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Kreative Idee und Mutmacher in der Corona-Krise: Eine App gegen überfüllte Wartezimmer

Kostenpflichtiger Inhalt: Mutmacher : Eine App gegen überfüllte Wartezimmer

Programmierer und Unternehmer aus der Region haben ein Projekt entwickelt, das in Zeiten von Corona vor allem für Patienten und Ärzte hilfreich sein könnte – zum Beispiel in Trier. Aber auch für Ämter oder Läden, wo viele Menschen lange warten müssen.

Ein Bürgerbüro im Rathaus, wo die Menschen Schlange stehen. Ein volles Wartezimmer beim Arzt. Ein ausgebuchte Friseursalon, der spontan vorbeikommende Kunden auf später vertrösten muss. Solche Situationen kennt jeder aus dem Alltag.

„Dort zu warten ist im Prinzip verschwendete Zeit, die man sinnvoller nutzen kann“, findet Michael Schmidt. Er ist Programmierer und arbeitet als Lehrkraft an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken. Mit vier Freunden aus dem Hochwald hat er eine App (Programm für Handy oder Tablet) entwickelt, die es ermöglicht, Wartelisten digital zu verwalten und somit das Herumsitzen in Warteräumen zu vermeiden.

„Gerade wenn man krank ist, ist das sowieso schon unangenehm. Und dann kommt noch das Ansteckungsrisiko hinzu“, sagt Schmidt. Die App „Waitbird“ schaffe eine Art virtuellen Warteraum, ergänzt der Hermeskeiler Unternehmer Uwe Düpre, einer der Initiatoren des Projekts. Die ursprüngliche Idee, sagt er, sei gewesen, die Menschen aus den Wartezimmern zu lotsen, damit sie stattdessen in der Stadt einkaufen oder essen gingen. Etwa vier Jahre habe die Gruppe in ihrer Freizeit an „Waitbird“ getüftelt. Vor einem Jahr war die endgültige Version fertig. „Der Einsatz ist nicht auf Arztpraxen beschränkt“, betont Düpre. Die App sei überall anwendbar, wo spontan längere Wartelisten entstünden.

Und so funktioniert es: Beim Arzt, Amt oder Friseur steht ein Hinweisschild zur App, die sich der Patient oder Kunde kostenlos im App-Store herunterlädt. Mit dem Smartphone muss er dann einen QR-Code auf dem Schild einscannen. So checkt er im virtuellen Warteraum ein.

In eine Eingabemaske tippt er Name, Geburtsjahr und Telefonnummer. Dann zeigt ihm die App seine Position auf der Warteliste, zum Beispiel Nummer fünf. „Warten muss dann nicht vor Ort, sondern zum Beispiel im Café oder auch zu Hause. Oder man erledigt in der Zeit noch irgendwelche Besorgungen“, erklärt Michael Schmidt.

Viele Patienten sitzen in einem Wartezimmer. Die App „Waitbird“ soll Nutzern ermöglichen, ihre Wartezeit außerhalb der Arztpraxis zu verbringen. Foto: dpa. Foto: dpa/Patrick Pleul

Der Anbieter öffnet die Warteliste in seinem Internetbrowser und kann sie sortieren. Ist etwa beim Arzt der nächste Patient an der Reihe, wird dessen Eintrag von Bereich „Wartend“ ins Listenfenster „Vorraum“ verschoben. Der Betroffene sieht, dass er in der Liste vorgerückt ist und bekommt über die App die Info, wenn er zurück in die Praxis kommen soll.

Es sei auch möglich den Gang zur Praxis zum Einscannen des Codes vor Ort zu vermeiden, sagt Schmidt. „Der Code entspricht einfach nur einer Nummer, mit der die jeweilige Warteliste identifizierbar ist. Diese Nummer kann man auch an die Tür kleben oder auf der eigenen Homepage angeben.“

Internist Sebastian Scholz in Reinsfeld benutzt die App seit längerer Zeit. Den Allgemeinmediziner konnte der TV für eine Stellungnahme trotz mehrfacher Versuche nicht erreichen. Doch eine Arzthelferin berichtet am Telefon, dass das Angebot von den Patieten sehr gut angenommen werde. Und zwar nicht nur von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, sondern auch von Senioren, „die fit mit dem Handy sind“.

Auch ein Trierer Krankenhaus hat laut Düpre bereits sein Interesse an der Nutzung der App angemeldet. Bislang hätten sie ihr Projekt hauptsächlich über private Kontakte bekanntgemacht, sagt er. „Wir sind alle voll berufstätig, haben keine Zeit fürs Klinkenputzen.“ Der größte Vorteil von Waitbird, der Gewinn von Freizeit, liege beim App-Nutzer. Potenzielle Anbieter scheuten noch oft den zusätzlichen Aufwand, den sie zum Verwalten der Listen betreiben müssten. Doch gerade jetzt in der Virus-Krise, sagt Düpre, „könnte die App wirklich helfen, die Ansteckungsgefahr zu verringern“. Deshalb wollten sie das Projekt nun öffentlich machen.

Technische Voraussetzung seien beim App-Nutzer ein Smartphone mit Internetzugang, beim Anbieter ein Computer oder Tablet mit aktuellem Browser. Die App soll auch künftig kostenlos sein. Für Anbieter ist eine dreimonatige Testphase kostenfrei. Sollte die Zahl der Listen-Verwalter so stark steigen, dass ein größerer Server nötig werde, sagt Düpre, dann müsse man womöglich ein geringen Betrag verlangen. „Aber aufs Geld kommt es uns nicht an.“ Als Programmierer zu sehen, wenn andere das eigene Produkt wirklich nutzten, sei „schon ein cooles Gefühl“, sagt Entwickler Schmidt.

Ihre Idee, geben beide zu, sei zwar grundsätzlich nicht ganz neu. In den USA gebe es beispielsweise Varianten, bei denen die Nutzer eine SMS aufs Handy bekämen. Eine Version mit eigener App sei ihnen aber bislang noch nirgends begegnet. „Intensiv geprüft“ sei übrigens auch das Thema Datenschutz, sagt Düpre. „Wir haben die Industrie- un Handelskammer Trier da genau draufschauen lassen.“