Könige aus Holz von Ralf Knoblauch - Skulpturenausstellung "Mensch ist Mensch - überall in Hermeskeil

Könige aus Holz von Ralf Knoblauch - Skulpturenausstellung "Mensch ist Mensch - überall in Hermeskeil

Kaum jemand stolpert in seinem Alltag ständig über das Thema Menschenwürde. Doch mit der ungewöhnlichen Skulpturenausstellung "Mensch ist Mensch" werden die Hermeskeiler ab Sonntag tagtäglich und fast überall mit ihr konfrontiert. Die hölzernen Königsfiguren von Ralf Knoblauch machen es möglich.

Hermeskeil. Bekleidet ist sie nur mit einem weißen Hemdchen. Ihre Augen sind geschlossen, die Arme eng an den Leib gepresst, die Füße dicht beieinander. Eine Krone sitzt schief auf dem Kopf, und dennoch lächelt sie glückselig. Einen Namen hat ihr Ralf Knoblauch nicht gegeben, aber den besitzt keiner seiner fast 90 Königsskulpturen.
15 dieser Holzfiguren zeigt der katholische Diakon aus Bonn auf Einladung von Dechant Clemens Grünebach und seinem Team mit Unterstützung der Bischof-Stein-Stiftung. Doch nur am Sonntag, 30. Oktober, können die Besucher sie alle auf einmal im Mehrgenerationenhaus Hermeskeil sehen. Danach tauchen sie einzeln dort auf, wo niemand mit ihnen rechnet: Im Krankenhaus, Fitnessstudio, Café, Jobcenter, Rathaus oder beim Bestatter. Knoblauch erlaubt ausdrücklich, was bei Kunstobjekten sonst strikt verboten ist: "Die Leute dürfen die Skulpturen anfassen."Verantwortung übernehmen



Eine Aufforderung nicht ohne Hintergedanken. Seine Könige sind keine kolossalen Machtmenschen, die im Mittelpunkt stehen. Sie strahlen im Gegenteil Bescheidenheit, Schlichtheit und Würde aus. "Was ist denn nun das Königliche an dieser Skulptur, warum steht die da?, soll sich der Betrachter an den verschiedenen Stationen fragen", erklärt Knoblauch, um dann zu erläutern: "Wir werden an unsere eigene Königswürde erinnert. Wir sind Menschen, die königlich werden sollen und für andere da sind. Die Figuren in ihrer Verletzlichkeit fordern uns auf, Verantwortung zu übernehmen. Für uns und für andere."
Da passe es gut, wenn eine Skulptur ausgerechnet in einem Fitnessstudio stehe. Dort sei der beste Ort, um sich zu fragen: Wie gehe ich mit meinem Körper um?
Dass die Menschenwürde Ralf Knoblauch so beschäftigt, liegt an seinem Job. Eine Arbeit, die an ihm zehrt. Als Diakon arbeitet er in den sozialen Brennpunkten des Bonner Nordwestens. Zu ihm kommen Menschen, die Gewalt in der Familie erlebt haben, arbeitslos sind, Schulden haben, und oft muss er auch jene bestatten, die niemand auf ihrem letzten Weg begleitet. Deshalb steht er morgens um 5 Uhr auf und werkelt an seinen Skulpturen, bevor der Trubel beginnt. "Die Könige sind für mich kein Hobby, sondern gehören für mich zum Lebensentwurf. Sie sind eine andere Art der Verkündigung für mich." Inspiration erfährt er beim Zuschneiden der Hölzer. Wenn der Rohling im Keller steht, weiß er, was für eine Art König er aus dem Stück Holz erschaffen will. Nichts anderes verlässt seine Werkstatt, auch wenn der König bisweilen weiblich ist. Knoblauch meint, er habe schon immer ein besonderes Verhältnis zu Königen gehabt, seitdem er 1982 in Köln seine Schreinerausbildung begann. "Dort liegen die Heiligen Drei Könige in einem Schrein. Später bekam ich eine Stola zur Diakonweihe geschenkt, darin waren die schlafenden Heiligen Drei Könige eingestickt." Pastoralassistentin Angela Schmidt hat Knoblauch mit seinem Konzept schon infiziert. "Wir haben uns im Team überlegt, dass die Menschen regelrecht über die Skulpturen stolpern sollen. Daher verteilen wir sie über ganz Hermeskeil." Als Denkanstoß, als Erinnerung. "Würde", sagt Knoblauch, "kann einem nie ganz genommen werden."Extra

Könige aus Holz: In ihrer schwarz-weißen Kleidung sind sie zwar stets gleich, doch in ihren Kronen unterscheiden sie sich. Fotos: Ralf Knoblauch. Foto: (h_hochw )
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Foto: (h_hochw )
Foto: (h_hochw )

Die Königsskulpturen von Ralf Knoblauch sind bis 20. November an verschiedenen Orten in Hermeskeil zu sehen: Krankenhaus, Altenheim, Rathaus, Jobcenter, Fitnessstudio, Schulen, Bestattern, Mehrgenerationenhaus (MGH) Johanneshaus, Kindertagesstätte Villa Kunterbunt, Café Louis, evangelische und katholische Kirche und am Ort der ehemaligen Synagoge. Vernissage: Sonntag, 30. Oktober, 11.30 Uhr, im Mehrgenerationenhaus Johanneshaus. Podiumsdiskussion: Ministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler referiert zum Thema: "Welche Rolle spielt der Mensch? Menschenwürde im Gesundheitswesen", Dienstag, 22. November, 20 Uhr, MGH Johanneshaus, in Anwesenheit von Ralf Knoblauch. Gottesdienst: Sonntag, 20. November, 10.45 Uhr, St. Martinuskirche Hermeskeil mit Ansprache von Pastoralassistentin Angela Schmidt. Rundgänge: Wöchentlich wird ein einstündiger Rundgang angeboten: Freitag, 4. November, 17.30 Uhr; Sonntag, 13. November, 16 Uhr, Mittwoch, 16. November, 17.30 Uhr, Treffpunkt MGH Johanneshaus. vk

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