"Krieg bedeutet immer nur Leid"

Etwa 120 Zehntklässler der Integrierten Gesamtschule (IGS) Hermeskeil haben die beeindruckenden Ergebnisse eines fächerübergreifenden Projektes vorgestellt, das sie lange Zeit beschäftigt hat. 100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkrieges widmeten sich die Schüler eingehend und aus unterschiedlichen Perspektiven dem Thema.

Hermeskeil. Mitten im Flur steht ein Sarg, genauer gesagt: eine grob zusammen gezimmerte Holzkiste, vor der Kerzen flackern. Im Klassenraum nebenan erwartet eine Installation mit Holzkreuzen inmitten zerbrochener Werte wie Familie oder Ehrgeiz und Schiefertafeln mit Zitaten. Sie stammen aus dem Buch "Im Westen nichts Neues" (1929, Erich Maria Remarque). Zehntklässler der IGS Hermeskeil setzten sich damit im Rahmen eines Projektes zum Thema "Erster Weltkrieg" auseinander. "Ich bin 20 Jahre alt, aber ich kenne vom Leben nichts anderes als die Verzweiflung, den Tod und die Angst", zitiert eine Tafel den Kriegsfreiwilligen Paul Bäumer. Drum herum flattern gleich Blättern im Wind die Eindrücke der Schüler, die sich damit 100 Jahre nach Beginn dieses Krieges befassten.
Eltern sind beeindruckt


Die Besucher ihrer Abschluss-Präsentation (siehe Extra) waren beeindruckt. Ihre Tochter habe nur wenig von der Projektarbeit erzählt, sagte Bianca Weber-Just. Umso deutlicher reagierte ihr achtjähriger Sohn, der angesichts des Sarges sagte: "Das war ja nur eine Kiste". Irene Schmitz fand es beachtlich, dass sich 15-Jährige, darunter ihr Sohn, mit einem derart schweren Thema befassten: "Das ist schon mutig."
Laut den Schülerinnen Saskia und Jessica war das Projekt "nicht so leicht". Doch andererseits sei es interessant gewesen, sich in verschiedenen Fächern mit dem Thema zu beschäftigen und auch tiefer einzusteigen. Als Beispiel nannte Saskia das Gegenüberstellen von "Propaganda und Realität". Nicht nur zu sehen, sondern auch zu hören, war das im Musiksaal. Dort knatterten aus den Lautsprechern schier endlos Maschinengewehre oder es dröhnten Jagdflugzeuge. Mittendrin sahen sich Besucher mal Soldaten in Schützengräben, mal Kinderbuchtiteln wie "Max und Moritz im Krieg" gegenüber. "Das muss man erst mal nachwirken lassen", sagten Anita und Horst Massmann beim Verlassen des Raumes, in dem auch Bilder von Toten oder Schwerstverletzten zu sehen waren.
Die Präsentation mache deutlich, dass Krieg keine Lösung sei: "Er bedeutet immer nur Leid." Für die Eltern einer beteiligten Schülerin steht fest, dass das Projekt die Jugendlichen, die das aktuelle Weltgeschehen entsprechend kritisch verfolgten, geprägt hat.
Robert Schwab, ein Kollege der begleitenden IGS-Lehrer, lobte die Präsentation. Sie zeige den Kontrast erschreckender Gräuel und der Idealisierung des Krieges: "Das ist beeindruckend gemacht."
Das von Jonathan (16) vorgestellte Kunst-Projekt, mit Hass und Ängste spiegelnden Pappmaché-Masken nach Gemälden von Emil Nolde, wirkte da fast entspannend.
Ebenso wie die Erläuterungen von Jonas, Jule und Lea zur Wespentaille-Mode. Die Frauen, die damals "nicht immer gut behandelt" worden seien, hätten nicht nur Mühe gehabt, sich zu bücken: "Auch Gehen und Essen fielen sehr schwer." Heute seien Frauen gleichberechtigter und könnten anziehen, was sie wollten.
Ebenso einvernehmlich kritisierten die drei Schüler Kriegsgelüste. Differenzen müssten diplomatisch gelöst werden und Fehler wie damals dürften nicht erneut gemacht werden. Ganz entscheidend für den Beginn des Ersten Weltkriegs sei gewesen, "dass die nicht miteinander redeten, sondern gleich aufeinander losgingen".
Extra

Etwa 120 IGS-Schüler näherten sich seit dem neunten Schuljahr aus unterschiedlichen Richtungen der Thematik Erster Weltkrieg . Das Geschehen der Jahre 1914 bis 1918 wird von einigen Historikern als "Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts" bezeichnet. Der Erste Weltkrieg mit seinen verheerenden Giftgaseinsätzen war nicht nur Thema im Geschichts- und Deutsch-Unterricht, sondern auch in naturwissenschaftlichen Fächern. IGS-Rektorin Christa Breidert erläuterte zur Eröffnung der Präsentation, dass sich die Schüler ebenso mit dem "positiv nach vorne drängenden Lebensgefühl" der damaligen Zeit befassten wie mit der prägenden "sehr hohen Wertschätzung des Militärs". Darüber hinaus hätten sie sich beschäftigt mit der EU, dem "Erfolgsmodell par excellence", und dem aktuellen Weltgeschehen. Dass es auch heute wieder ganz heftig brenne, habe beispielsweise auch deutlich gemacht, dass Zuschauen keine Probleme löse. Bereichert hätten das Projekt Kooperationen "von Schule im Umfeld" wie mit dem Dekanat Hermeskeil-Waldrach und dem Mehrgenerationenhaus Johanneshaus (der TV berichtete). urs