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Kreis führt Sozialarbeit an allen Grundschulen ein

Sozialpädagogische Beratung an Grundschulen : Kreis führt Sozialarbeit an Grundschulen ein

Bis zu 30 Prozent der Kinder in den zweiten Grundschulklassen im Landkreis Trier-Saarburg haben psychische Probleme. Vor diesem Hintergrund soll sozialpädagogische Beratung künftig in allen Schulen angeboten werden.

Ganztagsschulen liegen im Trend, und auch der Ausbau der Nachmittagsbetreuung nimmt zu. Vor diesem Hintergrund ist die Grundschule für Kinder heute ein wichtiger Lebensmittelpunkt, wie Dietmar Grundheber, Geschäftsführer des Jugendnetzwerks Konz, erklärt. Weiter sagt er: „Die Kinder bringen ihre Lebensfragen dorthin mit.“ Damit sie leichter Antworten finden, haben die Lehrer der Grundschulen in der Verbandsgemeinde Konz Unterstützung erhalten.

So läuft es in Konz Seit 2015 wird an den acht Grundschulen der Verbandsgemeinde Konz sozialpädagogische Betreuung angeboten. An den weiterführenden Schulen der VG gibt es die Schulsozialarbeit bereits seit 2005. Für die Grundschulen ist bislang nur eine Ganztagsstelle vorgesehen, die sich zwei Frauen teilen. Deshalb wurden zwei Schwerpunktschulen ausgewählt, nämlich St. Nikolaus und St. Johann. Dort haben die beiden Kräfte ihre Büros.

Grundheber sagt: „Sie beraten Kinder, Eltern und Lehrer.“ Schüler suchten beispielsweise Rat, wenn es zu Hause in der Familie nicht rund laufe oder sie Probleme mit der Scheidung der Eltern hätten. Auch Cybermobbing oder Lernstress seien Themen. Es gehe bei der sozialpädagogischen Beratung auch um Konflikte beispielsweise von Gruppen innerhalb der Schule oder um Unterstützung bei den Übergängen von der Kita in die Grundschule oder später in eine weiterführende Schule.

Und was bringt die Beratung an den Schulen? Grundheber: „Die Schulen erhalten sozialpädagogische Expertise.“ Die Fachkräfte würden beispielsweise Programme wie das der Streitschlichter einführen. Generell fördert Sozialpädagogik den selbstständigen Umgang von Menschen mit ihrer Umgebung und der Gesellschaft und wirkt präventiv gegen soziale Benachteiligungen.

Grundheber stellt klar: „Schulsozialarbeiter sind nicht die Feuerwehr, die eingreift, wenn es brennt. Es geht darum, möglichst früh vorzubeugen.“ Er räumt ein, dass in Konz die städtischen Strukturen ausgeprägter und der Anteil der Menschen mit Migrationsanteil höher sei als im restlichen Kreis, doch betont er auch, dass man dort einfach vorausschauend vorgegangen sei.

Ausweitung auf den Kreis Die sozialpädagogische Beratung soll aufgrund der Jugendhilfeplanung an allen Grundschulen des Landkreises Trier-Saarburg angeboten werden. Eine Analyse an den Grundschulen des Kreises mit ihren rund 4200 Schülern hat ergeben, dass es dafür Bedarf gibt. Abgefragt wurde beispielsweise die Zahl der Kinder mit psychischen Problemen. Demnach haben in der zweiten Grundschulklasse bis zu 30 Prozent der Kinder (in absoluten Zahlen 312) psychische Auffälligkeiten, die mit einer Medikation einhergehen, sind in psychologischer Behandlung oder waren bereits in der Kinder- und Jugend-Psychiatrie untergebracht. Sprachkenntnisse sind seltener ein Problem. In der ersten Klasse haben laut Umfrage 6,5 Prozent der Schüler (69) keine oder schlechte Deutschkenntnisse. Um die 30 Prozent der Kinder gehen ganztags in die Schule. 85 Prozent der Schulen sehen zudem einen Bedarf an Beratung von Kindern, Eltern, Sorgeberechtigten und Lehrkräften im Rahmen der sozialpädagogischen Didaktik und Methodik.

Das ist geplant Laut Konzept des Kreises soll die Beratung „kooperativ – bereichernd – vertraulich“ sein. Ursprünglich sollte sie am 1. Juli 2020 beginnen und bis 2023 laufen. Der Start wurde aufgrund der Corona-Pandemie aber auf Januar 2021 verschoben.

2023 kommt die Beratung auf den Prüfstand und es wird entschieden, ob sie weiterläuft. Über das Jugendamt des Landkreises sollen die Stellen im Einvernehmen mit den Verbandsgemeinden von einem anerkannten freien Träger der Jugendhilfe besetzt werden. Finanziert werden die Fachkräfte zur Hälfte vom Landkreis Trier-Saarburg und zur Hälfte von den Verbandsgemeinden. Pro Vollzeitstelle sind 16 000 Euro pro Jahr eingeplant.

In der VG Konz gehen 1177 Kinder in die Grundschule. Mehr als 1000 gibt es ansonsten nur in den VG Saarburg-Kell (1214) und Schweich (1045). Entsprechend sollen laut Jugendhilfeplanung künftig zwei Vollzeitstellen für sozialpädagogische Beratung in der VG Konz eingerichtet werden.

Die VG Saarburg-Kell, Schweich und Trier-Land erhalten jeweils eine Vollzeitstelle, Hermeskeil (483 Kinder) und Ruwer (655 Kinder) je eine halbe.