Kürzere Feier kommt an
Hermeskeil · Stadtfest statt Stadtwoche: Bei Hermeskeils größter Veranstaltung war 2015 nicht nur der Name neu: Das Programm, zu dem zum Beispiel wieder Livemusik an allen Abenden gehörte, lockte in Kombination mit dem guten Wetter mehr Besucher als in den Vorjahren an. Laut Veranstalter waren es 40 000 an neun Tagen. Ob das Fest aber auch in Zukunft so lange dauern wird, ist noch offen.
Hermeskeil. "Das habe ich bei der Stadtwoche noch nie erlebt!", sagt Willi Auler. Am Samstagabend ging sowohl am St. Fargeau-Stand als auch am Stand des Winzers auf dem Festplatz der Wein aus.
Dort herrschte an einem weiteren lauen Sommerabend erneut Hochbetrieb, während drinnen im Zelt die Cover-Band Dire Strats spielte. Auler ist Vorsitzender des neu formierten Beirats, der die frühere Stadtwoche in Stadtfest umgetauft und dessen Programm zusammengestellt hat. Seine Bemerkung am Rand soll verdeutlichen, dass die Veranstalter des ersten Stadtfest in Hermeskeil von einem größeren Besucherzuspruch als in den Vorjahren ausgehen.
Exakte Zahlen lassen sich zwar unmöglich ermitteln, da sich das Geschehen über neun Tage auf verschiedene Schauplätze in der Stadt verteilt und generell kein Eintritt verlangt wurde. Auler schätzt aber, dass ingesamt 40 000 Menschen gekommen sind - das wären 10 000 Besucher mehr als 2014. "Wir sind sehr, sehr zufrieden. Es ist super gelaufen, und unser Konzept ist voll aufgegangen", lautet Aulers Bilanz.
Zwar haben die Organisatoren das Rad nicht komplett neu erfunden. Im Ablauf des ersten Stadtfests war vieles mit der bisherigen Stadtwoche identisch: So gehörten auch dieses Mal der Krammarkt am Mittwoch, die traditionelle Erbsensuppe am Donnerstag oder das gestrige Feuerwerk zum Finale zum Programm dazu.
Vielfaches Lob von den Besuchern gab es aber vor allem dafür, dass wieder an jedem Abend Live-Bands im Zelt auftraten. "Ich fand das Fest klasse. Das Programm macht ja die Musik. Und das war viel besser als sonst. Außerdem hat dieses Mal das Wetter mitgespielt"", sagt Besucherin Karina Fetzer aus Türkismühle.
Ein großer Publikumsmagnet war vor allem der Auftritt von Leiendecker Bloas. Die Band sorgte am Montag - früher eher ein Tag, an dem der Betrieb mau war - für ein brechend volles Festzelt. Während abends und vor allem an den Wochenenden der Festpatz oft gut gefüllt war, erwies sich das schöne Wetter tagsüber jedoch zuweilen als Handicap. So war die Hitze sicher ein Grund dafür, dass am Donnerstag beim "Tag der Helfer" mit THW, Feuerwehr und DRK der Besucherandrang eher überschaubar blieb.
Bereits im Vorfeld war klar: Das umgetaufte Fest würde 2015 sozusagen als Testballon dienen. Die Veranstalter hatten angekündigt, dass sie es von den Erfahrungen in diesem Jahr abhängig machen, ob es auch in Zukunft bei einem Fest über neun Tage bleibt oder eine Verkürzung auf drei oder vier Tage sinnvoll ist. "Wenn uns alle Abrechnungen vorliegen, werden wir uns im Beirat zusammensetzen und eine Empfehlung an den Stadtrat geben, der diese Frage im Herbst entscheidet", sagt Auler (siehe Extra). Aus den Reihen des Beirats seien aber schon jetzt Stimmen laut geworden, "die gesagt haben, dass man, wenn es so gut läuft wie dieses Jahr, alles beim Alten belassen soll".
Dies wäre ganz im Sinne der Schausteller, wie Erich Spangenberger betont. Der Mann aus Saarlouis ist Besitzer der Berg- und Talbahn und kommt schon seit Jahrzehnten nach Hermeskeil. "Ganz klar. Wir sind gegen eine Verkürzung, weil jeder Tag, der feht, schlecht für uns Schausteller ist. Wir leben schließlich davon", sagt Spangenberger.
Zumindest sein Geschäft sei ein "gutes Stück besser" als sonst gelaufen. "Wir haben endlich mal wieder ein wenig an die alten Stadtwoche-Zeiten angeknüpft", sagt Spangenberger. Ebenfalls erfreulich: Nach Auskunft der Polizei hat es keine nennenswerten Vorfälle während des Stadtfests gegeben. ax