Küsterin mit Leib und Seele

GUTWEILER. "Gut, ich mache es mal ein Jahr lang", hatte Ulla Eiden gesagt. Ein Jahr lang wollte die ehrenamtlich äußerst engagierte Frau den Küsterdienst in der Kirche übernehmen. Mittlerweile sind daraus schon sechs Jahre geworden.

"Nie hätte ich gedacht, dass mir diese Arbeit so viel Spaß bereitet", freut sie sich heute. Die Aufgabe, den äußeren Rahmen für die Feier des Gottesdienstes zu schaffen, gebe ihr ein gutes Gefühl. "Schon Jesus hatte Wert darauf gelegt, dass das Letzte Abendmahl gründlich vorbereitet war." So will Ulla Eiden ihm nacheifern. Es war ein guter Einstieg

Im Jahre 2000 hatte ihre Vorgängerin Hedwig Müller den Küsterdienst aus gesundheitlichen Gründen abgegeben. Ulla Eiden war schnell im Gespräch als neue Küsterin. Pastor Heribert Mönch hatte sie überzeugen können, die Aufgabe zu übernehmen. In der Sakristei, dem wichtigsten Nebenraum der Kirche, und im Gotteshaus hat sie seitdem viele Stunden gearbeitet. Die 57-Jährige mit der positiven Einstellung zum römisch-katholischen Glauben erinnert sich: "An Palmsonntag begann ich mit meinen neuen Aufgaben." Es war ein guter Einstieg für die gelernte Kauffrau im Einzelhandel. Denn unmittelbar danach folgten die Karwoche und das Osterfest mit allen anfallenden Gottesdiensten. So ganz ohne Vorkenntnisse war sie nicht. "Ich hatte hier und da mal gesehen, was ein Küster zu leisten hat", sagt sie. Aber so richtig bewusst, was noch alles auf sie zukommen würde, war es ihr nicht. Heute spricht sie von einem sehr vielseitigen und abwechslungsreichen Dienst in der Kirche. So ist es nicht nur mit dem Vor- und Nachbereiten des Gottesdienstes getan. Grundlegende Arbeiten wie die Reinigung der Kirche oder das Beschaffen von Kerzen und Hostien muss sie zu planen und selbstständig zu realisieren. Vor großen kirchlichen Hochfesten wie zum Beispiel Weihnachten, Ostern, Christi Himmelfahrt, Pfingsten und Fronleichnam macht sich Ulla Eiden bereits Tage vorher Gedanken, wie sie die Kirche besonders liebevoll und ansehnlich schmücken kann. "Allein die Frage nach dem richtigen Blumenschmuck ist für mich besonders entscheidend", erzählt sie. Dabei kann sie getrost auf die Hilfe von Kirchgängern vertrauen. Viele unterstützen finanziell die Beschaffung. Im Sommer kann die Küsterin den Blumenschmuck aus den Gärten des Ortes besorgen. Sie hat auch große Freude an ihrer Arbeit, weil sie dadurch Kontakte zu anderen Menschen hat. So auch mit den Messdienern, die wie sie zu den engsten Mitarbeitern des Pfarrers gehören. Der Küsterdienst verlangt von ihr den Einsatz und ihre Präsenz zu außergewöhnlichen Zeiten. Am Wochenende ist sie besonders gefragt. Der ehemalige Kaplan Peter Strauch hatte einmal zu ihr gesagt: "Die Kirche wird einmal Ihr zweites Zuhause." Wenn sie gegen 19 Uhr die Kirche abgeschlossen hat, ist ihre Arbeit als Küsterin noch nicht getan. Dann gilt es, die Talare der Messdiener zu waschen, den monatlichen "Kirchentreff" zu organisieren, mit anderen Frauen Blumenschmuck zu binden oder andere Dinge vorzubereiten. "Wichtig ist mir, trotz allem noch Zeit für meine zwei Enkel zu haben", sagt die zweifache Mutter. Immerhin ist sie ja auch noch im Kirchenchor, im Vorstand der Frauengemeinschaft und im Verwaltungsrat aktiv.