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Kreis zweifelt an Realschule in Zerf

Kreis zweifelt an Realschule in Zerf

Sind zwei Standorte in Kell und in Zerf für eine Realschule plus zu viel? Diese Frage wird politisch immer lauter diskutiert. Der Trier-Saarburger Landrat und die Kreistags-CDU bezweifeln, dass die bisherige Struktur dauerhaft sinnvoll ist. Sie favorisieren die Konzentration auf einen Standort, was vor allem den Verbleib der Realschule in Zerf unsicher macht. Wegen dieser Überlegungen hagelt es prompt heftige Kritik.

Kell/Zerf. Um die Zukunft der Realschule plus Kell/Zerf, die sich seit 2010 in der Trägerschaft des Kreises Trier-Saarburg befindet, ist erneut eine politische Debatte entbrannt. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass das Land Ende 2013 eine unbefristete Ausnahmegenehmigung erteilte, so dass in der Schule zweizügig (zwei Klassen pro Jahrgangsstufe) unterrichtet werden kann. "Alle Gerüchte um eine mögliche Schulschließung sind damit vom Tisch", sagte damals Rektor Bernd Staudt dem TV.Nun drängt aber eine andere Frage in den Vordergrund: Bleibt es in Zukunft auch bei den zwei Standorten für eine Schule? Im Fachjargon wird dies als dislozierte Schule bezeichnet.Der Auslöser für die aktuelle Debatte: In der jüngsten Sitzung des VG-Rats sollte auf Antrag der CDU-Fraktion über die Schulentwicklung in der VG Kell gesprochen werden. Bemerkenswert dabei: Die CDU las die schriftliche Begründung ihres Antrags nicht vor. Sascha Kohlmann betonte stattdessen, dass verhindert werden müsse, dass der Kreis mit der Schulform Realschule "aus unserer VG herausgeht. Es gibt nämlich auch den Gedanken, sie in Hermeskeil unterzubringen". Im Antragstext verwies die VG-CDU indes auf ein Anliegen ihrer Parteifreunde im Kreis. In der CDU-Kreistagsfraktion gebe es Überlegungen, den Standort der Realschule zentral nach Kell zu verlegen. Diese Veränderungen könnten Auswirkungen auf die künftige Grundschulkonzeption in der VG Kell haben, da dadurch in Zerf Räume frei würden.Nachfrage bei der Kreis-CDU: Fraktionschef Bernd Henter bestätigt dem TV, dass es in der Kreis-CDU "Diskussionen, aber noch keinen endgültigen Beschluss gibt, wie wir eine langfristige Struktur hinbekommen". Laut Henter gebe es in der Fraktion aber "die Tendenz, sich auf einen Standort zu konzentrieren, weil die Dislozierung vielleicht nicht der Weisheit letzter Schluss ist". So sieht es der Landrat: Nach der Debatte im Keller VG-Rat hat der TV bei Kreisverwaltung und Landrat Günther Schartz (CDU) nachgefragt. Die Antwort der Pressestelle: Auch die Behörde und ihr Chef seien der Auffassung, "dass eine Dislozierung der Schule auf die beiden Standorte Kell und Zerf auf Dauer wohl eher nicht mehr sinnvoll ist". Es gehe darum, dauerhaft einen optimalen Realschulstandort für den Hochwald mit den VG Kell und Hermeskeil zu haben. Wegen der geografischen Lage und auch aus verkehrstechnischen Gründen würde sich bei der Wahl eines einzelnen Standorts eher Kell anbieten. Der Kreis weist in diesbezühlich darauf hin, dass unter anderem wegen der großen Entfernung nach Zerf aktuell rund 115 Kinder aus Hermeskeil und Umgebung in die Realschule Thalfang - also außerhalb des Kreises - "abgewandert" sind. Einen konkreten Fahrplan, wann über die künftige Schulentwicklung entschieden wird, gibt es nach Aussage der Kreisverwaltung nicht. Die Haltung des Schulleiters: Die Diskussion über die Zukunft des Standorts Zerf ist "auch uns zu Ohren gedrungen", sagt Staudt. Gegenwärtig werde er sich zum Thema aber nicht äußern, weil er erst noch die bis Ende der Woche terminierten Gespräche mit VG-Chef Martin Alten (CDU), Schartz und eine anschließende Gesamtkonferenz der Lehrer abwarten will.Der Ärger der Keller VG-SPD: Fraktionssprecher Manfred Rauber und Walter Rausch äußerten in der VG-Ratssitzung scharfe Kritik an den Gedankenspielen zur Zukunft der Realschule Kell/Zerf. Die Genossen betonten, dass die SPD in der VG weiter "konsequent bleibt und nochmals nachhaltig die Sicherung beider Standorte fordert". Aus Sicht der SPD liegt das Problem der Schullandschaft im Hochwald "an der schwindenden Akzeptanz des Schulstandorts Hermeskeil", was die Keller SPD auf die dortige Einführung der Integrierten Gesamtschule (IGS) zurückführt. Raubers Fazit: "Die Probleme in Hermeskeil dürfen nicht auf dem Rücken der Schulen in der VG Kell ausgetragen werden." Meinung

Zunehmend schlechtere AussichtenDiskussionen um Schulen sind schon per se ein extrem sensibles Thema. In der VG Kell kommt aus historischen Gründen noch ein heikler Punkt hinzu. Als Anfang der 1970er-Jahre die sehr unterschiedlichen Räume mit den Zentren Zerf und Kell zu einer VG wurden, gab es politisch Riesendiskussionen um den Standort der damaligen Hauptschule. Als man sich dann aber auf zwei Standorte verständigte, war das ein wichtiger Schritt auf dem schwierigen Weg des Zusammenwachsens beider Räume. Insofern müssten vor allen die Zerfer nun eine sehr bittere Pille schlucken, wenn in ihrem Ort die Realschule geschlossen und alles nach Kell verlagert wird. Allerdings muss man auch nüchtern konstatieren, dass sich das Rad der Zeit weitergedreht hat und der Kreis angesichts sinkender Schülerzahlen langfristige Lösungen für die Schullandschaft im Hochwald suchen muss. Dass dann nach Lage der Dinge das zentral gelegene Kell eher als Standort in Frage kommt als Zerf an der westlichen Peripherie - nach dort sind es zum Beispiel von Neuhütten aus 35 Kilometer - liegt auf der Hand. Die jüngsten Äußerungen machen jedenfalls deutlich: So wie sich das Meinungsbild auf Kreisebene darstellt, werden die Aussichten für den Realschulstandort Zerf zunehmend schlechter. a.munsteiner@volksfreund.deExtra

 Blick ins Klassenzimmer: Lehrerin Sabine Fisch unterrichtet Anfang 2014 damalige Neuntklässler im Fach Religion. TV-Foto: Archiv/Axel Munsteiner
Blick ins Klassenzimmer: Lehrerin Sabine Fisch unterrichtet Anfang 2014 damalige Neuntklässler im Fach Religion. TV-Foto: Archiv/Axel Munsteiner

Aus den früheren zwei Hauptschulen in Kell und Zerf wurde 1999 zunächst eine Regionale Schule. Seit 2009 trägt sie den Titel "Realschule plus". 2010 wechselte die Trägerschaft von der Verbandsgemeinde (VG) Kell zum Kreis. Die Klassen fünf und sechs - also die Orientierungsstufe - gehen nach Kell. Die älteren Jahrgänge werden in Zerf unterrichtet. Das dortige Schulzentrum besuchen auch Grundschüler. Die aktuelle Gesamtschülerzahl an der Realschule Kell/Zerf liegt derzeit bei 272. Im vorangegangenen Schuljahr 2013/14 waren es 289. Bei den Fünftklässlern gab es aber eine positive Entwicklung. Ihre aktuelle Zahl beträgt 46. Im Schuljahr 2013/2014 waren es nur 31. Der Keller VG-Rat hatte sich im Mai 2013 einstimmig und demonstrativ für den Erhalt der Schule ausgesprochen und den Kreis zu Investitionen in beide Gebäude aufgefordert. ax