Konzer Arzt schließt Praxis, einen Nachfolger gibt es nicht

Konzer Arzt schließt Praxis, einen Nachfolger gibt es nicht

30 Jahre lang betreute er in Konz die Patienten. Jetzt hat Diedo Römerscheidt seine Arztpraxis geschlossen. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht. Im Gespräch mit dem TV zieht Römerscheidt Bilanz und denkt dabei auch nach über Grundfragen ärztlicher Arbeit.

Die Stimmung in den fast leeren Praxisräumen ist anders geworden: nicht mehr hochgespannt aktiv, sondern erleichtert und auch ein wenig melancholisch. Diedo Römerscheidt hat seinen Arztkittel abgelegt und signalisiert: Mit Schließung der Praxis ist der Stress vorbei. Jetzt geht das Leben wieder in die Breite. Und es werden Interessen wichtig, die im ärztlichen Beruf an den Rand gerückt sind. 30 Jahre lang hat Diedo Römerscheidt Patienten betreut - in den letzten zehn Jahren werden es an die 8000 gewesen sein.

"Versorgung ist gesichert"

Die Praxis des jetzt 67-jährigen geht mit einigen Umwegen zurück auf Sanitätsrat Dr. Lennert, der 1889 in der Granastraße die erste Konzer Arztniederlassung gründete - damals, als Cholera und Typhus noch ernsthafte Bedrohungen waren. Das ist lange her. Aber auch in den vergangenen 30 Jahren hat sich viel zum Positiven verändert. "Wir wissen einfach viel mehr", sagt Römerscheidt und erwähnt beispielhaft die Patienten mit Magengeschwüren, bei denen vor 30 Jahren eine Operation die Regel war, während heute Medikamente helfen. Überhaupt: Zur Nostalgie gibt es keinerlei Grund. Ja, im Beruf und womöglich auch im Privatleben sei die persönliche Belastung allgemein gestiegen. "Aber die Menschen leben auch gesundheitsbewusster und körperbewusster". Da greifen Gesundheitsbewusstsein und medizinischer Fortschritt ineinander. Ein Beispiel: Die steigende Lebenserwartung. Mit jedem Geburtsjahrgang nimmt die im Mittel um einen Monat zu.

Gewiss, es gibt auch neue Probleme. So sei die persönliche Beziehung zwischen Arzt und Patienten heute "so nicht mehr zu leisten". Auf ärztlicher Seite ist wichtiger geworden, was neudeutsch "work-life-balance" heißt. Konkret: Dass der Arzt nicht mehr rund um die Uhr für Patienten da ist. Doch Kritik an dieser Entwicklung klingt bei Römerscheidt nur sehr verhalten mit. Und auch die Tatsache, dass für seine Einzelpraxis keine Nachfolge gefunden wurde, sei zwar bedauerlich, aber für die ärztliche Versorgung in Konz kein Problem. "Die ist weiter gesichert".
Arzt sein, das bedeutet: Zu 80 Prozent "Alltagsmedizin" betreiben und einfach zum Wohlbefinden der Patienten beizutragen.

Credo: Lernen und betrachten

Aber es gibt auch die anderen Situationen, die nicht nur den Mediziner fordern, sondern auch den Menschen. Was tun, wenn man als Arzt über eine tödliche Krankheit aufzuklären hat oder über ein unheilbares Leiden? Da gibt es kein simples Rezept. Diedo Römerscheidt ist seit 2011 Vorsitzender des Trierer Hospizvereins und hat verfolgt, wie beeindruckend sich die Palliativmedizin zu wirksamer Linderung unheilbarer Leiden entwickelt hat. Doch wenn es um die "letzten Dinge" geht, bleibt der Patient immer noch ganz allein. Und der Arzt "muss demütig sein gegenüber dem, was er erreichen kann".

Sterbehilfe freilich kommt für Römerscheidt nicht infrage. "Leben ist unverfügbar und nicht ins Belieben des Einzelnen gegeben", sagt er und deutet dabei den "rheinisch-katholischen" Hintergrund seiner Überzeugung an. Aber intensiv den Schmerz zu bekämpfen, selbst wenn dadurch Leben verkürzt werde, das sei möglich und geboten.
Und was empfindet Römerscheidt angesichts der neuen Lebensphase: "Es ist Dankbarkeit für das Vertrauen, das mir die Patienten entgegenbrachten." Und es ist das "glückliche Gefühl, nicht mehr wichtig zu sein". Lernen und betrachten statt handeln und bestimmen - das wird wohl Leitlinie sein für die neue Zeit.

Mehr von Volksfreund