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Konzer-Doktor-Bürgerstiftung zeigt den Baufortschritt an ihrem Mehrfamilienhaus

Wohnungsbau : Konzer Stiftung präsentiert ihr soziales Vorzeigeprojekt

Die Arbeiten an dem Mehrfamilienhaus der Konzer-Doktor-Bürgerstiftung schreiten schneller als geplant voran. Am Sonntag, 10. November, ist ein Tag der offenen Tür geplant. Dann beginnt auch die Mieter-Auswahl. 

Wer künftig in dem schicken beige-orangefarbenen Mehrfamilienhaus in der Saarstraße in Konz mit Aussicht auf den Fluss leben möchte, muss gleich mehrere Voraussetzungen erfüllen. Erstens braucht er einen Wohnberechtigungsschein. Dieses Dokument bescheinigt ihm, dass er in einer Wohnung leben darf, die mit Hilfe der sozialen Wohnraumförderung gebaut worden ist. Die andere Voraussetzung kann er sich nicht bescheinigen lassen, sondern er muss sie mitbringen: Die Mieter sollen sozial eingestellt sein.

Denn in dem Mehrfamilienhaus der Konzer-Doktor-Bürgerstiftung leben künftig zur Hälfte Familien und zur Hälfte Senioren. Idealerweise sollen sie sich gegenseitig helfen. So könnten die älteren Menschen zum Beispiel auf die Kinder der Familien aufpassen, wenn mal Not am Mann ist, und die Jüngeren für ihre Nachbarn Einkäufe erledigen. Die Menschen in der Konzer-Doktor-Wohnbrücke, wie die Stiftung ihr Mehrfamilienhaus nennt, sollen füreinander da sein. Das macht dieses stiftungs- und spendenfinanzierte Projekt in Konz so einzigartig. Der Stiftungsvorsitzende Hartmut Schwiering betont: „Es wird niemand reinkommen, den die Stiftung nicht ausgewählt hat.“ Und: „Die Mieter müssen einen sozialen Anspruch an sich selbst haben.“

Um herauszufinden, ob die Mieter geeignet sind, plant die Stiftung ein Auswahlverfahren. Es beginnt am Sonntag, 10. November – am Tag der offenen Tür der Konzer-Doktor-Wohnbrücke in der Saarstraße 26. Bis zum Jahresende sollen alle Mieter ausgewählt sein. Am 1. März 2020 soll das Gebäude bezugsfertig sein, zwei Monate früher als ursprünglich geplant.

Ein besonderes Wohnungsbauprojekt in Konz

Platz bietet das Haus, dessen Grundstein am 5. November 2018 gelegt wurde, für zwölf Wohnungen. Damals hat die Stiftung ihren zehnten Geburtstag gefeiert. Künftig wird das Gebäude sechs Zwei-Zimmer-, drei Drei-Zimmer- und drei Vier-Zimmer-Wohnungen beherbergen. „Alle sind ebenerdig erreichbar“, betont Schwiering. Elf der Wohnungen gelten nach neuesten Bauvorschriften als barrierefrei, eine als rollstuhlgerecht. Der Unterschied liegt unter anderem in der vorgeschriebenen Größe der Bewegungsfläche in Fluren oder im Bad, die je nach Bezeichnung 120 mal 120 beziehungsweise 150 mal 150 Zentimeter groß sein müssen.

Doch die Barrierefreiheit ist nicht alles. Der von der Stiftung beauftragte Generalbauunternehmer Emrah Bayindir erläutert im Gespräch mit dem TV die Ausstattung: Es werde eine Fußbodenheizung geben. Das Gebäude sei insgesamt energetisch auf höchstem Niveau und werde unter anderem mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet. Bayindir spricht davon, dass bei allen Baumaterialien Wert auf höchste Qualität gelegt worden sei. Das sei bei sozial geförderten Wohnungen, deren Miete später an Grenzwerte gebunden ist, nicht üblich. Als Beispiel nennt er die Steine, aus denen die Außenmauern bestehen. Es handele sich um Porotonziegel, die mit Mineralwolle gefüllt sind. Sie böten zum Beispiel optimalen Lärmschutz und Wärmedämmung. Schwiering beschreibt die Philosophie hinter dem Projekt: „Das ist unser Beitrag, schwächere Menschen stärker zu machen.“ Es handele sich um Umverteilung von Eigentum. Trotz der hochwertigen Ausstattung liegen die Mieten auf dem für Konz vorgeschriebenen Kaltmiete-Niveau für sozial geförderten Wohnraum: 5,35 Euro pro Quadratmeter (Fördermietenstufe 4).

Der Bau der Wohnbrücke ist auch der Spendenbereitschaft der Konzer zu verdanken. Bisher haben laut Schwiering knapp 5000 Menschen am Steinspenden-Marathon der Stiftung teilgenommen. So sind knapp 50 000 Euro an Spendengeld für das soziale Bauprojekt zusammengekommen. Schwiering bedankt sich dafür: „Das ist eine tolle Leistung!“ Daneben steckt in dem Bau das gesamte Kapital der Bürgerstiftung (rund 500 000 Euro) sowie ein Darlehen der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) in Höhe von 1,6 Millionen Euro samt Tilgungszuschuss in Höhe von mehr als 400 000 Euro (der TV berichtete). Schwiering weist darauf hin, dass immer noch Steinspenden gebraucht würden.

Der Tag der offenen Tür ist am Sonntag, 10. November, zwischen 11 und 16 Uhr. Dann haben alle Interessierten die Möglichkeit, sich die Wohnungen anzusehen. Infos zum Mieter-Auswahlverfahren sind laut Stiftungsgeschäftsführer Jürgen Große bald auf der Internetseite konzer-doktor-buergerstiftung.de/ einzusehen.