Kriege, Krankheiten und Kriminalfälle: Wegekreuze erzählen Geschichte(n)

Kriege, Krankheiten und Kriminalfälle: Wegekreuze erzählen Geschichte(n)

Mal stehen sie im Wald, mal auf offener Flur und mal mitten im Ort: die Wegkreuze. Oft sind mit ihnen Legenden verbunden, aber manchmal erzählen sie auch wahre Geschichten. Der TV hat sich in den Verbandsgemeinden Saarburg und Konz auf den Weg gemacht, um die Denkmäler zu erforschen.

Saarburg/Konz. Das Steffeskreuz steht an einer Wegkreuzung auf dem Firstweg - ein Waldpfad, der sich entlang eines Bergrückens schlängelt, der östlich von Fisch verläuft. Archäologische Funde die vermuten lassen, dass hier schon vor 2000 Jahren die Römer entlang gewandert sind, um etwa von Tawern nach Kastel zu pilgern. Laut der Datenbank der Kulturgüter in der Region Trier lässt die Form den Schluss zu, dass dieses Denkmal zu den ältesten Wegkreuzen der Region zählt und wahrscheinleich um das Jahr 1500 nach Christi Geburt an dieser Stelle aufgestellt wurde. Seinen Namen hat das Kreuz der Legende nach von einem Förster, der vom Rehlingerhof kam und Stephan hieß. Er liebte eine Frau, die seine Liebe allerdings nicht erwiderte. Aus Enttäuschung soll er das Mädchen erschossen haben. Nach der Tat soll er mit seinen zwei Dackeln immer wieder in der Region herumgeirrt sein. Bis in die 1960er Jahre wallfahrteten die Mannebacher zu diesem Kreuz, das auch als Hexenkreuz bezeichnet wurde.
Etwa gleich alt ist ein Bildstock, der in der Nähe des Tawerner Friedhofes steht.
Was sich beim sogenannten Alten Brautkreuz im Kahrener Wald bei Saarburg ereignet hat, ist nicht ganz klar. Zum einen wird berichtet, dass sich ein junges Brautpaar hier im Forst verirrt haben soll und gestorben ist. Andere Quellen sprechen davon, dass hier um 1746 der Bilzinger Bürger Johannes Lei ermordet wurde, weshalb das Kreuz im Volksmund auch Mordkreuz genannt wird.
Das Büchelkreuz am Ortsrand von Kelsen erinnert an den Tod von Matthias Büchel. Ernst Steffny liefert dazu in der Ortschronik von Merzkirchen die inzwischen fast vollständig verwitterte Inschrift auf dem Kreuz nach: "An unseren einzigen innigst geliebten Sohn und Bruder, Matthias Büchel, Musketier bei der 7. Komp(anie), III. Reg(imen)t, er starb am 19. Juni 1915 in treuer Pflichterfüllung durch feindliches Granatfeuer bei Nennig/Besch den Heldentod fürs Vaterland im blühenden Alter von 22 J(ahren)." Gemeint ist wahrscheinlich das Infanterieregiment von Horn aus dem Truppenstandort Trier.
Auch der Sieg über Napoleon vor mehr als 200 jahren hat man auf Wegkreuzen dokumentiert, etwa in Wincheringen in der Wegekapelle Leuckskreuz, das Johann Leuck gestiftet hat, als er 1814 aus den Koalitionskriegen zurückgekehrt war. In Obersöst erinnert ein Bildstock daran, dass der Ort im Dreißigjährigen Krieg komplett zerstört wurde. Gestiftet wurde er 1631 wahrscheinlich von Paulus Hoffmann.
Dass in den 1630er Jahren in der Region die Pest grassierte, wird anhand des sogenannten Pestkreuzes in Temmels deutlich. Zwar wurde der ursprüngliche Bildstock um 1820 durch den heutigen ersetzt, aber eine mit 1632 datierte Inschrift erinnert an die Pest. Eine Krankheitswelle dokumentiert auch das Steinkreuz in Oberbillig. Es erinnert an die Pockenepidemie in den 1850er Jahren. Auffällig ist hier, dass das Kreuz auf einem Totenkopf steht.Extra

Wegkreuze dienen oft als Wegmarkierungen für Wanderer und Pilger oder kennzeichnen gefährliche Stellen. Flurkreuze findet man besonders häufig in katholisch geprägten Landstrichen. Die meisten entstanden schon in den vergangenen Jahrhunderten und wurden von der damaligen Bevölkerung als Zeichen ihres Glaubens errichtet. Einige von ihnen sind an Orten aufgestellt, an denen zuvor entweder ein Unfall oder ein Verbrechen geschah. itz