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Konzer Musiker überträgt Livekonzerte für Zuhause

Mutmacher : Konzer Musiker überträgt Livekonzerte für Zuhause

Der Konzer Wolfgang Prinz tritt in seinem Musikzimmer auf, überträgt den Gig auf Facebook und verbindet das mit Spendenaufrufen.

Der Musiker ist voll in seinem Element. Wolfgang „Wolli“ Prinz spielt Gitarre und zugleich mit den Füßen eine Basstrommel und eine Snare Drum (deutsch: Schnarrtrommel). Zusätzlich singt er oder spielt Mundharmonika. Er sitzt nicht auf der Bühne, sondern im heimischen Musikzimmer. Vor ihm stehen zwei Tablets. Ein Bildschirm ist in seine Richtung ausgerichtet der andere in Richtung der Kamera, die das Konzert auf Prinz’ Facebook-Seite live überträgt. Auf dem Tablet ist der Schriftzug des Vereins A Mundo aus Wiltingen zu sehen. Es ist das achte „Quarantäne-Konzert“ des 56-Jährigen, der vor allem durch die Band Unplugged Gang bekannt ist. Diese Band hat sich durch ihre Auftritte auf hunderten Veranstaltungen in der ganzen Region Trier einen Namen erspielt. Prinz selbst macht Musik, seitdem er 15 Jahre alt ist.  

„Der erste Musikwunsch geht nach Trier zu dem Andreas“, sagt Prinz. „Andreas, du wolltest was von Bob Geldorf.“ Sein Repertoire an Bob-Geldorf-Liedern sei sehr begrenzt, führt Prinz weiter aus. „Wir haben mit einander gesprochen, und du warst einverstanden mit diesem Lied“, fährt der Musiker fort. Dann ein letztes Mal Gitarre stimmen. Und die ersten Töne Mundharmonika, Gitarre und Schlagzeug erklingen. Prinz beginnt mit tiefer Stimme zu singen: „I don’t mind if you go....“ Kennern ist spätestens bei dieser Zeile klar, dass es sich um Prinz’ Version des Geldorf-Stücks „The Great Song of Indifference“ handelt. Es ist eins von fünf Liedern, die der Musiker vorträgt an diesem Abend.

Im Gespräch mit dem TV sagt Prinz, dass die Facebook-Live-Konzerte eine „spontane Schnapsidee“ gewesen seien. „Es ist ja eine auftrittsfreie Zeit, da fehlt mir etwas“, sagt er. „Wenn die Leute nicht zu den Konzerten können, bringen wir die Konzerte zu den Leuten.“ Bisher klicken ein paar Hundert oder sogar mehr als 1000 Menschen auf die Facebook-Konzerte von Prinz. Er spielt immer fünf Songs und fordert die Zuschauer aktiv dazu auf, sich Lieder zu wünschen. „So kommen sieben bis acht Wünsche pro Abend rein“ ,sagt er. Inzwischen habe er 60 offene Songs. Einige davon habe er bisher noch nie gespielt. Er versuche jeden Abend einen der ihm bisher unvertrauten Songs einzubauen.

Im Geldorf Song heißt es im Refrain: „I don’t care at all“ (deutsch: Das interessiert mich überhaupt nicht). Dieses Motto gilt für Prinz nicht. Denn mit den Konzerten verdient er kein Geld, sondern versucht etwas für den guten Zweck zu erreichen. Er fordert seine Zuschauer zum Spenden auf – zum Beispiel an die Kinderkrebsstation im Trierer Mutterhaus oder an den Verein A Mundo aus Wiltingen, der seit vier Jahren Kindern in Entwicklungsländern hilft. Das seien unterstützenswerte Institutionen auch in der Zeit nach Corona, sagt Prinz.

Er selbst sei in seiner Existenz nicht bedroht, sagt Prinz. Es seien zwar 25 Konzerte abgeblasen worden bis August, aber Musik sei für ihn ja nur ein Nebenerwerb. Seinen Hauptjob als „Mädchen für alles“ beim Freizeittreff Fahl in Konz übe er nach wie vor aus. Es sei zwar zurzeit geschlossen aber es liefen Renovierungsarbeiten.

Für die regionale Musikszene wünscht sich der 56-Jährige, dass sie gemeinsame Facebook-Livekonzerte auf die Beine stellt. Wenn jeder eine halbe oder Dreiviertelstunde spiele, bekomme man zwischen 19 und 21.30 Uhr drei Auftritte nacheinander hin. Er habe diesbezüglich schon mit einigen – zum Beispiel dem Trierer Liedermacher Andreas Sittmann – Kontakt aufgenommen. Solche Konzerte seien im Übrigen auch eine Option für die Zeit nach der Pandemie.

Wolfgang Prinz’ nächstes Konzert soll am Samstag, 28. März, um 21 Uhr live auf seiner Facebook-Seite beginnen – www.facebook.com/wo.pri