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Klares Bekenntnis zu Keller Schule: Kreistag hält an Neubau-Plänen für Realschule plus fest

Klares Bekenntnis zu Keller Schule: Kreistag hält an Neubau-Plänen für Realschule plus fest

Der Kreistag hat mit großer Mehrheit dafür gestimmt, an den Neubauplänen für die Realschule plus in Kell festzuhalten. Ein neues Bündnis macht Hoffnung auf bald steigende Schülerzahlen.

Es kommt immer wieder Applaus von den Zuschauerplätzen im großen Saal des Kreishauses. Von dort verfolgen am Montagnachmittag etwa 30 Lehrer, Eltern, Schüler und politische Unterstützer der Realschule plus Kell/Zerf die Sitzung des Kreistags Trier-Saarburg. Es geht um die Zukunft ihrer Schule. Viele registrieren erleichtert das Ergebnis der Abstimmung: Eine große Mehrheit - mit Ausnahme der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen - will am Plan zur Erweiterung des Schulbaus in Kell festhalten.

Die Grünen hatten das Thema auf die Tagesordnung gebracht - und ihren Vorstoß mit der Entwicklung der Gesamtschülerzahl in Kell/Zerf begründet. Diese ist im aktuellen Schuljahr auf 181 gesunken. Bei weniger als 181 Schülern insgesamt und weniger als 26 Kindern im fünften Schuljahr droht der Einrichtung nach Vorgaben des Schulgesetzes die Schließung durch die Landes-Schulbehörde. Im August wurden 22 neue Fünftklässler angemeldet.
Paul Port (Grüne) erklärt vor dem Plenum, dass die Gesamtzahl mit hoher Wahrscheinlichkeit noch im laufenden Schuljahr unter die kritische Grenze sinken werde. Die Schulbehörde habe signalisiert (TV vom Montag), dass sie dann umgehend handeln werde. Port betont, auch seine Fraktion habe der Konzentration der zurzeit noch an zwei Standorten geführten Realschule plus in Kell zugestimmt und auf ein "starkes Zeichen der Eltern" gehofft.

Stattdessen sei der Rückgang bei den Anmeldungen so dramatisch, dass die Schule im fünften und sechsten Schuljahr nur noch je eine statt drei geforderten Klassen vorweise. Die Eltern hätten offenbar "mit den Füßen abgestimmt" - trotz "engagierter Lehrer, eines schlüssigen pädagogischen Konzepts und einer angenehmen Atmosphäre". Es sei "an der Zeit" für den Kreis als Schulträger, eine Entscheidung zu treffen und das Verfahren für einen acht Millionen Euro teuren Neubau in Kell einzustellen. Der Vertrag mit den Architekten liege zur Unterschrift vor. Im Falle einer Schließung hätten die Planer Anspruch auf Honorierung des "entgangenen Gewinns", was eine "hohe sechsstellige Summe" bedeute.

Die anderen Fraktionen widersprechen heftig. Sascha Kohlmann (CDU) nennt den Grünen-Vorstoß einen "unsäglichen Angriff auf die Schule zur Unzeit". Stattdessen müssten die begonnenen Bemühungen verstärkt werden, mit dem Angebot der Schule dem Fachkräftemangel entgegenzutreten und mit Industrie und Handwerk in der Region zusammenzuarbeiten. Lothar Rommelfanger (SPD) erklärt eine erneute Abstimmung über die geplante Erweiterung für "überflüssig". Durch die Realschule plus in Kell werde das Bildungsangebot im ländlichen Raum gestärkt. Auch deshalb gebe es die Ausnahmegenehmigung des Landes für den Betrieb einer nur zweizügigen Realschule plus.

Matthias Daleiden (FWG) spricht von einem "Schnellschuss zur falschen Zeit", wo die Schule gerade ein "lokales Bündnis" mit Betrieben und Kammern schmiede und die Berufsorientierung über Schulpatenschaften noch stärker im Unterricht einbinden wolle. Man habe erkannt, dass es "fünf vor zwölf" sei. Daleiden verweist auf einen Brief von Martin Alten (CDU), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kell am See, an Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) und auf deren Antwort. Die Ministerin selbst ermuntere die Verantwortlichen, die Schulpatenschaften könnten ein Beitrag zu mehr Akzeptanz sein. Das finanzielle Risiko sei zudem begrenzbar, da die Aufträge für den Neubau schrittweise und kleinteilig erfolgen sollten. Die kleinen Fraktionen lehnen den Vorstoß der Grünen ebenfalls ab.

"Unsere Wirtschaft braucht die Schule im Hochwald", sagt Gerd Benzmüller (FDP). Karl-Georg Schroll (Piraten) erklärt, man könne den Kindern lange Fahrzeiten, wie sie nach einer Schließung in Kell nötig wären, nicht zumuten.
Auch der stellvertretende Schulleiter Andreas Hochhalter darf am Rednerpult sprechen. Er appelliert vor der Abstimmung an die Politiker: "Geben Sie uns Zeit und Ruhe, damit sich die Zahlen stabilisieren können." Landrat Günther Schartz (CDU) bekräftigt: "Wenn wir nicht an diese Schule glauben würden, dann hätten wir die Pläne für den Neubau nicht auf den Weg gebracht." Gleichwohl spielten die Schülerzahlen eine "wichtige Rolle", man blende sie nicht aus. "Ohne Anmeldungen geht es nicht: Sonst sind uns irgendwann die Hände gebunden."

AUSZEICHNUNG FÜR BEITRAG ZU EINER FAIREN WELT
Die Grund- und Realschule plus Kell/Zerf hat sich erfolgreich um den Titel "Fair Trade"-Schule beworben. Die Auszeichnung wird am heutigen Mittwoch durch das Pädagogische Landesinstitut und den Verein Trans Fair übergeben - im Anschluss an das Schulsportfest auf der Keller Sportanlage. Im Rahmen des Festes starten die Schüler einen "Lebenslauf" unter der Schirmherrschaft der Welthungerhilfe, um mit Sponsorenhilfe das Ziel "Null Hunger bis 2030" zu unterstützen.
In den vergangenen sechs Monaten hat die Schule viele Aktionen umgesetzt, um bessere Arbeits- und Handelsbedingungen für Bauern und Lebensmittelerzeuger in ärmeren Ländern zu fördern. Im Unterricht wurde laut Schulleitung das Thema fairer Handel in verschiedenen Fächern behandelt. Das schuleigene Fair-Trade-Team aus Eltern, Lehrern und Schülern habe fair gehandelte Produkte für den Pausenverkauf organisiert. Diese werden auch heute am Sportplatz angeboten. Infotafeln werden zudem zukünftige Aktionen vorstellen.Kommentar

Klares Bekenntnis zu Keller Schule: Kreistag hält an Neubau-Plänen für Realschule plus fest
Foto: Christa Weber

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Die Mehrheit im Kreistag glaubt weiter an eine Zukunft für die Realschule plus am Standort Kell. Das haben die Kreistagsmitglieder mit ihrer Reaktion auf den Grünen-Antrag deutlich gemacht. Sie haben der Schulgemeinschaft mit ihrem erneuten Ja zum Erweiterungsbau in Kell den Rücken gestärkt. Man habe die kritische Entwicklung der Schülerzahl zwar im Blick, hat der Landrat betont. Offenbar sehen die Kreispolitiker jedoch die Chance, kurzfristig bis zum nächsten Zahlencheck im Frühjahr 2018 die Trendwende zu schaffen. Dazu müssen die Eltern im Hochwald nun aber möglichst bald von den Stärken und Vorzügen der Einrichtung überzeugt werden. Der Ansatz, noch stärker und direkter den Kontakt zu Betrieben, Kammern und Handwerkerschaft zu suchen, könnte dabei durchaus helfen. Aber dann darf jetzt nicht mehr gezögert werden: Das Ganze muss so schnell wie möglich offensiv beworben und der breiten Öffentlichkeit bekanntgemacht werden.
c.weber@volksfreund.de