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Konfessionelles Miteinander im 16. Jahrhundert

Konfessionelles Miteinander im 16. Jahrhundert

Der Trierer Professor Andreas Mühling entführte mit seinem Vortrag im Hermeskeiler Bonhoefferhaus in die Region zur Zeit der Reformation.

Hermeskeil Warum nicht mal die Reformation durch die regionale Brille betrachten? Wie gingen die Menschen in Hunsrück und Eifel und an der Mosel damit um? Es muss doch schwierig gewesen sein, in dieser Zeit, in der die Landkarte einem Flickenteppich glich. Nach den Ausführungen von Professor Andreas Mühling zu schließen, war es das unbestritten. Aber es barg ganz offensichtlich auch Vorteile, wie er im Hermeskeiler Bonhoefferhaus erläuterte.
Denn anders als in manch anderer Region musste niemand weit weg, wenn er einer anderen als der vor Ort verbindlichen Konfession folgte. Eine entsprechende Gemeinschaft fand sich in der Regel nur wenige Kilometer entfernt, was erklärt, dass die Bevölkerung gelassen damit umging.
"Das zielt schon klar ab auf Pluralität und Vielfalt", betonte Mühling, an der Uni Trier Professor für Geschichte der frühen Neuzeit. Im 16. wie im 17. Jahrhundert habe es dieses konfessionelle Miteinander gegeben. Starre Regeln seien auf "rheinische Art" unterlaufen und ausgehebelt worden. Während sich anderswo Menschen bekriegten, blieb es in der Region friedlich. Störungen religiöser Feste oder Streitigkeiten wie um Friedhöfe kamen erst im 19. Jahrhundert auf. Dabei engte der Augsburger Religionsfriede von 1555 stark ein. Das Reichsgesetz räumte nur Landesherren - Kurfürsten, Herzögen, Grafen oder Vögten von Gebieten mit oft mehreren Herren - die Konfessions-Entscheidung ein. Die Bevölkerung wurde konfessionell zwangsverpflichtet, konnte aber in ein anderes Herrschaftsgebiet ziehen oder in eine der Reichsstädte, in denen Konfessionsfreiheit galt. Trier zählte nicht dazu, wie auf Betreiben von Caspar Olevian geklärt wurde. Die Folge: Etwa 300 Anhänger der Reformation mussten die Stadt verlassen, was viele nach Veldenz führte. Eine Zuhörerin erkannte die "guten Voraussetzungen für Ökumene". Friedhelm Völlm, zugezogen aus der Pfalz, war bisher nicht klar, "dass das hier so kleinstaatlich verzettelt war" und dass das so ausschlaggebend gewesen sei für die Konfessions-Verbreitung. Kerstin Schmitz-Stuhlträger war überrascht von der "Vielfalt hier bei uns im Hochwald". Lange habe es keine Auseinandersetzungen gegeben, was für das Miteinander von Katholiken und Protestanten spreche, die hier schon immer zusammen gelebt hätten. Eingeladen zu dem Vortrag im Rahmen des Kultursommer Rheinland-Pfalz hatte Agnes Weiß, Leiterin der Hermeskeiler Volkshochschule.