Konzer Schmuckräuber müssen nach Überfall ins Gefängnis

Kostenpflichtiger Inhalt: Urteil nach Überfall : Konzer Schmuckräuber müssen nach Überfall ins Gefängnis (Update)

Sechs Jahre für den Drahtzieher und drei für den Fluchtwagenfahrer: So lang sind die Freiheitsstrafen, die das Landgericht verhängt hat. Einer der beiden könnte aber früher frei kommen.

Schuldig. Die beiden Männer, die am Mittwoch auf der Anklagebank im Landgericht Trier sitzen, waren laut dem Urteil am 21. September 2018 an einem Raubüberfall auf ein Schmuckgeschäft in Konz beteiligt. Nach vier Verhandlungstagen und etlichen Zeugenaussagen ist die Beweislast aus Sicht des Gerichts erdrückend.

Den Drahtzieher verurteilt die dritte Große Strafkammer zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren wegen schweren Raubs und Diebstahls, den Fluchtwagenfahrer zu drei Jahren wegen Beihilfe zum schweren Raub. Bei beiden Verurteilten wird die Untersuchungshaft seit November berücksichtigt. Sie wird von der Gesamtstrafe abgezogen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Offensichtliche Beweise Die Wahl des Fluchtwagens steht dabei sinnbildlich für das dilettantische Vorgehen der Bande: Es war ein pinker Fiat Punto mit schwarzem Dach und Schmetterlingsaufklebern auf den Seiten (der TV berichtete). „Noch auffälliger geht’s nicht“, sagt der Vorsitzende Richter Armin Hardt. Auch die anderen Beweise sind aus Hardts Sicht erdrückend: zum Beispiel die im Müll gefundenen Preisschilder der gestohlenen Ware, der nicht gelöschte WhatsApp-Chat des Drahtziehers mit seiner Frau oder die über die Facebook-Profile der Männer hergestellten Verbindungen zu den anderen vier Mitgliedern der Bande.

Der Hauptangeklagte N. hat die sechsköpfige Bande laut dem Urteil zusammengebracht und bei der Tatausführung zusammen mit zwei weiteren Männern auf dem Möbel-Martin-Parkplatz gewartet. Der Mitangeklagte soll die beiden Männer, die in das Geschäft eingedrungen sind, dann die Verkäuferinnen bedroht haben und später mit Schmuck im Wert von rund 41 000 Euro geflüchtet sind, nach Konz und zurück ins Versteck in der Eifel gefahren haben.


Der Drahtzieher Der Verurteilte N. hat seinen Bruder und drei Freunde, die er aus Serbien kennt, für den Überfall zusammengebracht. Das sechste Bandenmitglied hat er als Nachbarn kennengelernt: Es ist der Fluchtwagenfahrer, der Pole, der mit ihm vor Gericht steht. In der Bande war dieser wohl ein Außenseiter, dem N. Geld schuldete. N. selbst ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er träumte laut Hardt davon, seine Schulden zu begleichen, mit seiner Familie nach Hamburg zu ziehen und dort ein Haus zu kaufen. Um an Geld dafür zu kommen, habe er den Überfall geplant, sagt Hardt. Dass er der Planer war, geht laut dem Richter unter anderem aus dem WhatsApp-Chat mit seiner Frau hervor. „Baby, wir nehmen uns jetzt alles, was uns zusteht“, schrieb er zum Beispiel vor dem Überfall.

Auch Zeugenaussagen deuten darauf hin, dass N. das Sagen hatte: Er hat demnach zum Beispiel eine Ferienwohnung in der Eifel gemietet und bar bezahlt. Seine Komplizen habe er dort untergebracht und ihnen täglich Essen gebracht, erklärte die Vermieterin der Wohnung vor Gericht. Sie hat die Polizei auf die Spur der Bande gebracht, nachdem die Ermittler Fotos einer Überwachungskamera veröffentlicht hatten. Sie hat auch die verdächtigen Schmuck-Etiketten im Müll der Wohnung gefunden, die der Bande offensichtlich als Unterschlupf diente (der TV berichtete).

Für N. spreche, dass er nicht vorbestraft sei, sagt Hardt. Zudem habe der Mann den Einbruch in Wasserliesch gestanden, der ihm ebenfalls zur Last gelegt wird. Die Gefängnisstrafe von sechs Jahren sei deshalb angemessen, sagt Hardt. Und er gibt dem Verurteilten eine Option, seine Strafe zu verkürzen: eine Drogentherapie. Wenn er diese erfolgreich absolviert, könnte er nach drei Jahren aus der Haft entlassen werden. Hardt begründet diese Option damit, dass der Mann seine Taten auch begangen habe, weil er Geld für Drogen beschaffen wollte.

Der Fluchtfahrer Die Strafe für B. fällt mit drei Jahren weitaus kürzer aus. Das liegt unter anderem daran, dass er „erhebliche Aufklärungshilfe“ (Hardt) bei den Ermittlungen geleistet hat. Sein Geständnis sei glaubwürdig, sagt der Richter. B. war auch bei der Grillfeier nach der Tat nicht dabei. Das belegt ein Foto, das die Vermieterin mit dem Handy des Hauptangeklagten von den fünf Serben gemacht hat. Dieses Bild spricht für die Außenseiterrolle des Polen.

Den pinken Fiat habe er nicht als Fluchtauto gekauft, sondern für seine Ex-Frau und die gemeinsamen Kinder, erklärt Hardt. Trotzdem habe B. gewusst, was seine Komplizen vorgehabt hätten, als er sie nach Konz fuhr. Er habe in Kauf genommen, dass die Verkäuferinnen brutal bedroht und traumatisiert wurden. B. kommt zugute, dass die Zusammenarbeit der deutschen mit der polnischen Justiz nicht funktioniert. Für die von der Staatsanwaltschaft herangezogenen Vorstrafen aus Polen fehlten die Urteile in der Gerichtsakte. Nur wenn diese beigefügt sind, können sie laut Hardt strafverschärfend herangezogen werden.


Rest der Bande: Ein drittes Mitglied der Bande sitzt in Trier in Untersuchungshaft und wartet auf sein Verfahren. Er hatte als Zeuge ausgesagt und den Fluchtwagenfahrer be- und den Hauptangeklagten entlastet. Das Gericht hat ihm nicht geglaubt. Die drei anderen Männer sind auf freiem Fuß in Serbien.

Mehr von Volksfreund