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Konzer will mit Vorurteilen über das Schießen aufräumen

Konzer will mit Vorurteilen über das Schießen aufräumen

Schießsportler aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz kommen am Wochenende nach Trier. Ihre Sportart wird oft skeptisch betrachtet. Im Vorfeld der Tagung des Rheinischen Schützenbunds will Verbandsvertreter Willy Werner aus Konz mit Vorurteilen übers Schießen aufräumen. Schießsportler aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz kommen am Wochenende nach Trier. Ihre Sportart wird oft skeptisch betrachtet. Im Vorfeld der Tagung des Rheinischen Schützenbunds will Verbandsvertreter Willy Werner aus Konz mit Vorurteilen übers Schießen aufräumen.

Was sollen die grünen Uniformen, die Federn und die Ordensketten? Und dann ist da noch der schlechte Ruf - wegen der teils tödlichen Waffen im Besitz der Sportschützen. Es gibt zum Beispiel die für immer ins deutsche Gedächtnis eingebrannte Geschichte des Tim Kretschmer: Der 17-jährige Schüler tötete 2009 bei einem Amoklauf in der Albertville-Realschule im baden-württembergischen Winnenden 15 Menschen und sich selbst mit den Waffen seines Vaters, eines Sportschützen.

Die Kritik an Waffengesetzen und Schützenvereinen hat seitdem zugenommen. Das Unverständnis, mit dem sich der Schießsport konfrontiert sieht, ist groß.
Willy Werner kann da mit vielen Vorurteilen aufräumen. Für den Vorsitzenden des Sportschützenbezirks Mosel heißt Schießen: "Abschalten und auf sich selbst konzentrieren." Schnell wird klar, dass der Funktionär des Rheinischen Schützenbunds (RSB) Schießen als ernsthaften Sport begreift, der die feinmotorische Körperbeherrschung und zugleich den Umgang mit technischen Hilfsmitteln fördere.
"Man muss keine großkalibrigen Waffen schießen, die Menschen verletzen oder sogar töten können", sagt der gebürtige Niedersachse.

Bogen, Kleinkaliber- oder Luftgewehre und -pistolen oder sogar vollkommen harmlose Waffen, die mit Lasertechnik arbeiten, seien vollkommen ausreichend für Sportschützen. Beim Schießen mit großkalibrigen Waffen sei zudem die Herausforderung viel kleiner: Ein Sieg sei wahrscheinlicher, weil weniger Gegner bei Wettkämpfen dabei seien. Der Grund ist plausibel: Sowohl die Waffen als auch die Munition sind viel teurer als bei Luftgewehren. Das könne sich nicht jeder leisten.

Schießen als Ausgleich

Werner könnte sich das leisten, denn er ist Professor für Geobotanik an der Universität Trier. Das Schießen bei den Bürgerschützen in Konz-Karthaus ist für ihn ein Ausgleich zur Kopfarbeit als Wissenschaftler.
Für das Wochenende hat er zusammen mit seinen Verbandskollegen die wichtigste Tagung von Schießsportfunktionären in Westdeutschland organisiert. Am Sonntag, 17. April, treffen sich 400 Delegierte aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz beim Rheinischen Schützentag in der Trierer Europahalle.
Zudem sind am Schießstand im Konzer Jeuchental das Landeskönigsschießen und das Landesjugendkönigsschießen geplant. Jeweils 60 Bezirksschützenkönige schießen dann freihändig mit Luftgewehren aus, wer am Nächsten an die Mitte der Zielscheiben herankommt. In Wiltingen kommt es zum Vergleichsschießen für Ü-50-Schützen.

In Trier hat sich der RSB letztmalig vor 40 Jahren getroffen. Die Moselstadt sei zu dezentral gelegen im Verbandsgebiet, das sich vom Niederrhein bis in den Hunsrück erstrecke, sagt Werner. Dass die Grenzen der Bundesländer keine Rolle spielen, ist ein weiteres Indiz für die große Tradition des 1872 gegründeten RSB. Denn das Gebiet umfasst die ehemalige preußische Rheinprovinz. Werner sagt mit Stolz: "Wir sind einer der ältesten Sportbünde in Deutschland (siehe Extra)."Extra

Insgesamt sind im Rheinischen Schützenbund (RSB) mehr als 1000 Vereine zusammengefasst, die etwa 75 000 Mitglieder haben. Es gibt drei Gebiete mit 17 Bezirken, die sich zwischen Xanten am Niederrhein und Idar-Oberstein im Hunsrück erstrecken. Im Bezirk Mosel, zu dem die Kreise Trier-Saarburg, Bernkastel-Wittlich, Bitburg-Prüm und Cochem-Zell gehören, gibt es 54 Vereine. Infos gibt es im Internet unter: www.bezirk12.de cmkExtra

Erste Schützengilden gibt es schon seit dem 12. Jahrhundert. Im Vormärz (1815 bis 1848) wurden die Vereine zum Träger der nationaldemokratischen Opposition gegen die kleinteilig aristokratisch organisierten Fürstentümer. Den Deutschen Schützenbund (DSB) gibt es als Dachorganisation seit 1861, den Rheinischen Schützenbund seit 1872. Doch die politische Bedeutung der Schützenvereine nahm seit der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 ab. Sie wurden später zum Teil durch nationalistische Kriegsvereine verdrängt. Später gingen viele Vereine im nationalsozialistischen System auf, doch das demokratische Gedankengut aus dem Vormärz widersprach auch dem Führerprinzip. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die Siegermächte die Schützenvereine und -verbände als uniformierte Waffenträger zunächst ganz verboten. 1951 durften sie sich neu gründen. Heute betrachten sich die 20 Landesverbände des DSB als Vertreter des Sportschießens, die den olympischen Gedanken pflegen. Rechtliche Grundlage für Schützenvereine und -sportler ist das Waffengesetz. Das gilt auch für den in der Moselregion recht starken katholischen Zweig der Schützen: 1928 wurde der Bund der historischen Deutschen Schützenbruderschaften gegründet. Dieser orientiert sich weniger am Sport und mehr an der katholischen Brauchtumspflege mit dem Motto: "Für Glaube, Sitte und Heimat". Viele Vereine sind in beiden Dachorganisationen vertreten (Quellen im Internet: wikipedia.org, dsb.de, rheinischer-schuetzenbund.de). cmk