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Konzer setzen Zeichen gegen Rassismus

Konzer setzen Zeichen gegen Rassismus

Rechtsextreme haben in den vergangenen Monaten in Konz mehrfach Banner mit fremdenfeindliche Sprüchen aufgehängt oder Graffiti mit rassistischen Parolen gesprüht. Nun reagieren die Bürger am Samstag, 30. Juli, mit einer Demonstration für ein buntes Konz.

Konz. Die Polizei sucht nach Rechtsextremen, die seit längerem ihre Parolen in Konz verbreiten. Zuletzt haben die Unbekannten Aufkleber in der Wiltinger Straße verteilt. Die Aktion mit dem größten Schaden ereignete sich Ende Juni: Rechte Graffitisprüher hinterließen Parolen im ganzen Stadtgebiet. Eine Spur haben die Ermittler laut Polizeisprecher Karl-Peter Jochem noch nicht. Dabei haben die Täter vermutlich sogar große Schablonen benutzt, um bis zu 50 mal 50 Zentimeter groß gesprühte Sprüche zu verbreiten, die von der rechtsextremen Identitären Bewegung bekannt sind (siehe Extra). "Heimat, Freiheit, Tradition - Multikulti Endstation", war da zum Beispiel zu lesen. Die Stadt Konz ließ die Schmierereien entfernen. Dazu musste sie 800 Euro für ein spezielles Putzmittel ausgeben (der TV berichtete).
Reaktion der Bürgerschaft


Einen Monat danach reagiert die Bürgerschaft. "Konz steht auf für Respekt und Menschenwürde - Rassismus und Faschismus sind keine Alternativen", lautet das Motto einer Demonstration gegen Rassismus, Intoleranz und Diskriminierung. Eine Gruppe engagierter Konzer hat sie für Samstag, 30. Juli, in Konz organisiert. Treffpunkt der Demonstration ist um 15 Uhr am Konzer Rathausplatz.
Die Idee für die Demo ist in der Facebook-Gruppe "Konz gegen Intoleranz" entstanden. Da haben sich Menschen zusammengetan, die die Aktionen der Rechtsextremen in Konz mit Besorgnis beobachten. Die Initiative hat schließlich Rebekka Lintz ergriffen, die im Auftrag der Gruppe auch mit dem TV spricht: "Wir reagieren mit der Demo auf die Graffitti-Schmierereien in Konz.", sagt die 22-Jährige. "Wir wollen kein Zeichen gegen etwas setzen, sondern für die Werte einer offenen Gesellschaft einstehen." Deshalb habe sie zunächst mit den anderen Gruppenmitgliedern diskutiert und dann begonnen, ein Netzwerk aufzubauen.
Hilfe fand Lintz bei Nicola Rosendahl vom Verein "Für ein buntes Trier, gemeinsam gegen rechts", der schon häufig vergleichbare Demonstrationen in Trier veranstaltet hat.
Auch das Jugendforum Konz, das aus dem Bundesförderprogramm Demokratie leben entstanden ist, unterstützt die Demonstration. Dominik Schnith, Projektkoordinator der Koordinierungs- und Fachstelle im Rahmen des Programms, meint: "Ich bin froh, dass sich nun auch zivilgesellschaftlich etwas bewegt." Das Jugendforum hatte schon beim Heimat- und Weinfest mit einer Graffitiaktion ein Zeichen gegen rechts gesetzt (der TV berichtete).
Auch der Konzer Bürgermeister Karl-Heinz Frieden (CDU), der die unbekannten Graffitisprüher ebenso wie diejenigen, die die Banner aufgehängt hatten, im Namen der Stadt Konz angezeigt hat, unterstützt die Demonstration: "Man kann nicht oft genug auf die Menschenwürde und die Menschenrechte hinweisen. Die sind sehr wichtig für unser geeintes Europa." Der Identitären Bewegung sind solche Gedanken vermutlich fremd. "Von Konz ausgehend, versucht die Identitäre Bewegung in der Region rund um Trier immer wieder ihre Propaganda zu verbreiten", heißt es beim Verein "Für ein buntes Trier". Seit 2013 haben Unbekannte zum Beispiel mehrfach Banner mit Botschaften der Identitären Bewegung aufgehängt: in Konz am Rathaus und an den Holzhäusern für Asylbewerber sowie in Kanzem, Saarburg oder Trier zum Beispiel.
Dass die Rechten dabei immer aus der Anonymität heraus agieren, ist für Rebekka Lintz eines der Hauptmerkmale der Bewegung.
Ziel der Identitären sei es, "eine völlig unbegründete Angst vor Überfremdung zu schüren", obwohl in Konz seit Jahrzehnten verschiedenste Kulturen Tür an Tür lebten, heißt es bei dem Verein weiter. Das mache Konz zu "einer bunten und weltoffenen Stadt".Meinung

Gemeinsam für Werte einstehen
Die rechten Graffitisprüher von Konz sind kriminell. Sie haben öffentliches Eigentum beschädigt, um ihre politische Meinung zu verbreiten. Und diese Meinung enthält fragwürdige Aussagen, die sich - zumindest teilweise - nicht mit dem Grundgesetz vereinbaren lassen. Deshalb wäre es gut, wenn möglichst viele Konzer bei der Demonstration ein Zeichen setzten. Nur so können die Demokraten den anonymen rechten Unruhestiftern Paroli bieten. Denn diese haben nicht den Mumm, für ihre Meinung einzustehen. Sie verbreiten Parolen über Guerrillaaktionen, ohne sich zu zeigen. Dadurch entziehen sie sich einem demokratischen Diskurs und somit Gegenargumenten. Deswegen ist es richtig, die Demonstration nicht in erster Linie gegen ein paar gesichtslose politisch Verwirrte zu richten, sondern gemeinsam für die Grundwerte der Demokratie einzustehen. c.kremer@volksfreund.deExtra

Die Identitäre Bewegung hat ihren Ursprung in Frankreich. Sie entwickelte sich aus dem Bloc identitaire, der 2003 gegründet wurde. Die Bewegung ist ein loser Verbund rechtsextremer und völkischer Gruppen. Aus Sicht der Identitären wehrt man sich vor allem gegen eine zunehmende "Islamisierung" Europas. So wird behauptet, dass die kulturelle Identität einer Nation beispielsweise durch Einwanderung von Muslimen bedroht sei. Ihr Zeichen ist der gelbe griechische Buchstabe Lambda auf schwarzem Grund, was symbolisch für den Kampf der Spartaner (Europäer) gegen die Perser (Muslime) an den Thermopylen steht. Der Sozialwissenschaftler Thomas Pfeiffer, Mitarbeiter der Abteilung Verfassungsschutz im nordrhein-westfälischen Innenministerium, sieht zum Teil Überschneidungen mit anderen rechtsextremen Gruppierungen. Quelle: Wikipedia/itz