Klavier-Legende verzückt Saarburger Publikum

Saarburg · Vor ausverkauftem Haus, mit 150 Zuhörern, feierten der Jazz und seine Ursprünge ein musikalisches Fest. Der weltbekannte Pianist Gottfried Böttger erklärte sogar augenzwinkernd, was Gospel, Ragtime und Blues mit Mozart zu tun haben. Eine ganze Menge, wie er findet.

Klavier-Legende verzückt Saarburger Publikum
Foto: Herbert Thormeyer (doth), Herbert Thormeyer ("TV-Upload Thormeyer"

Saarburg. Eine Legende gibt sich die Ehre in der Saarburger Kulturgießerei: Boogie-Woogie, Ragtime- und Jazz-Pianist Gottfried Böttger (TV-Foto: Herbert Thormeyer), einem größeren Publikum seit 1974 noch von der Talkshow 3nach9 bekannt, arbeitete diese Musikform auf und beschrieb am Klavier, wie sie von der Klassik beeinflusst wurde. Von der historischen Glockengießerei ist der Musiker sehr angetan: "Das ist hoch spannend hier und hat auch eine sehr gute Akustik." Alte Architektur treffe hier auf alte Musik, denn der Gospelgesang habe ja eine sehr lange Geschichte. Schmelztiegel des späteren Jazz war um 1900 New Orleans im Süden der USA, einer Stadt, die schon mal fünf Opernhäuser hatte. "Gospel, Ragtime und Blues trafen dort auf Klassik, denn jede dieser Stilrichtungen war durch Einwanderer vertreten. Heraus kam dann der Jazz", erklärt der Pianist aus Hamburg seinem Publikum vor ausverkauftem Haus. So bekamen die rund 150 Zuhörer auch ein wenig Geschichtsunterricht in Sachen Jazz und seiner Wurzeln. Der Amsterdamer Jazz-Pianist Eeco Rijken Rapp und der Bielefelder Schlagzeuger David Herzel unterstützten das Musikerlebnis. Alle drei legten schwungvoll los. Noten brauchen sie dafür keine. Gospel, die Kirchenmusik der schwarzen Amerikaner, sei rund 300 Jahre alt, erklärte Böttger und ließ die Beispiele I feel like a motherless child und I feel the Spirit erklingen- alles mit einem Lächeln im Gesicht. Alle drei haben richtig Spaß bei ihrer Musik.
Sklaven- und Freiheitshymnen


Die Sklavenhymne Glorie, Glorie, Halleluja wurde zur Freiheitshymne, das weltliche Gegenstück, der Blues, zur Musik der Hoffnung. Besonders beeindruckte Böttger mit einem Scott-Joplin-Stück, das eindeutig auf das Weihnachtslied Leise rieselt der Schnee zurückzuführen ist. "Das habe ich auf einer Papierwalze gefunden, mit dem pneumatische Klaviere früher automatisch gespielt haben", lautete die Erklärung. Vierhändig ging es mit Eeco Rijken Rapp weiter.
"Böttger kenne ich noch vom Fernsehen. Wenn er spielt, ist das ein Genuss", sagte Zuhörerin Lisa Müller aus Saarburg. Ihrer Freundin Erika Biewer fügte hinzu: "Das ist einfach Spitze. Man hört sowas leider viel zu selten." doth