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Kontroverse Diskussion über Realschule plus

Kontroverse Diskussion über Realschule plus

Bei einer Informationsveranstaltung zur Realschule plus im Kloster Karthaus haben sich auch Kritiker zu Wort gemeldet. Staatssekretärin Vera Reiß (SPD) diskutierte nach ihrem Vortrag mit Schülern und Eltern.

"Unsere Abschlusszeugnisse sollen Realschulzeugnisse sein", fordern die 15-jährigen Schülerinnen Henriette Kühnel und Jessica Schuch aus der Klasse 10b der Realschule plus in Konz. Aber nicht nur die Zeugnisfrage führte zu einer lebhaften Diskussion bei einer Informationsveranstaltung zur Realschule plus im Kloster Karthaus, zu der die SPD eingeladen hatte.

Den Besuchern erläuterte Vera Reiß, Staatsekretärin im rheinland-pfälzischen Bildungsministerium, die Pläne und Erwartungen an die neu eingeführte Realschule plus: "Längeres gemeinsames Lernen, das Sichern von Schulstandorten und die abgestufte Ausbildung mit starker Praxisorientierung, bei der nach dem Besuch der Realschule plus und der Fachoberschule sogar noch die Qualifikation zur Fachhochschule erworben werden kann, sind unsere Ziele. "Dass das Konzept angenommen werde, zeige sich auch dadurch, dass es im Land keine Protestbewegungen wie zum Beispiel in Hamburg gebe. "Der Zusammenschluss von Hauptschule und Realschule zur Realschule plus ist ein Etikettenschwindel", sagte dagegen Günter Grimbach, stellvertretender Elternsprecher an der Konzer Realschule plus. "Was sich nach mehr anhört, ist am Ende weniger."

Diese Ansicht teilen auch die Schüler der in der Realschule plus aufgegangenen Hermann-Staudinger-Realschule. "Unser Schulabschluss ist mehr wert als der einer Realschule plus", glauben Kühnel und Schuch.

Bei den Zeugnissen fand sich eine Lösung, indem die Schulleitung grundsätzlich eine Zusatzbescheinigung ausstellt, die den Abschluss an einer Realschule belegt. Keine Lösung gab es bei Problemfeldern wie den in Rheinland-Pfalz nicht vorgesehenen zentralen Abschlussprüfungen (Forderung von Lehrer Joachim Schmitt) oder einer besseren Sprachförderung für Schüler aus Migrantenfamilien.

"Es gibt keine Lehrer, die Deutsch als Fremdsprache unterrichten, obwohl das Ministerium 3500 Lehrerwochenstunden dafür vorgesehen hat", sagt Gabriele Schmitt, Leiterin der Konzer Realschule plus. "Den zentralen Abschlussprüfungen stellen wir uns nicht in den Weg, aber es gibt keinen Nachweis, dass eine solche Prüfung zu besseren schulischen Leistungen führt", erklärte Reiß die Auffassung im Bildungsministerium.

Besucherin Claudia Wald aus Kanzem gefiel die Diskussion: "Ich habe einiges erfahren, was ich vorher noch nicht wusste." Ihr Sohn geht zurzeit in die fünfte Klasse der Konzer Realschule plus. "Ich bin mit der Wahl zufrieden und glaube fest daran, dass die Schulleiterin Gabriele Schmitt die Zusammenführung der Haupt- und der Realschule zur Realschule plus gut hinbekommt."