Konzer diskutieren über Abrisshäuser

Konzer diskutieren über Abrisshäuser

Das ehemalige Freibadgelände und die Grundstücke zweier Abrisshäuser in der Lindenstraße bieten neuen Entwicklungsraum für die Stadt Konz. Die Diskussion darüber ist bisher von Gerüchten geprägt. Konkrete Pläne gibt es noch nicht. Allerdings sind zwei Studien beauftragt, um die Möglichkeiten auszuloten.

Konz. Die Gerüchteküche brodelt wie selten in Konz. Themen sind die möglichen Pläne für das ehemalige Freibad-Gelände und die Grundstücke zweier öffentlicher Gebäude, die in der Nachbarschaft abgerissen werden sollen ("Konz reißt ab", TV vom 4. August). Die Flächen des ehemaligen Bademeisterhauses und der teilweise einsturzgefährdeten Fischersmühle in der Lindenstraße bieten nicht nur viel Raum zur Stadtentwicklung, sondern auch für Spekulationen.
Dass diese Spekulationen meist negativ ausfallen, hat sich kürzlich bei einer Informationsveranstaltung der Grünen gezeigt. Die anwesenden Bürger machten dort deutlich, dass sie das Vorgehen der Verwaltung für intransparent halten. Manche verliehen ihrer Angst Ausdruck, dass die Stadt nach und nach durch ungezügelten Wohnungsbau verschandelt werden könnte.Mehr Verkehr durch neue Straße?


Die Grünen befürchten, dass eine neue Straße am Konzer Bach/Maiersbach entlang zwischen Schwimmbad und der Lindenstraße gebaut werden könnte, die mehr Verkehr in das Wohngebiet bringt. Während der Veranstaltung zeigten sie eine Karte mit dem möglichen Verlauf der Trasse. "Es werden Häuser abgerissen, ohne dass gesagt wird, was danach passieren soll", beklagt auch Sascha Gottschalk, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Verbandsgemeinderat. "Wir glauben, dass vollendete Tatsachen geschaffen werden sollen für Pläne, die schon lange in irgendwelchen Schubladen liegen, wo niemand von ihnen weiß." Es habe keine Debatte in den Räten gegeben, es gäbe keine Belege für die Unwirtschaftlichkeit einer Sanierung und keine Klarheit über die weitere Verwendung der Grundstücke.
Der Konzer Bürgermeister Karl-Heinz Frieden weist diese Vorwürfe entschieden zurück: Es gebe bisher gar keine Pläne für die Flächen. Weder die Verwaltung noch die Gremien in Verbandsgemeinde und Stadt haben sich festgelegt. Persönlich halte er eine Straße an dieser Stelle nicht für sinnvoll. "Es gibt auch die Beschlusslage, dass der Bach renaturiert werden soll", sagt Frieden. Da bestehe ein Anbauverbot, das den Bau einer Straße sogar verbiete. Er könne sich aber einen Weg für Fußgänger und Radfahrer entlang des Bachs vorstellen. Mit den anderen Befürchtungen will er ebenfalls aufräumen: "Meine Meinung ist, dass dort keine Verdichtung von Wohnraum hingehört."
Dass sich die Grünen unzureichend informiert sehen, versteht Frieden auch nicht. Er verweist auf mehrere Beschlüssen, die demokratisch in den Räten und Ausschüssen der Stadt und der VG Konz gefällt worden sind. Die Abrissbeschlüsse wurden für das Schwimmmeisterhaus am 2. Juni im VG-Rat und am 31. Mai im Stadtrat für die Fischersmühle gefällt - beide im nichtöffentlichen Teil. Wichtig sind aus Friedens Sicht auch zwei Planungsaufträge, die in nichtöffentlichen Sitzungen der Bauausschüsse auf Stadt- und VG-Ebene vergeben wurden. Dort sind die Grünen auch vertreten. Der städtische Bauausschuss hat am 16. Juni bei der BKS-Stadtplanung GmbH eine Machbarkeitsstudie beauftragt.Gerüchteküche brodelt


Dabei gehe es in erster Linie um die Steuerung von Fußgänger- und Radverkehr vom Schwimmbad in Richtung Innenstadt, sagt Frieden. Das Büro für Landschaftsplanung Egbert Sonntag soll laut Beschluss des VG-Bauausschusses vom 22. Juni Konzepte für den ehemaligen Schwimmbadbereich erarbeiten. Frieden rechnet damit, dass frühestens im November erste Ergebnisse der Studien vorliegen. Bis dahin kann die Gerüchteküche wohl weiterbrodeln.Meinung

Unseriöser Politikstil
Dass sich die Bürger dafür interessieren, was in ihrer Stadt passiert, ist lobenswert. Es ist auch gut, wenn sie Bürgerversammlungen wie die der Grünen besuchen. Diese haben mit ihrer Einladungskarte allerdings über das Ziel weit hinausgeschossen. Mit dem Einzeichnen einer Fantasie-Straßentrasse, die wohl nie ein Thema war und auch von keinem gewollt ist, schüren sie unnötig Ängste. Das ist keine seriöse Art, Politik zu machen. Die ganze Geschichte zeigt aber auch, wie wichtig Offenheit ist. Denn Transparenz verhindert, dass die Gerüchteküche zu brodeln beginnt. Offenheit ist ein Mittel gegen das Grundmisstrauen vieler Bürger gegenüber der Politik. Deshalb sind Behörden und Institutionen nicht erst seit Inkrafttreten des Transparenzgesetzes im Juli gefragt, von sich aus so offen wie möglich mit ihren Planungen umzugehen. <b>c.kremer@volksfreund.de

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