Klostergründer mit E-Gitarre

Ein außergewöhnlicher Rockmusiker zu Gast in Saarburg. Notker Wolf, Abtprimas der benediktinischen Konföderation, hat mit seinem Auftritt rund 3500 Euro Spendengeld "eingespielt". Der Betrag fließt in die vielfältigen Aufgaben des ältesten Ordens der Christenheit.

Saarburg. "Katholisch sein ist was ganz Frommes und Lahmes? Es geht auch anders!" Das sagt Abtprimas Notker Wolf, der Vorsitzende des Benediktinerordens, vor mehr als 400 Zuhörern in der Saarburger Stadthalle. Und dann rockt er auf seiner E-Gitarre los: Smoke on the Water von Deep Purple schallert es durch die Halle in der Heckingstraße.
Der bekennende Hardrock- Fan (Jahrgang 1940) ist Chef der benediktinischen Konföderation - und damit der oberste Mönch des katholischen Ordens. Und Wolf hat auch familiäre Wurzeln in der Region: Seine Mutter stammt aus Mannebach, er selbst hat in dem Dorf auf dem Saargau viele Tage seiner Kindheit verbracht. Dieses Mal besucht er die alte Heimat wegen des 500-jährigen Bestehens der Beuriger Marientracht "Mein Mönchsname Notker heißt Stotterer, eigentlich heiße ich Werner", klärte der fromme Rocker auf.
Die Mundart war auch die zweite tragende Säule des Konzertabends. Hans-Walter Lorang aus dem saarländischen Berus hat sich in seinen Liedern ganz dem Moselfränkischen verschrieben. Mit Titeln wie "Wie gehdet da dann?", "Da Opa" und "Mei Sprooch" bringt er die Heimat und das dazu gehörende Lebensgefühl zum Klingen. Dieser Sprache ist auch Abt Notker noch mächtig. "Scheenen gudden Oovend", so sein Gruß.
Den großartigen Sound lieferte das Lucky-Lips-Orchester mit Richard Bauer, der an den Keyboards den Takt angibt. "An diesen Klang kann man sich gewöhnen", fand Hans-Walter Lorang.
Der ständig auf dem gesamten Erdball umherreisende Mönch klärte ausführlich über die Arbeit des Ordens und seine Ziele auf: "Die Benediktiner sind sich für nichts zu gut. Sie wollen Christus folgen und Gott suchen." Der Allmächtige habe ihn auch selbst schon gut "durchgeknetet", stand dabei aber stets an seiner Seite, sagt der Geistliche.
Spendensammeln mit Musik


Notker Wolf hat selbst sechs Klöster gegründet, zahlreiche Bücher geschrieben - und er ist Hardrock-Fan mit Herz und Seele. Mit E-Gitarre und Querflöte sammelt er bei Konzerten Geld für die Seelsorge, vor allem für die Förderung junger Menschen. Das sei eine bessere Geldanlage als bei Lehman-Brothers, habe er einmal einigen Bankern gesagt. Deshalb warb der Saarburger Pastor Peter Leick auch vehement beim Publikum, nicht knauserig zu sein. Das stolze Ergebnis: Rund 3500 Euro Spendengeld. "Scheen woaret haut oovend", stellte Lorang am Schluss musikalisch fest.doth