Koreanisches Musikgenie spielt in Saarburg Klavier

Musiktalent : Dieser Junge ist ein kleines Genie

Ein Zehnjähriger aus Südkorea ist blind, spielt aber komplexe Klavierstücke – auch bei den Saarburger Serenaden.

Im Saarburger Gymnasium liegt derzeit Musik in der Luft. Streicherklänge dringen aus dem einen Raum, Klavierakkorde aus einem anderen. Der Grund: In der Schule üben derzeit die Teilnehmer der Saarburger Serenaden.

Seit zehn Jahren veranstaltet der Dirigent und Kammermusiker Semyon Rozin die klassische Konzertreihe. Der Amerikaner mit ukrainischen Wurzeln bringt Studenten, Professoren und Künstler aus der ganzen Welt zusammen. In zwei intensiven Wochen sollen die Musiker voneinander lernen und ihren Horizont erweitern. Das Erarbeitete wird in Konzerten in Saarburg und Umgebung präsentiert.

Koreanisches Musikgenie spielt in Saarburg Klavier

Zu den 50 Serenadenteilnehmern aus Asien, den USA, Kolumbien und Luxemburg gehört in diesem Jahr ein besonderer Pianist: Geonho Kim. Der Südkoreaner ist erst zehn Jahre alt, die übrigen Teilnehmer besuchen in der Regel die Oberstufe oder Universität. Außerdem ist er aufgrund einer angeborenen Sehbehinderung blind. Da er nur wenig Englisch spricht, übersetzte seine Lehrerin Clara Shin im Gespräch mit dem TV vom Englischen ins Koreanische und umgekehrt. „In meiner Familie spielt niemand ein Instrument“, sagt Kim Geonho. Es war der Erzieher im Kindergarten, der auf sein Talent hingewiesen hat. Geonho war damals fünf Jahre alt. Bald darauf nahm er Unterricht bei Clara Shin. Sie ergänzt lachend: „Damals spielte er ‚Die Forelle’ (ein Lied von Franz Schubert) mit vier Fingern.“ Weiter sagt sie: „Und er hat eine einfache Melodie mit solch einer Klarheit gespielt, dass ich sagen konnte: Er hat Talent.“

Den Zehnjährigen, der eine Blindenschule in seiner Heimatstadt Seoul besucht, stört es beim Klavier spielen laut eigener Aussage überhaupt nicht, dass er nichts sieht. Shin sagt: „Gestern meinte er, er müsse sich im Vergleich zu anderen wohl ein wenig mehr anstrengen.“

Zusammen mit ihrem Schüler hat die Pianistin ein eigenes System zum Lernen neuer Stücke entwickelt. Sie nimmt es aufgeteilt in kleine Abschnitte auf, mal nur die Noten einer Hand, mal beide zusammen – je nach Schwierigkeitsgrad. Das hört er dann ab. Shin: „Es dauert etwas länger, bis er das gelernt hat, denn er muss alles auswendig können: die Noten, die Dynamik, die Harmonie.“ Erst danach beginne die gemeinsame Arbeit, doch dann sei er auf einem höheren Niveau angelangt als andere Schüler.

Zwei bis drei Stunden übt Geonho täglich. Auf die Frage, ob dies eher Arbeit oder Vergnügen sei, antwortet er nach einer Denkpause mit einem leisen, aber deutlichen: „Arbeit.“ Und gibt es dann Tage, wo er keine Lust hat, zu arbeiten? Der Zehnjährige denkt wieder kurz und sagt: „An den Tagen, an denen es mir schwerfällt, mich zu motivieren, höre ich CDs You-Tube-Videos, in denen berühmte Pianisten spielen.“ Das inspiriere ihn.

Der Traum des kleinen Musikers, der auch eigene Stücke schreibt, ist es, ein großer Pianist und auch Komponist zu werden. In seiner Heimat hat er schon Wettbewerbe gewonnen und eine Hand voll größerer Konzerte gegeben – mit bis zu 2000 Zuhörern. Viele Augen, die auf ihn gerichtet seien, motivierten ihn, sagt er. Dann spüre er die Energie im Raum. Dennoch kennt Geonho auch Lampenfieber. Doch hat er ein Gegenrezept: Er stellt sich dann einfach vor, wie er spielt, und das beruhigt ihn.

Zu hören ist Geonho Kim – einmal im Duett, einmal im Trio – bei den Studentenkonzerten heute im Bürgerhaus/Winzerkeller in Irsch/Saar und am morgigen Mittwoch, im Cloef-Atrium in Orscholz, jeweils ab 19.30 Uhr.

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