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Umwelt: Konzer Bach bald ohne Zwangsjacke

Umwelt : Konzer Bach bald ohne Zwangsjacke

Die Aktion Blau plus bringt eine komplette Umgestaltung von der Quelle in Krettnach bis zur Mündung in die Saar. Weitere Bäche in der Verbandsgemeinde Konz bekommen wieder ein natürliches Bett.

Der obere Abschnitt des Konzer Bachs führt von Krettnach bis Niedermennig, ist etwa 1600 Meter lang und präsentiert sich heute noch als ausbetonierte Kanalrinne. Die zieht sich schnurgerade durch die Felder und verschwindet auch mal in Rohren unter der Erde. Die Höhenunterschiede des Bachgefälles werden über kleine Betonwehre ausgeglichen. Alles künstlich, alles gemacht, weil man es in den 1950er und frühen 1960er Jahren so haben wollte. Es galt damals, mehr landwirtschaftliche Nutzfläche zu schaffen. Das Ergebnis waren biologisch tote Gewässer, die keine Amphibienpopulation an ihren steilen Rändern zulassen und die Wanderbewegungen von Wassertieren verhindern. Bei Starkregen werden diese „Kunstbäche“ schnell unberechenbar, weil die plötzlich heranrauschenden Wassermassen keine Ausweichmöglichkeiten (Retentionsräume) zu den Seiten haben.

Auf Beschluss des Verbandsgemeinderats Konz soll dieser Zustand des Konzer Bachs ein Ende haben. Wie auch andere Bäche in der Verbandsgemeinde (VG) wird das Gewässer von seinem Quellgebiet bei Krettnach bis zur Mündung in die Saar in Konz auf einer Gesamtlänge von rund acht Kilometern renaturiert. Geplant sind vier Bauabschnitte von Krettanch bis zur Mündung. Die Maßnahme läuft im Rahmen der Aktion Blau plus (siehe Info). Die Planung hat das Pölicher Fachbüro für Wasserbau, Hömme GbR. Ausgangspunkt für den ersten Bauabschnitt ist das vor einigen Jahren angelegte Rückhaltebecken an der Krettnacher Flurstraße.

Vor etwa drei Wochen hat die beauftragte Baufirma Johann Wacht dort mit dem Abbau des künstlichen Bachbetts am ersten von vier Bauabschnitten begonnen. Er reicht bis zur Ortslage Niedermennig. Die Kosten sind mit rund 245 000 Euro angesetzt. Begleitet und überwacht werden die Arbeiten von Michael Haupenthal (Firma Wacht), Herbert Minn (Strukturgenehmigungsdirektion, SGD Nord) und Thomas Molter von der Verbandsgemeinde (VG) Konz, die Trägerin der Maßnahme ist. Verantwortlich für die Planung ist Elmar Gatzen, Büro Hömme.

Bedingt durch die Trockenheit ist am Ausgangspunkt von einem Bach derzeit wenig zu sehen. Erst rund 70 Meter unterhalb zeigen sich Stellen mit Wasseraustritt. Einige Hundert Meter hat der Bagger das Bachbett schon von den alten Betonschalen (Sohleinfassung) befreit. Auch schwere Betonteile von ehemaligen „Bauwerken“ wie kleine Brücken oder Wehre lagern zur Abfuhr bereit am Anfang der Baustelle. Wie Planer Gatzen erklärt, wird das Bachbett nach dem Abriss naturnah modelliert. Statt der engen, schnurgeraden Rinne durchfließt das Gewässer künftig einen mindestens 10,5 Meter breiten „Gewässerentwicklungskorridor“.

 Innerhalb dieses Korridors kann die Bachbreite je nach Umgebung variieren, die Böschungen werden mit unterschiedlichen Neigungen und Längen ausgebildet, damit sich das neue Bachbett harmonisch in die Landschaft einfügt. Der ehemals betonierte Gewässerboden wird mit Natursteinmaterial ausgelegt. Eine Weidezaunanlage sichert die Randstreifen zu beiden Seiten des Baches. Ohne Zaun würden die Kühe im Bach saufen gehen und den Gewässerrand zertrampeln (Viehtritt). Die alten Baumgruppen am Rand bleiben erhalten. Der gesamte, über zehn Meter breite Gewässerentwicklungskorridor kann sich selbst weiterentwickeln, wobei sich der schon vorhandene Baum- und Strauchbestand am Bach entlang ausbreiten wird. Um die landwirtschaftliche Nutzung weiter zu ermöglichen, werden an geeigneten Stellen befestigte Viehfurten angelegt. Sie können von den Tieren auch als Tränke genutzt werden.

 Renaturierung Konzer Bach bei Krettnach
Renaturierung Konzer Bach bei Krettnach Foto: TV/Friedhelm Knopp

Dazu Thomas Molter von der VG Konz: „Diese Randstreifen entlang des Bachs bleiben Eigentum der Landwirte.“ Vor einer Renaturierung sei daher mit den Anliegern Einvernehmen herzustellen. Anfangs sei das bei ähnlichen Projekten oft auf Ablehnung gestoßen. Molter: „Doch inzwischen ist der Zuspruch bei den Anliegern merklich besser geworden, weil sich die Leute an schon fertig renaturierten Bächen selbst ein Bild machen können.“