Kreis nimmt mehr Flüchtlinge auf

Konz/Trier · Eine Flüchtlingswelle aus den Krisenregionen der Welt hat in den vergangenen Monaten Europa erreicht. Die Zunahme an Asylbewerbern wirkt sich auch im Kreis Trier-Saarburg aus. Bei der Sitzung am Montagabend war das ein Thema im Kreistag.

Die Kreis-Ausländerbeauftragte Gisela Krämer sieht in dem Konzer Asylbewerberwohnheim eine Übergangslösung, die nicht ideal, aber erträglich ist. TV-Foto: Christian Kremer

Konz/Trier. Das Konzer Asylbewerberheim liegt abgelegen zwischen dem Triwo-Gewerbepark und dem Höhenstadtteil Roscheid. 30 ledige Männer, deren Asylverfahren laufen, leben in dem Heim - die einen seit ein paar Wochen, andere seit Jahren. Jeder von ihnen hat ein etwa zwölf Quadratmeter großes Zimmer, Küche und Nassbereiche teilen sie sich. Alleinstehende Frauen oder Familien werden anders als ledige Männer in Wohnungen oder leerstehenden Pensionen untergebracht.
Das Konzer Heim ist die größte Einrichtung dieser Art im Kreis Trier-Saarburg, in dem zurzeit 221 Asylbewerber leben - Tendenz steigend (siehe Extra). Den Kreis kostet das 2013 wahrscheinlich 1,25 Millionen Euro - 300 000 Euro mehr als geplant. Das Land trägt 600 000 Euro - das sind 150 000 Euro mehr als vorgesehen.Kritik am Zustand in Konz


Früher haben in dem Konzer Heim Mitarbeiter der Kunstseiden AG (Kuag) gewohnt. Das Werk wurde 2004 geschlossen, das Wohnheim war jedoch schon 1990 überflüssig. Seitdem dient es als Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber - und geriet wegen seines baulichen Zustands schon häufiger in die Kritik. Dabei wirkt die orangefarbene Fassade heute zumindest von der Straße aus recht saniert. Auch der Eingangsbereich scheint auf den ersten Blick in Ordnung zu sein.
Die Grünen-Kreistagsfraktion macht aber größere Mängel aus. Das Gebäude sei schlecht isoliert, meinte Fraktionssprecherin Heide von Schütz. Im Erdgeschoss krieche die Feuchtigkeit die Wände hoch. Mit einem Antrag forderte sie am Montag im Kreistag unter anderem, den Mietvertrag mit der Triwo Gewerbepark GmbH zu kündigen. Alternativ sei die ehemalige französische Kaserne in Saarburg als Asylbewerberheim geeignet.
CDU-Kreistagsmitglied und Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Konz, Karl-Heinz Frieden, stellte klar, dass die VG Konz zuständig sei, weil sie Vertragspartner der Triwo sei. Monatlich zahlt die VG im Auftrag des Kreises 2565 Euro Miete.
Die Triwo hat in der Vergangenheit einige Mängel beseitigt. Erst vor kurzem haben Vertreter des Unternehmens und der VG das Gebäude besichtigt. Dabei seien Mängel im Toiletten- und Duschbereich festgestellt worden, heißt es in einer Sitzungsvorlage der Kreisverwaltung. Der VG liegt auch ein Katalog mit kurzfristig umsetzbaren Maßnahmen vor. Auch die Kreispolitiker wollen angesichts steigender Flüchtlingszahlen an dem Thema dranbleiben. Die Debatte hat der Kreistag aber in den Kreisausschuss verlagert.Ein trockenes Dach


Beim Wohnheim in Konz empfängt Gisela Krämer, Ausländerbeauftragte des Kreises, den TV. "Das hier soll eigentlich eine Übergangslösung sein", betont sie. Die Menschen haben ein Dach über dem Kopf, und es gebe keinen Schimmel oder ernstere Schäden an dem Gebäude. Jeder Asylbewerber könne sich zudem eigenständig eine andere Bleibe suchen, betont Krämer. Sie spricht von einem friedlichen Zusammenleben der Syrer, Iraker, Iraner, Afghanen, Nigerianer und Somalier. Hausverwalter Robert Eliaszczuk habe dabei große Verdienste. Ein Problem sei, dass Asylbewerber nur schwer an einen Job kommen. Das Asylverfahren dauere zum Teil auch viel zu lange. Ein irakischer Architekt warte zum Beispiel schon seit sechs Jahren im Konzer Heim auf den Abschluss seines Verfahrens.Meinung

Nur ein Dach reicht auf Dauer nicht
Es wäre wünschenswert, wenn jeder Flüchtling eine eigene Wohnung bekäme. Bezahlbar ist das aber nicht. Ein Dach über dem Kopf und ein sauberes Zimmer mit Privatsphäre sollten genügen - zumindest für eine Übergangszeit. Allerdings muss das Asylrecht vereinfacht werden - zugunsten von Antragstellern aus Krisenregionen. Es kann nicht sein, dass Menschen jahrelang in Übergangswohnheimen leben - egal ob freiwillig oder erzwungen. Um das zu vermeiden, wäre es sinnvoll, Asylbewerbern schneller und einfacher einen Job zu vermitteln. Und das sollte kein sinnfreier Ein-Euro-Job sein, der nur zu Frustration führt. Das Potenzial von Flüchtlingen kann sogar volkswirtschaftlich relevant werden. So könnten die Asylverfahren von Fachkräften beschleunigt werden. Hier ist aber nicht der Kreistag, sondern die Bundesregierung gefragt. c.kremer@volksfreund.deExtra

Die Zahl der Asylbewerber hat sich deutschlandweit erhöht (der TV berichtete). 2013 wird mit 85 000 Asylanträgen gerechnet. Auf Rheinland-Pfalz kommen davon 5600 Asylbewerber. Davon entfallen nach einer an der Einwohnerzahl ausgerichteten Quote 3,6 Prozent auf den Kreis Trier-Saarburg. Zurzeit leben 221 Asylbegehrende im Kreis. An die Spitzenzeiten in den 1990er Jahren kommt diese Zahl nicht heran. 1991 betreute der Kreis 696 Asylbewerber. Danach sanken die Zahlen bis auf 20 im Jahr 2008. Innerhalb des Kreises einigen sich die Kommunen bisher ohne Berechnungssystem. Am meisten Asylbewerber leben in Konz (63). Es folgen Saarburg (44), Hermeskeil (29), Kell am See (23), Ruwer, Trier-Land (je 21) und Schweich (20). cmk