Kümmerer für Zuwanderer wechselt nach Konz
Saarburg/Konz · Wer jung ist und aus dem Ausland nach Saarburg gekommen ist, ist seit 2001 kaum an ihm vorbeigekommen: Thomas Zuche. Er hat in knapp 15 Jahren Strukturen aufgebaut, von denen junge Zuwanderer bis heute profitieren. So setzte er sich auch dafür ein, dass es für diese Gruppe professionellen Deutschunterricht gibt.
Eines der Themen, die Thomas Zuche besonders am Herzen liegen, ist der Deutschunterricht für junge Zuwanderer. So lernen die Bosnierin Belma Hajdarevic (links) und ihre Klassenkameraden bei Monika Staszkiewicz die deutsche Sprache, Kultur und Grammatik. TV-Foto: Alexander Schumitz
Foto: Alexander Schumitz (itz) ("TV-Upload Schumitz"Saarburg/Konz. Als der Dayton-Vertrag im Dezember 1995 in Paris unterschrieben wurde und damit offiziell das Ende des Bosnienkrieges besiegelt wurde, war Belma Hajdarevic noch nicht geboren. Ihren Großvater und viele Mitglieder ihrer Familie hat die 18-jährige Bosnierin nie kennengelernt. Vor zwei Jahren ist die Realschülerin mit ihren Eltern nach Saarburg gekommen.
TV-Serie: Flüchtlinge In der Region
"Anfangs, als ich selbst kaum Deutsch sprach, und niemand mich verstand, war es sehr schwer für mich", sagt Hajdarevic. "Mit Thomas Zuche hatte ich einen Superman an meiner Seite, der mir eine Brücke in das Leben in Deutschland gebaut hat."
Thomas Zuche versucht die Einschätzung durch die junge Frau zu relativieren: "Viele Flüchtlinge sind junge Menschen. Mir war es immer wichtig, mich für sie einzusetzen", sagt er im Pressegespräch. "Mein Ansatz im Umgang mit den jungen Ausländern ist klar: Du bist ein Mensch, mich interessiert nicht, woher du kommst."
Doch nach knapp 15 Jahren, in denen er sich hauptsächlich mit dem Thema Integration junger Zuwanderer befasst hat, verlässt Zuche Saarburg. Künftig arbeitet er in Konz als Ehrenamtskoordinator für das Projekt "Flucht und Asyl" des Kreises Trier-Saarburg sowie des Caritasverbands.
Dabei geht es vor allem darum, in der VG Konz Strukturen dafür aufzubauen, dass die "vielen Freiwilligen, die Flüchtlingen helfen wollen", wissen, welche Aufgaben sie übernehmen können und wo sie beim Integrationsprozess hilfreich sein können. Gerade wegen zunehmender Rassismustendenzen in der Gesellschaft, sei es wichtig, die Helfer zu unterstützen und in ihrem Engagement zu ermutigen. Zuche bleibt weiter der Sprecher des Interkulturellen Netzwerks in Konz und koordiniert weiterhin die Arbeitsgemeinschaft Christlich-Islamischer Dialog.
In seiner Anfangszeit in Saarburg leitete Zuche das Büro des Jugendgemeinschaftswerkes (JGW), das sich vor allem um die Eingliederung von jungen Spätaussiedlern kümmerte. 2005 firmierte das JGW in Jugendmigrationsdienst um (JMD). Mit dem neuen Namen kamen neue Aufgaben dazu. Zuche: "Der Fokus wurde breiter. Neben den Spätaussiedlern kümmere ich mich seither auch um junge Einwanderer, vorwiegend Flüchtlinge."
Da die Sprache zentral sei, um in der neuen Heimat anzukommen, setzt Zuche sich seit langem dafür ein, dass die jungen Menschen Deutsch lernen. So unterrichtet beispielsweise Monika Staszkiewicz zweimal pro Woche in der Realschule plus Saarburg junge Ausländer.
Die studierte Germanistin aus Polen berichtet, dass es in der Vergangenheit gelegentlich Probleme mit muslimischen Männern gegeben habe, die sich von einer Frau nichts hätten sagen lassen. "Doch das Thema war schnell erledigt, als wir den Iman der Konzer Moschee um Unterstützung baten", erzählt Zuche ein wenig schmunzelnd. Auch der gemeinsame Unterricht von Serben und Bosniern in einer Gruppe funktioniere mittlerweile. "Als ich nach Deutschland kam, hatte ich keine Träume mehr. Doch inzwischen kann ich sagen, was mir auf dem Herzen liegt, und es fließen keine Tränen mehr", beschreibt Hajdarevic ihre Entwicklung seit sie vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen ist.
Der 18-Jährigen macht ihr Hobby, das Malen, wieder Spaß, und sie freut sich auf ihre Ausbildung am Kreiskrankenhaus Sankt Franziskus in Saarburg, mit der sie in wenigen Wochen beginnt.