Kleine Rebfläche, große Ziele

PERL-NENNIG. (hpü) Befindet sich der Weinbau in der Region auf dem absteigenden Ast? Immerhin war die Zahl der bewirtschafteten Rebflächen in den vergangenen Jahren rückläufig. Die "Winzergilde Nennig" will dem entgegenwirken.

Montagmittag in einer Scheune im Perler Ortsteil Nennig: Stimmengewirr und das Klingen von Gläsern erfüllen die Luft. Hin und wieder blickt einer aus der rund 20-köpfigen Gruppe, die an einem Holztisch zu einem Glas Wein Platz genommen hat, zur Traubenpresse. Gleichmäßiges Surren des stählernen Ungetüms verrät: "Alles in Ordnung!" Bis auch die letzten Trauben gekeltert sind und der Most in einen der großen Edelstahltanks gepumpt ist, dauert es noch etwas. "Die Qualität der Früchte ist dieses Jahr sehr gut", erklärt Armin Fuchs, einer aus der Runde. Dabei strahlt er übers ganze Gesicht: Erstmals konnte die Winzergilde "Vinum bonum" Nennig, deren Vorsitzender Fuchs ist, die Ernte einfahren. In den kommenden Monaten soll aus dem Most in der angemieteten Scheune Wein entstehen. Seit Ende 2003 gibt es die Winzergilde. Rund 60 Mitglieder aus Nennig und darüber hinaus unterstützen den Verein sowohl mit ihren Beiträgen als auch mit Tatkraft. Weshalb sich die Weinfreunde, zu denen auch zwei Haupterwerbswinzer gehören, vor zwei Jahren zusammenschlossen, erklärt Fuchs so: "In der Vergangenheit ist der Weinbau in der Region stark geschrumpft. Innerhalb von nur zehn Jahren wurden im Anbaugebiet Mosel-Saar-Ruwer rund 2500 Hektar Rebfläche stillgelegt." Auf dem Gebiet der Gemeinde Perl mit ihren Ortsteilen Oberperl, Sehndorf und Nennig liegt das einzige Weinbaugebiet des Saarlands. Es misst rund 100 Hektar. Noch vor Jahren war es rund ein Drittel größer. "Für uns stand deshalb fest, dass etwas geschehen musste", betont Fuchs. Ziel der Winzergilde "Vinum bonum" ist, gerodete Rebflächen anzupachten und neu zu bepflanzen oder brach liegende Weinberge zu reaktivieren. So wurde eine - noch - kleine Fläche von rund einem halben Hektar wieder auf Vordermann gebracht. Zu den Rebsorten gehören Blauer Frühburgunder, Elbling, Auxerrois und Saint Laurent. Nun stand erstmals die Traubenlese an. Das Geld aus dem Verkauf des Weins landet in der Vereinskasse. Auf die Frage nach den Zukunftsplänen der Nenniger Winzergilde antwortet Fuchs: "Mal sehen, wie sich die Sache einspielt." Ein Zuwachs bei den gepachteten Rebflächen sei durchaus denkbar. Geplant sei auch eine kleine Probierstube. Vorerst aber sei vor allem eines wichtig: "Dadurch, dass sich bei uns zum Teil ‚weinbaufremde' Leute mit der Materie befassen, wird ein Stück (Wein-)Kultur wieder in die Bevölkerung gebracht." Weitere Informationen unter www.winzergilde.de

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