Klangvoller Höhepunkt der 1050-Jahr-Feier

Saarburg · Ein neues Wahrzeichen ist geboren: Eine 200 Kilogramm schwere Bronzeglocke steigt aus dem Boden der ehemaligen Glockengießerei Mabilon in Saarburg. 400 Besucher sind dabei gewesen. Wo das neue Instrument mit dem Schlagton d" (520 Hertz) zukünftig zu bestaunen sein wird, ist noch ungewiss.

Saarburg. "Wir haben Saarburg und die Region gelenkt", steht auf der neuen Glocke zu lesen, die am Samstag in der historischen Glockengießerei in Saarburg gegossen worden ist. Dazu sind die Wappen von Graf Siegfried von Luxemburg, des Kurfürstentums Trier, der Warsberger und der heutigen Stadt Saarburg zu sehen.
"Dieser Glockenguss ist einer der Höhepunkte der 1050-Jahrfeier, und einer, wie er nur in Saarburg möglich ist", sagt Bürgermeister Jürgen Dixius mit deutlichem Stolz in der Stimme. Die historische Glockengießerei, deren Betrieb vor sieben Jahren eingestellt wurde, ist weiterhin voll funktionsfähig.Ein Erlebnis bei 1200 Grad


Glockengießermeister Hermann Schmitt aus Brockscheid in der Eifel zeigt mit Sohn Christoph und weiteren Helfern den Guss live vor rund 400 gespannten Zuschauern. "Ich bin hier ganz in der Nähe geboren und habe sowas noch nie gesehen", freut sich Heidi Neusius (63), die sich einen Platz in der ersten Reihe gesichert hatte.
Mit vier Schubkarren Koks wird die Schmelze in zwei Öfen auf 1200 Grad Celsius gebracht. Immer wieder schaut Meister Schmitt in die Öfen: "Wir erkennen an der Farbe, wie heiß die Schmelze ist." Drei Stunden lang ist geheizt worden. Die Legierung aus Zinn und Kupfer muss stimmen, damit die neue, 200 Kilogramm schwere Bronzeglocke schön klingt. "Der Schlagton wird d" sein", erklärt der Meister.
Das entspricht einer Schwingung von 520 Hertz. Bronze sei im Vergleich zu Stahl oder Grauguss ein Garant für einen warmen, angenehmen Klang.. Endgültig geklärt ist noch nicht, wo die Jubiläumsglocke zukünftig stehen wird. Bürgermeister Jürgen Dixius kündigt schon einmal an: "Die Glocke kann dann jedenfalls auch angeschlagen werden."
Kurz vor dem Guss werden zwei Kerzen entzündet. Der Heilige Josef ist Schutzpatron aller Gießereien und Zimmerleute. Beide Gewerke treffen sich in Glockenstühlen von Kirchen. Dann bittet Gießmeister Schmitt das Publikum um Ruhe: "Wir müssen uns jetzt klar verständigen können." Denn jeder Handgriff muss sitzen. Es gibt nur einen Versuch.Zuschauer sind begeistert


Zunächst wird eine Stimmgabel gegossen. Sie muss aus der gleichen Gusscharge stammen, damit der Schlagton exakt bestimmt werden kann. Aus zwei Tiegeln fließt die flüssige Bronze in die Form. Aus den Windpfeifen werden entstehende Gase abgefackelt, eine dramatisch aussehende Szene. Die Zuschauer applaudieren spontan.
Am Sonntagnachmittag, kurz nach 16 Uhr, ist es so weit. Die aus ihrem Mantel und vom Kern befreite Jubiläumsglocke soll zum ersten Mal erklingen. Aber erst müssen ihre technischen Details überprüft werden. Zuerst wird sie an die Waage gehängt - 200 Kilogramm wiegt sie. Der Durchmesser: 69 Zentimeter.Die Glocke klingt


Dann der große Moment: Urbanus Mabilon, gespielt vom Zeitreisenden Wolfgang Matthes, der die Glockengießerei im Jahr 1770 in Saarburg gegründet hat, darf die Glocke zum ersten Mal erklingen lassen.
Danach erklingt das Kirchenlied "Großer Gott, wir loben dich". Jetzt muss nur der Glockengießermeister Hermann Schmitt aus Brockscheid noch die Klangqualität der von ihm keine 24 Stunden zuvor gegossenen Glocke prüfen.
Aber auch er ist zufrieden mit dem sicherlich klangvollsten Höhepunkt der Saarburger 1050-Jahr-Feier.