Küchenperle der Region

BESCHEID. Das Essen muss so gut sein, dass den Gästen das Wasser im Munde zusammenläuft. Nach dieser Devise kocht Hans Georg Lorscheider. Seine Gerichte erfreuen Augen und Magen.

"Linseneintopf", antwortet Küchenmeister Hans Georg Lorscheider spontan auf die Frage nach seinem Lieblingsessen. Schon den kleinen Jungen, in Bullay an der Mosel geborenen und in Beuren aufgewachsenen, zog es in die Küche. Dann, wenn seine Mutter, eine Herren- und Damenschneiderin, die Familie nach Hausfrauenart verwöhnte. Sein Kindheitstraum: "Koch werden." Erst wandelte der Sohn eines Malers beruflich auf eingetreten Pfaden. Er ließ sich im elterlichen Betrieb ausbilden. Die Liebe zum Kochen jedoch verblasste nicht. Der knallharte Beweis: Als einziger Junge unter zahlreichen Hausfrauen besuchte der Teenager damals "Kalte Platten"-Kurse an der Volkshochschule. "Das war in den 60er Jahren in." Das freie Gestalten und das Dekorieren von Lebensmitteln hat ihn immer schon fasziniert. Malerpinsel mit Rührlöffel getauscht

Vor 25 Jahren tauschte der zweifache Vater den Pinsel gegen den Rührlöffel: Er schulte zum Koch um. Heute hat sich der Küchenmeister mit der "Malerklause" in Bescheid, einem alteingesessenen Gasthaus, das seine Eltern 1966 erwarben, überregional einen Namen gemacht. Etliche Auszeichnungen zieren die schmucken Räumlichkeiten der exquisiten Schlemmeradresse. Im "Who's Who of Chefs", einem Gourmetführer rund um den Globus, stehen sein Name und eines seiner köstlichen Gerichte: Terrine von der Gänse-Stopfleber mit Pumpernickelmantel mit Riesling-Eisweingelee an Salatgarnitur. Woher kommt der Erfolg? "Ich gehe nicht zur Arbeit, wenn ich in die Küche gehe. Ich bin da und es ist nicht zeitgebunden." Kochen ist für den Küchenchef "einfach Lust". Sein Erfolgsrezept: "Der Gast spürt, ob ich den Eintopf mit der Schöpfkelle draufgeknallt habe oder aber, ob er mit Schaum angerichtet ist, der einen anlacht." Kein Teller verlässt die Küche, ohne dass Hans Georg Lorscheider das Gefühl hat, "der gefällt mir". Die Ansprüche an das Essen haben sich im vergangenen Vierteljahrhundert verändert, und der 55-Jährige stellt sich auf die Wünsche seiner Gäste ein. Die Zeit der großen Braten und Soßenansätze wurde in den 80er-Jahren durch Kochen mit weniger Fett und Soßen ohne Mehl abgelöst. Heute ist eher die leichte Küche gefragt. "Klassische und regionale Küche mit mediterranen Akzenten", so beschreibt der Küchenmeister das Genre der "Malerklause". Die Produkte werden frisch zubereitet und mancher Vitaminspender kommt direkt aus dem eigenen Früchtegarten. Doch was wäre das beste Essen ohne die entsprechenden Weine? Bei idealen Temperaturen lagern die Weiß- und Rotweine in zwei Schieferfelsenkellern. In seiner raren Freizeit lassen der einstige Dirigent eines Musikkorps und Frau Beate sich gerne von Kollegen bekochen. Dann denkt er nicht darüber nach, ob er noch ein bisschen mehr Curry zugegeben hätte. Denn in solchen Momenten ist die Arbeit weit weg, und Hans Georg Lorscheider lässt es sich schmecken.