Kunden müssen sich für fünf Monate auf hartes Wasser einstellen

Kunden müssen sich für fünf Monate auf hartes Wasser einstellen

Ein wichtiger Teil des Wasserwerks in Wasserliesch wird für fünf Monate zu einer Baustelle. Die Folge: In mehreren Gemeinden ist das Wasser aus der Leitung während dieser Zeit doppelt so hart. Gesundheitsschädlich ist das nach Auskunft der Verbandsgemeindewerke Konz nicht.

Konz/Wasserliesch. Die Vorbereitungen sind in vollem Gange. Neue Rohre werden verlegt, Gerüste und Arbeitsbühnen aufgebaut, hier geschraubt und da gehämmert. Mitte August beginnt dann für die Trinkwassergewinnung in Konz eines der größten Umbauprojekte der vergangenen Jahre. Für etwa eine Million Euro bauen die Verbandsgemeindewerke (VG-Werke) einen neue Entkalker im Zentralen Hochbehälter in Wasserliesch ein.

Erneuerung kommt Mitte August


Die alte Enthärtungsanlage ist in die Jahre gekommen. Seit 1978 entzieht sie dem Brunnenwasser aus dem Albachtal Magnesium und Kalzium. Wenn die vorbereitenden Arbeiten erledigt sind, kann in etwa zwei Wochen mit der Erneuerung der Anlage begonnen werden. Das wird bis zum Ende des Jahres dauern. "In dieser Zeit wird das Wasser doppelt so hart sein wie sonst", sagt Stefan Oberbillig, der Leiter der VG-Werke. Betroffen sind die Stadt Konz einschließlich Könen, Wasserliesch, Oberbillig, Temmels, Wellen und Nittel.
Für die Kunden bedeutet das: Bis zum Ende des Jahres müssen sie ihre Haushaltsgeräte wie Wasch- und Spülmaschinen oder Wasserkocher öfter entkalken, weil das Wasser mit dem natürlichen Kalkgehalt in die Haushalte kommt. In den kommenden Monaten sollten dann etwa die Dosierungsanweisungen auf den Waschmittelpackungen besonders beachtet werden. "Wir bereiten derzeit ein paar nützliche Tipps vor, die wir den Kunden Mitte August an die Hand geben werden, wenn wir die alte Entkalkungsanlage abschalten", sagt Oberbillig. Bei den meisten Geräten wie etwa Waschmaschinen müsse dann der Härtegrad vier eingestellt werden. Mitte August veröffentlichen die VG-Werke dann die genauen Wasserwerte, die nach der Abschaltung gemessen werden. "Derzeit hat das Wasser etwa 14 Grad deutscher Härte. Ohne Entkalkung werden es etwa 28 sein", erläutert der Werksleiter. Das entspricht der Härtestufe vier (sehr hart).
Gesundheitsschädlich sei das jedoch nicht. "Ganz im Gegenteil, mehr Magnesium und Kalzium im Wasser können laut wissenschaftlichen Studien sogar positiv für die Gesundheit sein", sagt Oberbillig.
Bisher wurde das Wasser, gefördert aus mehr als 200 Metern tiefen Brunnen, in einem sogenannten Biohochreaktor entkalkt (siehe Extra). Mit diesem System konnten die Wasserwerker maximal 130 Kubikmeter wasser pro Stunde reinigen - etwa 866 Badewannenfüllungen. Mit der neuen Anlage werden es zukünftig 150 Kubikmeter pro Stunde sein. "Wir werden bald auch Wasser nach Luxemburg liefern, deswegen müssen wir unsere Kapazität erhöhen", sagt Oberbillig. Etwa 800 Kubikmeter sollen von Ende 2012 an ins Nachbarland fließen (der TV berichtete). Der neue Bioreaktor wird deswegen um eine sogenannte Nanofiltrationsstufe ergänzt. In diesem Bauteil ist ein Filter, der winzige Teilchen zurückhält. Mit der Kombination beider Verfahren wird das Wasser nur noch den Härtegrad zwölf haben.
Die Investitionskosten von etwa einer Million Euro tragen die VG-Werke, die zu 100 Prozent in kommunaler Hand sind. Für die Kunden soll das aber ohne Folgen bleiben. Oberbillig versichert: "Die Wasserpreise werden wegen der Investition nicht steigen."Unter Entkarbonisierung verstehen Wasserwerker die Entkalkung von Trinkwasser. Das geschieht in einem sogenannten Biohochreaktor. Der Reaktor ist ein etwa zwölf Meter hoher Tank. Dem Rohwasser werden Kalkmilch und Quarzsand beigemengt. In dem Reaktor vermischen sich Kalzium und Kalkmilch. Beides lagert sich an den Quarzsandkörnchen ab, die auf den Boden sinken und abgepumpt werden. Das Material benutzen Bauern dann als Dünger. Etwa ein Bauschuttcontainer voll kommt pro Monat zusammen. Das aufbereitete Wasser sammelt sich in einem acht Meter tiefen Becken, das 2800 Kubikmeter fasst - damit lassen sich etwa 18 666 Badewannen füllen. thie

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