1. Region
  2. Konz, Saarburg & Hochwald

Konzer Kandidaten diskutieren beim Volksfreund-Wahlduell

Konzer Kandidaten diskutieren beim Volksfreund-Wahlduell

Amtsinhaber Karl-Heinz Frieden (CDU) und Herausforderer Sascha Gottschalk (Bündnis 90/Die Grünen) treten am Sonntag, 13. März, bei der Wahl zum Bürgermeister der Verbandsgemeinde Konz gegeneinander an. Beim Volksfreund-Kandidatenduell haben sie sich den Fragen der TV-Redaktion gestellt.

Die Bürger der Verbandsgemeinde Konz wählen am Sonntag, 13. März, nicht nur bei der Landtagswahl, sondern auch einen neuen Bürgermeister. Die Rahmenbedingungen für das Volksfreund-Kandidatenduell im Vorfeld sind einfach: Amtsinhaber Karl-Heinz Frieden (CDU) und Herausforderer Sascha Gottschalk (Bündnis 90/Die Grünen) sitzen sich gegenüber. Neben ihnen steht eine Schachuhr der Schachfreunde Karthaus. Normalerweise wird sie für Blitzpartien genutzt. Jetzt gibt die Uhr den Kandidaten die Redezeit vor. Jeder hat eine halbe Stunde. Die TV-Redakteure Christian Kremer und Marcus Hormes haben das Gespräch geführt.
Themenbereich 1: Die Wahl

Wie beurteilen Sie Ihre Chancen, die Wahl zu gewinnen?

Sascha Gottschalk (Bündnis.90/Die Grünen): Es wäre sehr überraschend, wenn ich gewinnen würde. Alles andere wäre vermessen zu sagen.
Karl-Heinz Frieden (CDU): Ich habe in den vergangenen Jahre viele Akzente in der VG und in der Stadt Konz gesetzt und viele Entwicklungen angestoßen. Dabei habe ich immer den Dialog mit den Bürgern gesucht und sehr viele Rückmeldungen bekommen. Deshalb hoffe ich ganz sicher, dass ich die Wahl gewinnen werde.

Was machen Sie als Ausgleich zu Berufsleben und Wahlkampf?

Gottschalk: Ich mache Sport im Fitnessstudio und versuche dreimal die Woche da zu sein. Da bin ich zeitlich flexibel.
Frieden: Die Menschen in Konz wissen, dass ich ein passionierter Jogger bin. Im Auto fahren immer meine Laufschuhe und neuerdings auch meine Schwimmhose dabei. Ich bin auch regelmäßig in unserem neuen Hallenbad.

Wie steht Ihr familiäres Umfeld zu Ihrer Kandidatur?

Frieden: Meine Familie ist gewöhnt, dass ich Wahlkämpfer bin. Das ist meine achte Urwahl jetzt, und die Familie unterstützt mich nach ganzen Kräften - besonders meine Frau, aber auch meine Kinder helfen von außen.
Gottschalk: Meine Familie wohnt ja weit entfernt von hier - über 400 Kilometer. Aber aus der Ferne unterstützen sie diesen Wahlkampf - zum Beispiel in den sozialen Netzwerken. Themenbereich 2: Bildung

Die Verbandsgemeinde Konz ist Träger mehrerer Grundschulen und Kitas. Da wurde viel Geld investiert in den vergangenen Jahren. Gibt es Nachholbedarf, oder steht die VG Konz gut da?

Frieden: Ich glaube, dass die VG und die Stadt Konz einen Spitzenplatz in Rheinland-Pfalz haben. Wir haben eine optimale Lehr- und Lernlandschaft. Von neun Grundschulen sind fünf Ganztagsschulen. Es gibt zwei bilinguale Grundschulen in Nittel und Wasserliesch und eine inklusive Schule in Karthaus. Wir können den Bedürfnissen der Eltern nach Betreuung gerecht werden. Nun kommen mit den Flüchtlingskindern und der demografischen Entwicklungen neue Herausforderungen auf uns zu, die Nachjustierungen erforderlich machen.
Gottschalk: Die Grünen haben auch schon Vorschläge gemacht - zum Beispiel für einen Schulsozialarbeiter. Da freue ich mich, dass darauf eingegangen wurde, indem die Stelle eingerichtet wurde. Die Verbandsgemeinde schießt aber aus meiner Sicht bei den Gebäuden über das Ziel hinaus: Ich denke zum Beispiel, dass im Fall der Schulturnhalle in Tawern kein Neubau notwendig gewesen wäre. Man hätte sanieren können, trotzdem wurde so entschieden. Das ist im sechsstelligen Bereich teurer geworden, als eine Sanierung gewesen wäre.

Die VG Konz ist sehr international. Es leben Menschen aus mehr als 100 Nationen in und um Konz. Was sind Ihre Pläne, um die Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund in Schulen und Kitas zu integrieren?

Gottschalk: Da ist Konz auf einem guten Weg - zum Beispiel mit den Integrationslotsen. Integrieren heißt auch, dass sie die Sprache können. Da hat es etwas gedauert, über den Kreis Zertifikate einzuführen. Aber das läuft inzwischen über die VHS. Auch in diesem Bereich ist es wichtig, dass der Schulsozialarbeiter da ein Auge drauf hat.
Frieden: Wir wollen ja die Bilingualität im Grenzraum und haben entsprechende Angebote in den Kitas und Grundschulen. Da meine Frau im Kindergarten als Sprachpädagogin arbeitet, habe ich einen guten Einblick. In den Grundschulen ist das Thema für die Flüchtlinge mit den Deutsch-als-Zweitsprache-Klassen aufgestellt. Die Erfahrung zeigt, dass gerade die Kinder aus ausländischen Haushalten ohnehin schon zweisprachig sind - Kinder lernen auch in kürzester Zeit Sprachen.

Rings um Konz leben etliche Berufspendler, die jeden Tag zum Teil weite Strecken zur Arbeit fahren müssen. Für die Pendler sind nicht nur eine hohe Betreuungsquote, sondern auch flexible Betreuungszeiten wichtig. Sind die Kindergärten und Krippen in der VG flexibel genug, um die Nachfrage zu befriedigen?

Frieden: Es kann nicht sein, dass wir als VG nach anderen Kriterien die Kitas öffnen als nach familiären Bedarfssituationen. Es gibt auch die Möglichkeit, dass man spezielle Wünsche in bestimmten Einrichtungen konzentrieren kann, so dass nicht jede Kita extrem lange Öffnungszeiten haben muss, aber trotzdem den Bedürfnissen der Familien gerecht geworden wird.
Gottschalk: Ich glaube schon, dass das gut geregelt ist in Konz. Es hat nie jemand an uns herangetragen, dass das nicht gut geregelt ist. Wir arbeiten alle gemeinsam daran, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besser wird. Gerade hier in der Grenzgängerregion, wo viele einen weiten Weg zur Arbeit haben, ist es Konsens, dass es da passende Angebote geben muss und dass jeder einen guten Willen hat, das entsprechend umzusetzen. Themenbereich 3: Wachstum (Erneuerbare Energien, Wohngebiete, Gewerbeflächen)

Die VG-Werke haben in Konz schon in mehrere Solaranlagen investiert. Jetzt steht unter anderem die Flächenplanung für Windkraft an. Womit müssen die Bürger rechnen, wenn Sie Bürgermeister werden?

Gottschalk: Bei der Windkraftplanung besteht bisher große Einigkeit in der VG Konz. Wir haben nicht viele Flächen, wo sich Windkraft lohnt. Wir müssen aufpassen, dass die Bürger nicht zu sehr beeinträchtigt werden - auch da sind wir uns einig. Bei der Sichtfeldanalyse fanden wir, dass die verfrüht war. Wenn es noch keine Planung gibt, sind das nur modellhafte Vermutungen. Da sollte man auf Nummer sicher gehen. Und man muss sich vor Klagen schützen, die gab es ja auch schon
Frieden: Wir haben uns schon im Jahr 2010 für ein Klimaschutzprogramm beworben und sparen schon 300.000 Tonnen Kohlendioxid jährlich ein. Ich habe meine VG-Werke frühzeitig umgestellt und einen Betriebszweig Energie gegründet. Das war eine strategische Entscheidung zusammen mit den Ortsgemeinden. Damit haben wir eine klare Struktur und ein gemeinsames Vorgehen. Da haben wir im VG-Rat mit allen Fraktionen an einem Strang gezogen. Das hat da zu geführt, dass die VG-Werke zwölf Photovoltaikanlagen installieren konnten. Wir produzieren damit eine halbe Million Kilowatt und Einnahmen von 90.000 Euro. Auch bei der Windkraft herrscht große Einigkeit: Wir konnten die Windkraft an den windhäufigsten Standorten konzentrieren. Zudem wird die Vorgabe eingehalten, dass zwei Prozent der VG zum Windkraftstandort werden. Wir haben auch die Verspargelung der Landschaft verhindert. Da halte ich besonders die Sichtfeldanalysen für wichtig. Auch weil wir konkurrierende touristische Nutzungen haben, wo das Landschaftsbild nicht zerstört werden sollte.

Genau wie die Windkraft wird auch die Ansiedlung von Gewerbe und Wohngebieten über den Flächennutzungsplan geregelt. Zurzeit sind kaum noch freie Gewerbeflächen rund um Konz vorhanden. Wo ist da noch Platz für Wachstum?

Frieden: Wir sind in Zweckverbänden regional organisiert, das ist auch gut so. In den großen Gewerbegebieten Granahöhe und Konzerbrück haben wir immerhin noch acht Hektar frei. Die wären schon längst vermarktet, wenn wir einen gescheiten Autobahnzugang hätten. Wichtig wäre der Bau des Moselaufstiegs. Ich könnte mir auch entlang der B.268 gemeinsam mit Trier ein Gewerbegebiet vorstellen, der unsere beiden kommunalen Gebiete enger verbinden würde.
Gottschalk: Wir leben in einer modernen Dienstleistungsgesellschaft. Wir müssen keine immer größeren Gewerbegebiete ausweisen, um Entwicklungen zu bekommen. Da sind in der Vergangenheit Fehler gemacht worden - gerade im Gewerbegebiet Granahöhe. Unserer Ansicht nach ist dort viel zu viel Einzelhandel gelandet statt produzierenden Gewerbes, wofür die Fläche besser geeignet ist. Ich bezweifle auch, dass da ein Autobahnanschluss fehlt. Das ist nicht nötig. Mein Heimatort Harsewinkel in Ost-Westfalen zum Beispiel entwickelt sich prächtig, obwohl es mehr als 20 Kilometer vom nächsten Autobahnanschluss entfernt ist. Dort ist auch gutes Gewerbe. Allein selig machend ist ein Autobahnanschluss nicht. Wir denken auch, dass mit dem Hafen Trier und mehr kombiniertem Verkehr ein tragfähiges Konzept erarbeitet werden könnte. Aber das Interesse ist bisher eher gering. Das wollen wir mehr in Angriff nehmen - immerhin ist der Kreis Trier-Saarburg auch am Hafen beteiligt.

Die VG Konz wächst im Gegensatz zu vielen anderen Kommunen: Deshalb gibt es gleich mehrere Neubaugebiete (zum Beispiel in Nittel, Könen, Wawern, Pellingen und weiteren). Wächst Konz weiter? Und: Wie soll es bei der Erschließung von Wohraum weitergehen?

Gottschalk: Konz wächst zwar, aber ist auch von der Demografie betroffen. Ein Neubaugebiet ist immer eine Konkurrenz zur Entwicklung des Ortskerns. Die Verbandsgemeinde könnte da durch Förderinstrumente noch aktiver werden, um den Ortskern attraktiver zu halten. Man könnte zum Beispiel die Wohnumstände in der Dörfern größer machen, in man die Häuser zusammenlegt. Da gibt es eine ganze Palette, die man angehen könnte und die den Wert der Häuser im Ortskern erhält. Gerade die Gemeinden schaffen nur Wohnraum für Einfamilienhäuser. Gerade in Konz-Könen ist zu sehen, dass Private zeitgemäß Mehrfamilienhäuser bauen, während die Stadt selbst ein Baugebiet mit Einfamilienhäusern baut. Dabei wollen viele ältere Menschen eigentlich gerne in Wohnungen umziehen, sie können aber nicht, weil nichts passendes da ist. Hier muss es verbesserte Angebote geben.
Frieden: Wir haben einen starken Zuzug in die Region: Wenn die Luxemburger Politik die Parole ausgibt, dass bis 2030 700.000 Luxemburger dort leben, dann müssen wir davon ausgehen, dass ein Teil davon auf der deutschen Seite wohnt. Und wir haben ohnehin eine angespannte Wohnsituation in der Tallage zwischen Konz, Trier und Schweich. Da haben wir auch ein Netzwerk, in dem wir gemeinsam darüber diskutieren. Wir brauchen eine gescheite Steuerung über den Flächennutzungsplan. Auch ich halte es für wichtig, dass wir die Innerortslagen stärker berücksichtigen. Aber wir haben insbesondere in den Obermosel-Gemeinden lebendige Dorfgemeinschaften - es gibt keine Leerstände im Dorf. Wir können uns nicht vergleichen mit anderen Regionen. Es geht deshalb nicht ohne weiteren Flächenverbrauch. Ich habe deshalb einen intensiven Kontakt mit den Ortsbürgermeistern, und wir haben das nicht planlos und wild gemacht. Meine Priorität ist, dass wir dort Wohnraum anbieten, wo die Infrastruktur vorhanden ist. Dazu gehören ÖPNV-Anschluss, Kindergärten, Schulen und Einkaufsmöglichkeiten. Dort werde ich Gas geben. Das müssen wir schnell anpacken, um für Entlastung zu sorgen - auch mit Blick auf die vielen Flüchtlinge. Themenbereich 4: Feuerwehr

Freiwillige Feuerwehren sind wichtig, um einen flächendeckenden Brandschutz zu gewährleisten. An vielen Stellen suchen die Feuerwehren neue Mitglieder. Gerade wegen der vielen Berufspendler gibt es tagsüber oft Probleme, genug einsatzbereite Feuerwehrleute zusammenzubekommen. Wie beurteilen Sie die Situation in der VG Konz? Braucht die Stadt Konz vielleicht sogar eine Berufsfeuerwehr?

Frieden: Wir sind im Feuerwehrwesen in der VG Konz besonders gut aufgestellt. Wir haben 430 aktive Feuerwehrfrauen und -männer. Es gibt auch elf Jugendwehren mit 135 Jugendlichen und einer Bambiniwehr. Da sieht man, dass die Feuerwehren auch an den Nachwuchs denken. Die Stadtfeuerwehr hat jüngst mit einem Schnuppertag von sich reden gemacht.
Alle Wehren sind einsatzbereit, aber die Verfügbarkeit ist tagsüber etwas geringer. Dem haben wir entgegengewirkt, dass wir bei Einstellungen, dass die Mitarbeiter die notwendige Befähigung haben, sofort in den Einsatz zu können. Die Einsatzzeiten halten wir überall ein. Auch die Ausstattung stimmt: Alle Feuerwehren haben neue Gerätehäuser bekommen, und auch die Fahrzeuge sind auf dem neuesten Stand.
Wir werden zum Beispiel jetzt für 583.000 Euro ein neues Drehleiterfahrzeug anschaffen. Das heißt aber nicht, dass wir uns zurücklehnen können. Die aktive Mitgliederakquise ist eine ständige Aufgabe, aber wir denken nicht über eine Berufsfeuerwehr nach. Die Feuerwehr wird in der ehrenamtlichen Struktur eine lange Zukunft haben.
Gottschalk: Soweit ich weiß, sind die Mitgliederzahlen in der Verbandsgemeinde stabil. Ein kleiner Wermutstropfen ist wohl, dass es kein zentrales Bürgerwarnsystem gibt. Ansonsten bin ich einer Meinung mit Herrn Frieden. Themenbereich 5: Flüchtlinge