Konz und seine Sanierungsfälle: Stadt muss alle öffentlichen Wohnungen erneuern oder abreißen

Konz und seine Sanierungsfälle: Stadt muss alle öffentlichen Wohnungen erneuern oder abreißen

Sanierung oder sogar Abriss? Das ist die Frage, mit der sich die städtischen Gremien bei zehn städtischen Gebäuden mit 46 Wohnungen beschäftigen müssen. Eine Diskussion im Haupt- und Finanzausschuss zeigt, dass ein Volksfreund-Artikel die Konzer Kommunalpolitik für das Thema sensibilisiert hat.

Josef Heckmann. Das ist ein Name, der kaum jemandem etwas sagt. Doch die Geschichte des blinden, dialysepflichtigen 59-jährigen Bewohners der Saarstraße 26 hat eine politische Debatte in Konz losgetreten. Der Mann hat für den Artikel "Blind, krank und allein: Ein Leben in der Abrissbude " seine Geschichte erzählt und so den desolaten Zustand des städtischen Wohnhauses mit Schimmelbefall öffentlich gemacht. Während ein Abrissbeschluss das Schicksal des Hauses in der Saarstraße besiegelt hat, ist die Zukunft anderer städtischer Wohnhäuser offen. Das zeigt eine Sitzung des städtischen Haupt- und Finanzausschusses am Dienstag.

Antrag: Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Konzer Stadtrat, Bernhard Henter, hat vor der Sitzung per Antrag eine Übersicht über städtischen Wohnraum angefordert. Er habe den Zeitungsbericht zum Anlass genommen, um das Thema grundsätzlich anzugehen: "Wie viele Häuser besitzt die Stadt Konz? Sind die vermietet?", fragt er. Von der Verwaltung fordert er Vorschläge, wie die Stadt künftig mit ihren öffentlichen Wohnungen umgehen wolle.

Gebäudemanagement: Elke Saleh, die sich bei der Verwaltung um das Gebäudemanagement kümmert, hat eine Liste erstellt: Die Stadt besitzt insgesamt zehn Gebäude mit 46 Wohnungen. Auf TV-Anfrage erklärt der hauptamtliche Beigeordnete der Verbandsgemeinde Konz, Joachim Weber, dass derzeit eine weitere Liste auf Ebene der Verbandsgemeinde erarbeitet werde.

Die städtischen Gebäude wurden zwischen 1885 (Hausmeisterwohnung im Kloster Karthaus) und 1972 (Mehrfamilienhaus mit zwölf Wohneinheiten in der Bahnhofstraße 60) gebaut. Pläne gibt es nur für zwei der Objekte: Neben dem Haus in der Saarstraße soll auch die Fischersmühle in der Lindenstraße abgerissen werden. In diesen Fällen wäre eine Sanierung zu teuer.

Saleh führt aus, dass alle Wohnungen Sanierungsbedarf haben: neue Bäder, Dämmung oder Heizungen. Zum Teil müssten sie von Grund auf erneuert werden. Das sei ein Riesenbatzen, der auf die Stadt zukomme, sagt Saleh. Zunächst müsse ein Sanierungsstandard festgelegt werden (Qualität, Material und Preis). Dann könne das Vorgehen besprochen werden. Vorbild könnte die Bahnhofstraße 60 werden, sagt Weber. Dort wurde kürzlich eine Wohnung für 35 000 Euro rundum erneuert.

Reaktionen: Nach den Ausführungen fragt Martina Wehrheim (Die Grünen) erschrocken: "Was hat das Gebäudemanagement in den vergangenen Jahrzehnten gemacht?" Saleh kontert: "Das Gebäudemanagement gibt es erst seit zwei Jahren." Sie fragt, was denn die Politik getan habe? Bürgermeister Karl-Heinz Frieden (CDU) glättet die Wogen: Es habe Sanierungen gegeben, allerdings seien die Häuser nie von Grund auf angepackt worden. Mario Maximini (CDU) verweist darauf, dass der Abriss weiterer Gebäude nötig werde, wenn eine Sanierung nicht refinanziert werden könne. Josef Geltz (CDU) fragt: "Muss eine Stadt wie Konz überhaupt Wohnungen vorhalten, und wie finanzieren wir das?" Jens Tossing (SPD) zählt, dass es nach den gefällten Abrissbeschlüssen ohnehin nur noch 36 öffentliche Wohnungen gebe. Das sei bei mehr als 18 000 Einwohnern wenig. "Der Bedarf nach Sozialwohnungen wächst - so wie Konz wächst", sagt er. Die Frage sei deshalb, wie Konz weiter sozialen Wohnraum zur Verfügung stellen könne. Henter, der die Diskussion angestoßen hatte, erklärt, dass er eine Grundsatzdebatte für sinnvoll halte. "Aber wir sollten nicht so tun, als könnten wir alles frei entscheiden." Dem stehe die Haushaltssituation der Stadt mit 42 Millionen Euro Schulden entgegen.Meinung

Ohne Reformen keine Lösung in SichtDie Diskussion über sozialen Wohnraum und den Zustand städtischer Wohnungen hätte früher geführt werden müssen, wurde sie aber nicht. Nun ist es schwer, diesen Fehler rückgängig zu machen. Es braucht da keinen Hellseher, um zu sagen, dass eine Sanierung die Stadt Konz wohl sehr teuer kommen würde - gerade angesichts der Bauvorschriften für öffentliche Gebäude. Da muss auch der Abriss diskutiert werden. Allerdings braucht Konz genau wie alle anderen Kommunen sozialen Wohnraum. Dafür will aber niemand etwas zahlen - auch nicht der Bund oder die zuständigen Länder. Über Mieten kann das Geld nicht reingeholt werden, Sozialwohnungen sollen ja günstig sein. Eine Lösung ist also nicht in Sicht. Sie kann nur durch Anstrengungen auf allen politischen Entscheidungsebenen erreicht werden. c.kremer@volksfreund.deExtra

Die Bilder zeigen den schlechten Zustand des Abrissgebäudes in der Saarstraße 26: von außen (oben), im Flur (unten links) und im Bad einer Wohnung (unten rechts). TV-Fotos (3): Archiv/Christian Kremer. Foto: (h_ko )
Foto: (h_ko )

Bei der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses ging es auch um das Schicksal der beiden Mietparteien in der Saarstraße 26. Darunter ist Josef Heckmann, der dem TV für den Artikel "Blind, krank und allein" (TV vom 18. August) seine Wohnung gezeigt hatte. Heckmann wohnt noch immer dort, obwohl es für den dialysepflichtigen Diabetiker wegen des Schimmelbefalls in seiner Wohnung nicht gesund ist. Wie die anderen Bewohner des Hauses muss er jedoch bis Ende Februar 2017 ausziehen, damit das Gebäude abgerissen werden kann. "Wir müssen uns vorwerfen, dass wir verpennt haben, da nachzuhaken", sagt Detlef Müller-Greis (FWG) in Bezug auf den Fall. Er fragte, ob die Verwaltung inzwischen Wohnungen für die Bewohner der Saarstraße 26 gefunden habe. Laut Bürgermeister Karl-Heinz Frieden (CDU) liegen mehrere Angebote vor. Noch sei aber keine Entscheidung gefallen: "Wir können den Bewohnern die Angebote nicht aufzwingen." Bis Redaktionsschluss waren weder Josef Heckmann noch seine Betreuerin vom Deutschen Roten Kreuz erreichbar, um sich zu den Angaben zu äußern. cmk

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