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Kreis Trier-Saarburg baut bei der Jugendhilfe weiterhin auf vier Sozialräume

Jugendhilfe : Schnelle Hilfe für Familien mit Problemen

Die Jugendhilfe im Kreis Trier-Saarburg bleibt nah dran an den Menschen. Konz, Schweich, Saarburg und Hermeskeil behalten eigene Zentren – weil sie erfolgreich arbeiten.  

Elke Petry hilft Kindern, Jugendlichen und Familien. Sie arbeitet bei der Kinder- und Jugendhilfe St. Maria. Ihr Arbeitgeber ist seit Anfang 2014 im Auftrag des Kreises Trier-Saarburg zuständig für den Raum Hermeskeil. Im sogenannten Sozialraumzentrum kümmert Petry sich um Problemfälle. Vor 2014 wären diese Fälle wohl direkt beim Jugendamt gelandet – zum Teil hätten sie bestimmt in stationären Erziehungshilfeeinrichtungen geendet. Heute sieht das anders aus: Petry erzählt zum Beispiel von einer alleinerziehenden Mutter, die selbst in einem Heim aufgewachsen ist. Deshalb habe sie keine Ahnung gehabt, wie sie ihr eigenes Kind am besten anspricht. Durch Beratung vor Ort habe die Mutter aber schnell gelernt, freiwillig ohne Zwangsandrohung durchs Jugendamt Hilfe anzunehmen. Die Erziehungsberatung habe direkt geholfen, und die Frau sei auf einem guten Weg. Das hätte aus Sicht von Petry ohne die Hilfe vor Ort anders enden können – vor allem mit ernsthaften Problemen für Kind und Mutter.

Die Nähe zum Wohnort birgt aus Sicht aller Befürworter der sogenannten sozialraumorientierten Jugendhilfe einen Vorteil im Vergleich zu früher: „Die Familien müssen nicht erst nach Trier fahren zum Jugendamt. Das Angebot ist viel niedrigschwelliger“, sagt Petry. Sie besetzt eine von insgesamt 40 Vollzeitstellen, die der Kreis Trier-Saarburg seit 2014 in vier Sozialraumzentren im Kreis Trier-Saarburg geschaffen hat. Seitdem fließen jährlich 3,1 Millionen Euro in das Jugendhilfekonzept mit pädagogischen Angeboten und Beratungszeiten in Konz, Schweich, Saarburg und Hermeskeil (siehe Info).

 Die gute Nachricht für alle neun beteiligten freien Träger: Alle Verträge sind Anfang 2018 laut der Kreisverwaltung um fünf Jahre verlängert worden.

Das Kreisjugendamt kann im Vergleich zu vorher bei gleichem finanziellen Aufwand mehr Familien erreichen, sind sich die Vertreter der Verwaltung und der Träger bei einem Pressegespräch am Dienstag einig. Sie alle sind überzeugt, den richtigen Weg zu gehen. Dieser beinhaltet auch eine Auswertung der Arbeit. Die aktuellsten Zahlen sind von 2016. Seit 2014 hat der Kreis mit seinem wohnortnahen Jugendhilfekonzept jeweils mehr als 600 Kinder erreicht und mehr als 300 Fälle bearbeitet. Lag die durchschnittliche Bearbeitungszeit solcher Fälle beim Jugendamt 2011 – vor dem ersten Pilotprojekt in Konz – noch bei 13,5 Monaten, waren es mit der sozialraumorientierten Jugendhilfe im Jahr 2016 laut Kreisjugendamt 8,6 Monate. Das Fazit: „Sicherlich erreichen wir viel schneller viel mehr Familien.“ Das liegt auch am Ausbau der Zusammenarbeit untereinander. Kreis-Sozialderzernent Joachim Christmann meint: „Wir haben eine gemeinsame Sprache gefunden.“ Jugendamtsleiter Andreas Beiling hält die gemeinsamen Gespräche zur Auswertung der Arbeit für sehr wichtig.  Barbara Krimm, pädagogische Leiterin des Sozialraumzentrums Schweich, streicht die gemeinsame Betrachtung von Einzelfällen heraus. Dadurch sei es möglich, die eingesetzten Hilfen von der unverbindlichen Beratung bis zum Heimaufenthalt genau anzupassen. Dazu haben die Träger gemeinsam mit der Verwaltung einen Leitfaden erstellt.

Der Trier-Saarburger Landrat Günther Schartz (CDU) sagt: „Uns ging es darum, kurze Wege zu haben.“ Die Jugendhilfe sei nun transparenter und effektiver, ohne dass die Effektivität auf den Rücken der Betroffenen ausgetragen werde. „Es geht nicht um Euro und Cent“, betont Schartz. Der Bezug auf die Sozialräume lasse sich auch auf andere Bereiche übertragen – zum Beispiel die Flüchtlingshilfe.

Federführend bei der Unterstützung für Asylbewerber ist der Caritasverband für die Region Trier, der in Konz auch mit der Jugendhilfe betraut wurde. Caritasdirektor Bernd Kettern sagt: „Wir sind nun gut gerüstet für alles, was kommt.“ Er sei dem Kreis dankbar, dass das Konzept nicht als Sparprogramm genutzt werde. Mit den anderen Trägern ist er sich einig, dass das Wohl der Kinder Priorität haben muss.