Konzer Gastronomen arbeiten mit Caritas zusammen und geben Bierdeckel gegen Hass aus

Gastronomie : Bierdeckel gegen Hass

Hass ist keine Meinung: Konzer Wirte arbeiten mit Caritas zusammen und wollen mit Glasuntersatz in Konzer Kneipen und Gaststätten zu mehr Toleranz beitragen.

Sie liefern den Gesprächsstoff direkt an der Theke oder am Stammtisch: Rote Bierdeckel mit der Aufschrift „Hass ist keine Meinung“. Die Deckel stammen aus der Aktion „Zusammen sind wir Heimat“ des Caritas-Bundesverbandes, dem sich jetzt der Caritasverband Trier angeschlossen hat.

Mit der Aktion sollen Einheimische näher an „Zweiheimische“ heranrücken, wie Projektleiter Thomas Zuche sich ausdrückt. Die Mitarbeiter des Caritasverbands Trier seien geschockt gewesen, als man von den Schmierereien auf Bänken in Konz im TV gelesen hat. Neun Bänke sind mit Nazi-Parolen beschmiert worden. Die Ermittlungen zu dem Vorfall liefen noch, heißt es bei der Polizeipressestelle in Trier auf TV-Anfrage. Bisher gebe es noch keine Tatverdächtigen. Bereits im vergangenen Jahr soll ein inzwischen polizeibekannter Aktivist der rechtspopulistischen identitären Szene Parolen mit Sprühfarbe auf Straßen und Wegen hinterlassen haben. Zudem haben Unbekannte Steine auf eine Moschee in Karthaus geworfen und so das Gebäude beschädigt (der TV berichtete).

Angesichts der Vorfälle ist Zuche immer noch entsetzt - besonders über die Parolen auf den Bänken: „Die meisten Konzer sind doch aufgeschlossene Menschen, und dann müssen wir Sätze wie Wir killen Euch lesen“, sagt Zuche. „Zu diesem Thema den Ball flachzuhalten, ist keine Lösung.“

Zuche, der als Ehrenamtskoordinator bei der Caritas für Flucht und Asyl zuständig ist, hat deswegen die Bierdeckel-Aktion  initiiert. Sie solle beim Nachdenken helfen. Die Caritas hat 35 Gastronomen angeschrieben, von denen 25 noch Gaststätten oder Kneipen betreiben. Vier von ihnen machen nun mit: Mit gutem Beispiel voran gehen die Wirtinnen Marita Kühn-Luft (Gaststätte Pütz, Brunostraße 32), Cäcilia Rohn (Ratskeller und White Bar, Am Markt 11), Claudia Behge und Martin Herez (Roscheider Hofschänke) und Christine Faber (Weinstube Schnitzler, St. Ursula-Straße 9 in Krettnach).

Claudia Behge sagt im Gespräch mit dem TV: „Als 2015 die vielen Flüchtlinge kamen, wurde bei uns auch viel darüber diskutiert. Mittlerweile ist das aber wieder abgeflaut.“ Einige Gäste hätten sogar Flüchtlinge bei sich zu Hause aufgenommen und mussten sich dafür üble Bemerkungen anhören.

„Für helfende Menschen kommt doch viel Dankbarkeit zurück“, sagt Thomas Zuche. Cäcilia Rohn vom Ratskeller beschäftigt sogar Flüchtlinge. „Eine davon arbeitet im Service. Sie kann sehr gut Deutsch und ist immer sehr freundlich“, sagt Rohn. Ihre Gäste habe sie lange Zeit nicht informiert, dass diese Mitarbeiterin aus Syrien stamme. „Als ich es dann verraten habe, gaben die sogar mehr Trinkgeld“, sagt sie.

„Wer wegen dieser Bierdeckel gegen Hass und Rassismus nicht mehr zu uns in die Hofschänke kommt, der kann auch wegbleiben“, macht Martin Herez klar. Auch er sucht gezielt nach ausländischen Mitarbeitern, leider bislang ohne Erfolg, aber: „Die Deutschen scheinen keine Lust mehr zu haben, in der Gastronomie zu arbeiten.“

Aber laut Cäcilia Rohn gibt es Hindernisse: „Das Problem ist die Bürokratie. Vier Monate hat es gedauert, bis ein anerkannter Flüchtling bei uns spülen durfte.“ Zudem gebe es Probleme mit den Freibeträgen.

Die neuen Bierdeckel tragen einen Code, der mit dem Smart­phone eingescannt werden kann. Der Code führt die Nutzer ins Internet auf die Seite www.hass-ist-keine-meinung.de - dort werden gängigen Vorurteilen die Tatsachen gegenübergestellt.