Konflikte gewaltfrei meistern

IRSCH. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans womöglich nimmermehr – beispielsweise den Umgang mit Konflikten. Kinder des Kindergartens und der Grundschule Irsch wissen hingegen, wie sie körperlicher und verbaler Gewalt aus dem Weg gehen können. In einem Workshop des "Bündnisses gegen Gewalt" lernten sie, wie es geht.

Die Gewalt, mit der Kinder und Jugendliche in Berührung kommen können, hat viele Facetten. Das Spektrum umfasst verbale Attacken ebenso wie handfeste Auseinandersetzungen - Übergriffe durch Erwachsene eingeschlossen. Nicht zuletzt im Hinblick auf die mehr oder weniger regelmäßig die Republik "erschütternden" Berichte über Gewalt an deutschen Schulen stellt sich die Frage nach den Möglichkeiten, die junge Leute haben, um Konfliktsituationen unbeschadet meistern zu können. Ziel: Flexibilität und Wahrnehmungsfähigkeit

Dabei gilt: Was Hänschen nicht lernt, lernt auch Hans womöglich nimmermehr. Dem steht die Arbeit des vor rund zwei Jahren von Constantin Mock gegründeten "Bündnisses gegen Gewalt" entgegen. Das Angebot des Bündnisses umfasst unter anderem Workshops in Kindergärten und Schulen, in denen die jungen Teilnehmer Strategien zur Lösung von Konflikten sowie zur Vermeidung von Auseinandersetzungen lernen. Jüngst machten Mock und sein Team in Irsch Station. Kursteilnehmer waren die Kinder des örtlichen Kindergartens und der ersten Grundschulklasse. Die Lerninhalte, die Constantin Mock seinen Schülern vermittelt, basieren auf den Prinzipien des Wing Tsun, einer asiatischen Kampfkunst zur Selbstverteidigung. "Bei unseren Workshops stehen die Kampftechniken allerdings im Hintergrund", erläutert Mock, der Leiter der Wing Tsun-Schulen im Kreis Trier-Saarburg ist. Vielmehr komme es auf das Trainieren der körperlichen und geistigen Flexibilität sowie der Wahrnehmungsfähigkeit an. "Genau diese Eigenschaften kommen beim Wing Tsun zum Tragen." Im Idealfall resultieren daraus ein stärkeres Selbstbewusstsein und damit die Voraussetzung, Konflikte erfolgreich zu meistern. Doch wie sieht das in der Praxis aus? "Grundsätzlich ist es wichtig, Gefahren und bevorstehende Konflikte als solche erkennen zu können", weiß Wing Tsun-Trainer Mock, der in diesem Zusammenhang gerne von der "eingebauten Alarmanlage" spricht. Gemeint sind das eigene Angstgefühl und die Fähigkeit, darauf zu hören: "Will der fremde Mann mir nur deshalb seinen Autoschlüssel geben, damit ich ihm ein Medikament holen kann, oder will er mich bei der Übergabe des Schlüssels packen?" Gelingt es nicht, im Zweifelsfall möglichst rasch das Feld zu räumen und bahnt sich ein Übergriff an, ist eine gewisse Distanz zum Gegenüber hilfreich - "mindestens zwei Erwachsenenschritte", wie die Drei- bis Sechsjährigen aus Irsch wussten. Rollenspiele sollen es den Kleinen dabei erleichtern, das Gelernte zu verstehen. Darin üben sie unter anderem eine spezielle Abwehrhaltung, die Mock "Doppel-Stopp" nennt und bei der beide Handflächen in Richtung des Gegners zeigen. Sie und eine passende verbale Aufforderung sollen signalisieren: "Bleib' mir vom Leib!" Lässt sich der potenzielle Angreifer davon nicht abschrecken, bleibt nur, Hilfe zu holen. "Das erfordert natürlich Überzeugungsarbeit gegenüber dem möglichen Helfer", wie Mock betont, der bei seiner Arbeit von Frederik Skopp, Susann Heinz und Jan Trierweiler unterstützt wird.Überwiegend positive Rückmeldung

"Die Rückmeldungen, die wir von Eltern und Lehrern bekommen, sind überwiegend positiv", erklärt Kampfkunst-Lehrer Mock. "Denn die Erfahrung hat gezeigt, dass sich die Kinder das Gelernte tatsächlich merken." Auch Maja Brandscheid, Leiterin der Grundschule Irsch, befürwortet die Workshops des Bündnisses gegen Gewalt. Denn: "Die Arbeit von Constantin Mock und seinem Team können wir in dieser Form nicht leisten." Infos zum "Bündnis gegen Gewalt" und zu den Workshops gibt es unter der E-Mail-Adresse info@buendnisgegengewalt.de oder unter der Rufnummer 0651/9991969.

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