Kühle Spitzentropfen in großer Hitze: Saar-Riesling-Sommer 2016 lockt rund 3000 Weinfreunde aus ganz Europa

Kühle Spitzentropfen in großer Hitze: Saar-Riesling-Sommer 2016 lockt rund 3000 Weinfreunde aus ganz Europa

Zu einem Verkostungswochenende hatten acht große Saarweingüter im Rahmen des Saar-Riesling-Sommers 2016 geladen, und rund 3000 Weinfreunde kamen. Auch tropische Temperaturen schreckten die oft sehr weit angereisten Gäste nicht. Einige Weingüter sprachen von einem Rekordbesuch.

Konz/Saarburg. Dichtes Gedränge um die Ausschanktische herrscht im Kanzemer Weingut Von Othegraven schon kurz nach der Eröffnung des Saar-Riesling-Sommers 2016. Das Thermometer überklettert gegen 12.30 Uhr die 33-Grad-Marke - die Gäste nehmen es gelassen. Motto: 25 Grad wären zwar ideal, aber immer noch besser als Dauerregen. Genießt dieses Von Othegraven mit seiner gepflegten Parkanlage einen "Promi-Bonus", weil hier Hausherr Günther Jauch selbst ausschenkt? Eher nicht.

Den Chef hier kennen sie alle, doch das Interesse gilt den Weinen. Die kostenlosen Shuttlebusse pendeln zwischen den acht Gutshöfen fast im Minutentakt. Die Besucher sind begeistert. "Das ist toll organisiert", heißt es immer wieder. Wein als Hobby oder als Beruf? Die Interessen der Besucher mögen unterschiedlich sein, aber das Thema fasziniert alle. Extra aus dem bayerischen Landshut angereist sind Markus (37) und Sophie (31) Tischler. Wein ist ihr Hobby - er selbst bietet in der eher von Bier geprägten Heimat auch Weinseminare an. Altersmäßig liegt das Paar am unteren Ende der Besucherskala - das Gros hat die 50 schon überschritten. Etwa Albert (65) und Christa (65) Blandfort aus dem Raum Ravensburg, die zum ersten Mal hier sind.

Max von Kunow vom Oberemmeler Weingut Von Hövel freut sich über ein volles Haus und spricht von einem "Rekordbesuch". Von Kunow: "Die hohen Temperaturen stören kaum. Und wir haben hier ein internationales Publikum, sogar aus den USA." Überall stark vertreten sind die Besucher aus Süddeutschland und aus dem Norden. "Ich bin Weinblogger und über das Internet auf diese tolle Veranstaltung gekommen", sagt Edgar Wilkening (48) aus Hamburg. Beruflich unterwegs ist Weinhändler Thorsten Kiss aus Köln. Kiss ist dem neuen Trend auf der Spur: Weg von den ultratrockenen Weinen und hin zu Kabinettweinen mit mehr Restsüße. Kiss: "Wegen denen bin ich hier. Ich nenne sie ,Möselchen' oder ,Saarchen', wie es hier heißen muss."

Bei einem Gespräch des TV im Serriger Weingut Dr. Siemens geht es nicht nur um Weinqualitäten - denn hier gibt es einen Besitzerwechsel. Dr. Jochen Siemens (65) hat seinen Betrieb an die Nachfolger übergeben. "Aus persönlichen Gründen", sagt Siemens, der weiter als Berater bereit steht. Neue Inhaber sind Ludger Neuwinger-Heimes (58) und Dorothee (58) Heimes. "Das ist ein Projekt. Unser Sohn Felix (22) studiert Weinbau und soll das Gut einmal führen", sagt die neue Inhaberin. Felix selbst kann heute nicht dabei sein, er weilt auf einem Auslandsemester in Neuseeland. Hochbetrieb herrscht am Nachmittag im Weingut Dr. Wagner in Saarburg. Hier trifft der TV mit Monika (55) und Walter (56) Kind aus Saarburg auf die am "kürzest angereisten" Besucher. Kind: "Etwas weiter oben steht mein Elternhaus."Extra

Foto: (h_ko )
Hier schenkt der Chef persönlich aus: Günther Jauch in seinem Weingut Von Othegraven in Kanzem. Foto: (h_ko )

Eine erfreuliche Bilanz präsentiert Projektleiter und Organisator Fabian Theiß: Rund 3000 Besucher - mehr als im Vorjahr. Besonders stark frequentiert wurden die Weingüter Von Othe graven (Kanzem), Von Hövel (Oberemmel) und Dr. Wagner (Saarburg). Viele Gäste seien "Wiederholungstäter", die 2015 gleich für 2016 gebucht hätten. Erfreulich sei der Trend weg von den ganz trockenen hin zu fruchtigeren Weinen und Kabinett. Theiß: "Das ist besonders an der Saar erfreulich, denn diese Weine sind unsere Spezialität." Der Saar-Riesling-Sommer ist eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Moselwein e. V. in Trier. f.k.

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