Knackig frische Versuchungen

Kaum ein Obstbauer hat in diesem Jahr eine erfolgreiche Ernte gemacht. Dennoch kamen die rund 2000 Besucher des ersten Apfelmarkts auf dem Hofgut Serrig in den Genuss vieler knackig-frischer Früchte. Die große Vielfalt an verschiedenen Apfelsorten machte es möglich.

Serrig. In der goldenen Herbstsonne strahlen sie besonders bunt. Rund 20 Apfelsorten werden auf dem Hofgut Serrig angebaut. Sogar 60 Sorten hatte ein Fachmann, Obstbaumeister Roland Koster, zum ersten Apfelmarkt auf dem Hofgut mitgebracht. Günter Hunsicker aus Fisch, ein Kämpfer für den Erhalt der heimischen Streuobstwiesen, erklärte, was es mit dem Viez und dem richtigen Baumschnitt auf sich hat.
Mehr als 2000 Menschen fanden den Weg aufs Hofgut, wo 170 geistig behinderte Erwachsene beschäftigt sind. Es waren ganz normale Begegnungen. "Es ist Integration in einer Marktsituation, völlig barrierefrei", freut sich Hofgutleiter Michael Köbler. An 15 Ständen wurden regionale Produkte angeboten. Der Naturpark Saar-Hunsrück war Mitveranstalter und präsentierte ebenfalls gleich 60 Apfelsorten.
"Ich hätte nicht gedacht, dass es so viele Sorten gibt", staunt Madline (8) aus Irsch. Vater Norbert Lui ist selbst Obstbaumbesitzer und weiß: "Es gibt geschätzt 2000 Sorten in Europa." An seinen eigenen Bäumen sei die Ernte in diesem Jahr aber sehr mager ausgefallen.
Das Hofgut setzt auf viele Sorten, damit Frost nicht alle Blüten gleichzeitig schädigt. "Wir liegen auf dem Berg. Die kalte Luft ist in der Blütezeit im Tal geblieben", freut sich Köbler. Die 40-prozentige Einbuße bei der Apfelernte sei zu verschmerzen, wenn man sie mit dem Totalausfall bei anderen Obstbauern vergleicht. Obstimporten aus dem fernen China erteilt Köbler eine Absage: "Das ist ökologischer Wahnsinn." Für Äpfel, die auf der Plantage des Hofgutes gewachsen sind, und deshalb nur ein paar Meter "reisen" mussten, kann sich auch Marie-Luise Hansen aus Serrig begeistern: "Dieses Fest in eine klasse Idee." Und Helmut Weimann aus Saarburg schwört: "Viez hält das Blut gesund." Beim Apfelmarkt konnte zu Hause die Küche kalt bleiben. Die Mitarbeiter bedienten die Gäste mit feinen Speisen. Kinder konnten sich auf dem Gut frei austoben und sogar mit der historischen Feldbahn die Anlage umrunden.Extra

Das Hofgut Serrig gibt es seit fast 25 Jahren. Ziel ist die Förderung und Beschäftigung geistig behinderter Menschen. "Es geht um die gleichberechtigte Teilnahme am Arbeitsleben", sagt Hofgutleiter Michael Köbler. In Werkstatt und Landwirtschaft, insbesondere der Apfelproduktion, wird für jeden der 170 Beschäftigen eine passende Arbeit angeboten. Ein Viertel der Kosten kann das Hofgut durch Landwirtschaft und Viehzucht selbst decken. Der Rest wird über Pflegesätze durch den Landkreis Trier- Saarburg und die Stadt Trier finanziert. doth

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