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Konzer Mütter wollen mehr Hortplätze haben

Konzer Mütter wollen mehr Hortplätze haben

Karriere und Kinder? Keine leichte Aufgabe! Vor allem der Übergang vom Kindergarten in die Schule macht vielen Eltern Probleme. Mehrere berufstätige Mütter aus Konz haben sich deshalb für die Schaffung von Hortplätzen in Konz eingesetzt. Der Stadtrat diskutiert am Dienstag, 5. Juli, darüber.

Konz. Familie und Beruf zu vereinbaren ist nicht einfach. Sind beide Eltern berufstätig, und fehlt der familiäre Anschluss im Wohnort, führt das zu Sorgen oder sogar Existenzängsten. Vor allem der Wechsel vom Ganztagskindergarten in die Grundschule kann zu einem großen Problem werden.

Betreuungsprobleme: Irina Schindin (32) bekommt gerade zu spüren, wie schwer es für Eltern in Rheinland-Pfalz werden kann, Beruf und Familie zu vereinbaren. Die zweifache Mutter eines zweieinhalbjährigen Sohnes und einer sechsjährigen Tochter arbeitet als Controllerin in Luxemburg. Bisher lief dank der Ganztagsbetreuung im Kindergarten alles glatt mit Beruf und Familie. Ab dem kommenden Schuljahr geht ihre Tochter aber in die Grundschule St. Nikolaus. Die Situation ändert sich dadurch vollkommen. Andere Betreuungszeiten und mehr Ferientage sind eine große Herausforderung für die 32-Jährige, die zusammen mit ihrem Mann aus beruflichen Gründe nach Konz gezogen ist. Mit Einschulung ihrer Tochter muss die Familie die Nachmittags- und Ferienbetreuung umorganisieren. Ohne Betreuungsplatz im Kinderhort der Stadt Konz sieht Schindin sich nicht in der Lage, weiter in ihrem Job zu arbeiten. "Entweder muss ich die Karriere aufgeben oder der liebe Gott hilft uns", sagt die 32-Jährige und lacht verzweifelt.
In dieser verzwickten Situation ist Schindin nicht alleine. Zusammen mit weiteren berufstätigen Müttern aus dem Elternausschuss der Kindertagesstätte Haus für Kinder, hat sie sich in den vergangenen Monaten für mehr Hortplätze in der Stadt Konz eingesetzt. Unter anderem haben Kellya Namegabe, Özgül Sözen, Bianca Kunz und Schindin gemeinsam Unterschriften gesammelt.
Dass das Ganztagsangebot der Grundschule St. Nikolaus für sie nicht ausreicht, begründen Namegabe und Sözen mit den Ferienzeiten. Denn dann gibt es keine Kinderbetreuung in den Ganztagsschulen. Die Eltern müssten 2016 zum Beispiel allein 60 Ferientage ohne Betreuung kompensieren. Insgesamt hätten sie und ihr Mann aber nur 50 Urlaubstage im Jahr, sagt Sözen. Ähnlich sieht die Situation bei den anderen Eltern aus, die ebenfalls keine anderen Familienmitglieder in Konz haben, die ab und zu die Betreuung übernehmen könnten. Nur ein Hortplatz helfe weiter, sagt Namegabe. Ein Ganztagsplatz in der Grundschule sei bisher keine richtige Alternative (siehe Extra).

Plan der Stadtverwaltung: Auf Initiative der Eltern hin wird nun die Konzer Stadtverwaltung aktiv. Am Dienstag, 5. Juli, 18 Uhr, entscheidet der Stadtrat über die Schaffung von fünf zusätzlichen Hortplätzen. Dazu soll der bestehende Kinderhort in der Grafenstraße umgebaut werden. Es werde eine zweite Ebene eingezogen, so dass fünf Kinder mehr betreut werden könnten, sagt der hauptamtliche Beigeordnete der Verbandsgemeinde Konz, Joachim Weber. Unter Vorbehalt, dass der Stadtrat den 30 000 Euro teuren Plänen zustimmt, könnten dann statt 35 genau 40 Kinder an dem Standort betreut werden. Insgesamt gibt es in der Stadt Konz dann 60 Betreuungsplätze. "Eigentlich sind wir damit im Soll, was die Anmeldezahlen angeht", sagt Weber. Achim Lutz, Fachbereichsleiter der Konzer Verwaltung, versichert auf TV-Anfrage, dass es für den Hort keine weitere Warteliste gebe.
Fazit: Der Kinderhort ist aus Sicht der berufstätigen Mütter die bessere Alternative. Einerseits betreut der Hort auch während der Ferienzeiten, andererseits ist der Betreuungsschlüssel (ein Betreuer für zehn Kinder) besser als in den Ganztagsschulen. Die Ausbaupläne der Konzer Stadtverwaltung begrüßen die Mütter. Schindin bleibt aber skeptisch: "Solange ich keine Zusage Schwarz auf Weiß habe, kann ich nur hoffen."Meinung

Betreuungsfrust frisst Familienidylle
Bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sieht die deutsche Realität immer noch düster aus. Die Suche nach Betreuungsplätzen führt zu viel Frust. Zwar ist in den vergangenen Jahren einiges passiert. Es reicht aber immer noch nicht - auch nicht in Konz. Das liegt nicht in erster Linie an der Kommune, sondern an der Gesamtsituation. Denn spätestens, wenn die Kinder in die Schule kommen, haben Eltern ein Problem. Ganztagsschulen helfen da nur zum Teil weiter. Die vom Land verordneten halben Freitage sind da das kleinere Problem. Das ist noch über Teilzeitarbeit zu kompensieren. Allerdings ist eine Teilzeitbeschäftigung nicht selbstverständlich. Denn die meisten Arbeitgeber haben da sehr einseitige Vorstellungen von Flexibilität: Mitarbeiter müssen flexibel sein, Arbeitsbedingungen hingegen nicht. Deshalb bezahlen Arbeitnehmer den Kampf um Teilzeit häufig mit schlechteren Chancen beim beruflichen Aufstieg. "Geschenkt", denken sich die verbliebenen Eltern. "Noch mehr Frust geht nicht!" Denkste: 60 Ferientage müssen überbrückt werden. Das ist ohne weitere Einbußen nicht ausgleichbar. Bei diesen Aussichten ist es kein Wunder, dass viele potenzielle Eltern keine Lust auf Kinder haben. Da ist die Schaffung von fünf zusätzlichen Hortplätzen in der Stadt Konz wie ein Tropfen auf dem heißen Stein. c.kremer@volksfreund.deExtra

Das Ganztagsangebot der Grundschule St. Nikolaus ist vor allem wegen der Schulferien nur vordergründig eine Alternative für vollzeitbeschäftigte Eltern. Die Vorgaben des Landes sehen zudem nur eine Betreuung von montags bis donnerstags bis 16 Uhr vor. Freitags betreut die Schule die Kinder nur bis zur Mittagszeit. Auf diese Situation hat nun der Förderverein der Grundschule reagiert. Laut Schulleitung möchte der Verein eine Nachmittagsbetreuung bis 16 Uhr organisieren. Mit Blick darauf ist für Mittwoch, 6. Juli, 19.30 Uhr, ein Elternabend in der Schulmensa geplant. Dazu sind auch die Eltern von Kindergartenkindern eingeladen, die im Sommer eingeschult werden. cmk