Kreis macht Millionen für die Schulen locker

Saarburg/Trier · Die Übernahme der Realschulen plus von den Verbandsgemeinden erweist sich für den Landkreis Trier-Saarburg als teures Erbe. Die Sanierung der Gebäude in Waldrach, Kell und Zerf steht ebenso auf dem Programm wie unter anderem Aus- und Umbauten an den Gymnasien Schweich und Konz.

Saarburg/Trier. Die Lösung aller Haushaltsprobleme wäre so einfach: Einfach einmal ein Jahr lang kein Geld investieren. Weder in Kreisstraßen, noch in Schulen und auch nicht in Kindergärten. Doch die Realität ist etwas komplizierter. Das wissen auch die Mitglieder des Kreistags, die am Dienstagabend mit großer Mehrheit den Haushalt des Landkreises Trier-Saarburg für 2015 angenommen haben (siehe Extra). Gut 17 Millionen Euro sollen insgesamt investiert werden.
Mit rund 9,2 Millionen Euro entfällt der größte Batzen auf Bau- und Sanierungsarbeiten an den kreiseigenen Schulen.

Die größten Projekte sind:

Schulzentrum Konz: Seit 2013 wird das Schulzentrum saniert, zu dem neben dem Gymnasium die Realschule plus gehört. Arbeiten für rund 2,2 Millionen Euro stehen dort auf dem Programm.

Gleich an mehreren Schulen in Saarburg muss investiert werden. Die Kosten für die Sanierung des naturwissenschaftlichen Trakts am Gymnasium Saarburg werden von der Kreisverwaltung mit zwei Millionen Euro angegeben. 881.000 Euro werden für Brandschutzmaßnahmen im Atrium der Berufsbildenden Schule fällig. Im Umfeld dieser Schule soll zudem für 400.000 Euro der Parkplatz erweitert werden.

Eine Baustelle bleibt auch das Stefan-Andres-Gymnasium in Schweich. 1,26 Millionen Euro stehen im Haushalt für den weiteren Ausbau. Ab dem kommenden Schuljahr gibt es dort erstmals eine elfte Jahrgangsstufe.

Das Gebäude, in dem heute die Integrierte Gesamtschule Hermeskeil ist, gehört zu den Bildungsstätten, die früher von Verbandsgemeinden unterhalten wurden und nun vom Landkreis betreut wird. Rund 730 000 Euro für den Brandschutz, für den Umbau des Gebäudes sowie für die Verlegung der Sportanlage am Labachweg und die Umgestaltung des Schulhofs werden fällig.

Ähnlich tief muss der Landkreis für die Grund- und Realschule plus Waldrach in die Tasche greifen. Auf 430.000 Euro belaufen sich die Kosten für die im kommenden Jahr geplante Generalsanierung.

Aus zwei Standorten besteht die Grund- und Realschule plus Kell/ Zerf. 335.000 Euro kosten den Kreis der Brandschutz am Standort Kell. Hinzu kommen 220 000 Euro für eine neue Heizung. Laut Haushaltsplan 850.000 Euro werden am Standort Zerf benötigt, um den Brandschutz sicherzustellen. 180.000 Euro sind für die Generalsanierung an beiden Schulstandorten eingeplant.

Neben dem Bereich Schulen will der Landkreis Trier-Saarburg rund 3,7 Millionen Euro in Kreisstraßen investieren (der TV berichtete). Weitere Vorhaben sind unter anderem die Renaturierung der Kyll an der Deimlinger Mühle bei Kordel (200.000 Euro), der Leuk bei Saarburg-Kollesleuken (600.000 Euro), der Bau eines behindertengerechten Aufzugs in der Kreisverwaltung (270.000 Euro).Meinung

Vor der eigenen Haustür kehren

Das Land gibt Bestandsgarantien, und der Landkreis zahlt die Zeche dafür. So lässt sich ein Teil der Investitionen für das kommende Jahr erklären. Sowohl für die Realschule plus Waldrach als auch für die in Kell/Zerf hat das Bildungsministerium eine vorläufige Bestandsgarantie ausgesprochen. Vorläufig auch deshalb, da auf mittlere Sicht die Schülerzahlen weiter sinken. Konkret sind hingegen die anstehenden Kosten für Brandschutz und Co. in den drei Schulstandorten. Mit denen lässt übrigens nicht nur das Land den Kreis alleine. Auch einige Mitglieder des Kreistags haben als Mitglied im jeweiligen Verbandsgemeinderat oder als Bürgermeister Mitverantwortung für den Investitionsstau, der nun vom Kreis beseitigt werden muss. Denn offensichtlich sind Arbeiten nicht erledigt worden, ehe der Kreis die Schulen übernahm. Auf der anderen Seite wenden sich eben diese Kommunalpolitiker gegen eine Kreisumlagenerhöhung. Ihnen und weiteren Kreistagsmitgliedern wäre zu raten, erst einmal vor der eigenen Haustüre zu kehren, als wahlweise auf das Land und/ oder den Bund zu schießen. h.jansen@volksfreund.de
Extra

Kennzahlen: Entgegen der ursprünglichen Planungen hat der Kreistag Trier-Saarburg die Kreisumlage nur von 42 auf 43 Prozent erhöht. 44 Prozent waren ursprünglich vorgesehen. Gemeinden und Verbandsgemeinden überweisen somit vermutlich rund 52 Millionen Euro an den Landkreis Trier-Saarburg. Die Einnahmen reichen weiter nicht aus, um wenigstens genügend Geld für die Pflichtausgaben zu haben. Aufgrund der Entscheidung der Kreistagsmehrheit fehlen bei der Umlage rund 1,2 Millionen Euro Einnahmen. Dadurch steigt das Defizit im Finanzhaushalt auf 850 000 Euro. Da der Kreis über keine Rücklagen verfügt, muss er sich das Geld für alle Investitionen leihen. Bei Ausgaben von rund 181 Millionen Euro sind die Bereiche Soziales und Jugend mit mehr als 115 Millionen Euro weiter die mit Abstand größten Einzelposten. Ende kommenden Jahres wird der Kreis vermutlich mit rund 135 Millionen Euro verschuldet sein. har

Für mehr Einnahmen reicht es nicht