Konzer Wasser für Luxemburg

Eine neue Dimension in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit: Ab etwa 2012 soll der Luxemburger Osten mit Wasser aus der Verbandsgemeinde Konz versorgt werden. Die Verträge dazu werden vermutlich in den nächsten Wochen unterzeichnet.

Konz/Mertert/Wasserbillig. Aus den Wasserhähnen in Mertert und Wasserbillig könnte in wenigen Jahren schon Konzer Wasser fließen. So ist die Vision der Verbandsgemeindewerke Konz und des luxemburgischen Wasserverbands "Sidere". Die Kooperation fuße auf der Tatsache, "dass wir genug Wasser im Boden haben", sagt Bürgermeister Karl-Heinz Frieden im TV-Gespräch.

Leitung wird unter der Mosel hindurchgeführt



Auf der anderen Seite wurde den Luxemburgern bereits im vergangenen Jahr durch eine Studie klar, dass ihnen in ein paar Jahrzehnten mancherorts das Trinkwasser knapp wird.

Eine wissenschaftliche Untersuchung hat den Bevölkerungszuwachs bis zum Jahre 2050 auf mehr als 700 000 Einwohner geschätzt. Das bedeutete einen Anstieg des derzeitigen jährlichen Trinkwasserverbrauchs um etwa 40 Prozent - zu groß, um ihn im wasserarmen Osten des Landes ohne Unterstützung auffangen zu können.

Nun wollen sich die Luxemburger des Konzer Wassers aus dem Albachtal bedienen. Im Moment laufen die Vorbereitungen, um die technischen Anlagen den neuen Anforderungen entsprechend zu erweitern. 2012 sollte das Wasser dann über die bestehende Versorgungsleitung entlang der Obermosel, über das Pumpwerk Oberbillig weiter bis zu einem Punkt kurz vor Temmels geleitet werden. Gegenüber der Hafenanlage Mertert ist vorgesehen, einen Übergabeschacht einzurichten - ab diesem Zeitpunkt geht die Verantwortung auf die Luxemburger über. Unter der Mosel hindurch, über eine Übergabeleitung fließt das Wasser weiter bis zu einem nahegelegenen Hochbehälter.

Von dort wird das Wasser dann in das luxemburgische Versorgungsnetz eingespeist.

Das Projekt verursacht Gesamtkosten in Höhe von gut 2,8 Millionen Euro. Auf luxemburgischer Seite werden 1,8 Millionen Euro, auf deutscher Seite 1,3 Millionen Euro investiert. Das EU-geförderte Interreg-IV-A-Programm unterstützt die offiziell genannte "Sicherung der Wasserversorgung der Bevölkerung beidseitig der Mosel im deutsch-luxemburgischen Grenzbereich". 843 000 Euro sollen aus dem Topf des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung stammen. Dieses Geld wird in unterschiedlichen Anteilen auf die deutsche und luxemburgische Seite aufgeteilt.

Über den Preis herrscht Stillschweigen



Parallel dazu läuft derzeit das Genehmigungsverfahren für die vertragliche Regelung zur Wasserkooperation. Etwa 800 bis 1000 Kubikmeter sollen nach Angaben Friedens täglich und 40 Jahre lang von Konz über die Grenze geliefert werden. Als Verkäufer tritt die Wasserversorgung Saar-Obermosel AÖR auf. Über den Wasserpreis hätten die Vertragspartner Stillschweigen vereinbart. Nur so viel: Die neue Vernetzung könnte Vorteile für den Wasserpreis im deutsch-luxemburgischen Raum haben.

Meinung

Die Chemie stimmt

So funktioniert Europa: Eine Nation meldet Wasserbedarf an, die Nachbarn stellen sich als Lieferant zur Verfügung. Auch wenn die Lösung mit der Versorgung aus dem Albachtal vermutlich zu den kostengünstigsten zählte, so war sie vermutlich nicht die einfachste. Es ist den Luxemburgern hoch anzurechnen, dass sie sich mit der Trinkwasserversorgung zum Teil von einem anderen Land abhängig machen. Das zeigt, dass es zwischen den Beteiligten ein gewisses Vertrauen gibt. Offenbar stimmt die Chemie. a.pipke@volksfreund.deEXTRA Der luxemburgische Wasserzweckverband Sidere: Hinter der Abkürzung steht der Begriff "Syndicat Intercommunal pour la Distribution d'Eau dans la Région de l'Est". In diesem Verband sind die Gemeinden Betzdorf, Biwer, Flaxweiler, Grevenmacher, Junglinster, Lenningen, Manternach, Mertert, Mompach, Schuttrange und Wormeldange vereint. Interreg IV-A Großregion: Das Interreg-Programm fördert grenzüberschreitende Projekte, wenn sie durch mindestens zwei Projektpartner aus zwei verschiedenen Mitgliedsstaaten oder eine grenzüberschreitende Einrichtung entwickelt wurden. Das Programm verfügt über ein Gesamtbudget von 106 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Im Allgemeinen werden die Projekte mit einem Fördersatz von maximal 50 Prozent gefördert. (api)