Kordels große alte Dame

KORDEL. Elli (Elisabeth) Schmitz aus der Bahnhofstraße ist in Kordel ein Begriff, um nicht zu sagen eine Institution. Ginge es darum, in der Kylltalgemeinde so etwas wie eine "große alte Dame" zu küren, an der rüstigen 93-Jährigen würde kein Weg vorbeiführen.

Eine Würdigung dieser Art wurde "Miss Elli", wie sie respekt- und liebevoll genannt wird, bisher (noch) nicht zuteil, sie jedoch als große alte Dame zu bezeichnen, trifft den Nagel auf den Kopf. Elli Schmitz' Interesse am Kordeler Ortsgeschehen ist äußerst ausgeprägt. Ohne dem Dorfklatsch nachzujagen, hält sie sich bei regelmäßigen Rundgängen und im Gespräch mit ihren Mitbürgern auf dem Laufenden. Kaum eine Veranstaltung in der Gemeinde, an der sie nicht teilnimmt. Vor allem der kulturelle Bereich hat es ihr angetan. Bei Konzerten im Bürgerhaus ist stets ein Platz für Miss Elli reserviert. Klar, dass während der närrischen Zeit auch eine Karnevalssitzung zu ihrem Pflichtprogramm zählt. Wann immer es geht - und das seit Jahren - besucht sie ihren geliebten "Schulkameradinnen-Damenstammtisch". Noch mit 82 Jahren das Geschäft geleitet

"Viele haben sich leider schon weggemacht", bedauert sie. Weltoffen und wissbegierig beschäftigt sich Kordels "Grande Dame" intensiv mit der Politik, sowohl mit der großen als auch mit der kleinen. Besonders liebt sie es, über Gott und die Welt zu philosophieren. Als gebürtige Triererin war die 1940 an die Kyll übergesiedelte Elisabeth Schmitz für die Kordeler zunächst natürlich ein "Friemen", eine Fremde. Und "Friemen" werden im "alten Kordel" - damals wie heute - zunächst einmal recht argwöhnisch beäugt. Doch für sie ist das längst Schnee von gestern. Dass es Miss Elli nach Kordel verschlug, ist Richard Wagner zu verdanken. Damals, Ende der 30er-Jahre, lernte die begeisterte Wagnerianerin ihren Ehemann, Leo Schmitz aus Kordel, Wagner-Fan wie sie, beim Opernbesuch kennen. "Wagner hat uns zusammengebracht", sagt sie. 1939 heirateten die beiden. In Kordel hatte Elli maßgeblichen Anteil an der gedeihlichen Entwicklung von Leos dortigem Gemischtwarengeschäft mit Bäckerei. "Im Jahr 1951 fuhren wir zum ersten Mal zu einer Wagner-Aufführung nach Bayreuth", erinnert sie sich. Fortan ging es nahezu jedes Jahr zum "Grünen Hügel", um Wagner "live" zu erleben. Fast alle in Bayreuth inszenierten Wagner-Opern besitzt Elli Schmitz als Video. So manchen Abend verbringt sie damit, den "Ring", den "Holländer", "Tannhäuser" oder ein anderes von Wagners Werken zu genießen. "Ich schätze nicht nur Wagners Musik, sondern auch seine Libretti, die wohl wertvollsten in der Welt der Oper überhaupt", befindet sie. In tiefer Zuneigung und Dankbarkeit gedenkt Elli Schmitz ihrer Mutter, "die es als Kriegerwitwe in schweren Zeiten mit der Erziehung nicht leicht hatte". "Mutter war unsere Bibel. Ihr verdanke ich, dass die Kultur, das Theater, die Musik und die Oper mein Leben prägten", blickt sie zurück. Die Erinnerung geht ihr nahe. Trauer und Wehmut schwingen mit. Nach Leos Tod in den 70er-Jahren übernahm Elli das Geschäft und machte es zum Supermarkt. Bis zu ihrem 82. Lebensjahr leitete sie es. Heute lenkt Sohn Richard - man ahnt, warum er so heißt - die Geschicke. Die Wagnerverehrung hat er von seiner Mutter geerbt. Seit Jahren fahren sie gemeinsam nach Bayreuth.

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