Kirchenschiff verklang und der Applaus noch nicht einsetzte - ein bis zwei Sekunden großer Spiritualität. "Ich habe Thomas Kiessling zum ersten Mal gehört", gesteht Zuhörerin Anne Roggendorf aus Kirf. Die lockere Art, auf sein Publikum zuzugehen, ohne dass die Zuhörer in Frömmigkeit ertrinken, sei richtig toll. Philipp Zilliken aus Saarburg charakterisierte das raumfüllende Erlebnis mit den Worten: "Klanggewaltig und berührend." doth
Das nächste Gastspiel im Reigen der Weihnachtskonzerte ist am Samstag, 8. Dezember, von 16 bis 17 Uhr auf dem Hauptmarkt in Trier.