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Kundenzahl steigt, Angebot schrumpft

Kundenzahl steigt, Angebot schrumpft

Die ergänzende Versorgung Bedürftiger mit Lebensmitteln durch die Hermeskeiler Martinustafel könnte gefährdet sein, wenn die Schere zwischen gespendeter Ware und der Zahl der Kunden weiter auseinanderklafft. Potenzielle Spender werden jetzt daran erinnert, wie notwendig die Einrichtung für die Armen der Region ist.

Hermeskeil. "Die Martinustafel ist für mich sehr wichtig. Ich bin arbeitslos, und das Geld ist knapp", sagt Holger Kirchen. Der 46-jährige gelernte Bäcker aus Züsch kommt regelmäßig, um für einen Euro Essen einkaufen zu können.
Am 1. Oktober wird die Hermeskeiler Martinustafel drei Jahre alt - und ist für Bedürftige eine wichtige Anlaufstelle. Doch genau das ist seit geraumer Zeit ein großes Problem. "Am ersten Tag kamen 74 Menschen, heute sind es 450, und die Menge der gespendeten Lebensmittel hat deutlich nachgelassen", beklagt der Vorsitzende des Trägervereins, Klaus Elfert, Diakon in der Pfarreiengemeinschaft Schillingen. Er appelliert an Supermärkte und auch private Spender, wieder mehr Lebensmittel zur Verfügung zu stellen.
Die Einrichtung ist inzwischen in Räume eines ehemaligen Supermarktes im Hirtenweg zu finden. Jeden Donnerstag ist von 12.30 bis 15 Uhr geöffnet.
Die Kunden sind Menschen, die zum Teil harte Schicksale zu verkraften haben. Eine Rentnerin, die anonym bleiben will, sagt: "Ich habe mein Leben lang gearbeitet. Aber meine Rente reicht nicht, weil ich früh meinen Mann verloren habe. Ich bin auf die Tafel angewiesen." Die Bedürftigkeit wird von der Arbeitsagentur und dem Sozialamt festgestellt. Die Tafelkunden bekommen eine Bescheinigung, die zum Einkauf berechtigt.
Ein Euro pro Person für Waren


"Hier gibt es keine abgelaufenen Lebensmittel", betont Klaus Elfert und zeigt auf frischen Salat, Möhren und Kartoffeln. Es gibt aber auch hin und wieder Non-Food-Artikel wie Shampoo, Waschpulver oder Haushaltswaren im Sortiment.
Für einen Euro pro Person wird die Ware an die Kunden verteilt, Familien zahlen fünf Euro. "Sonderwünsche können wir leider nicht erfüllen, sondern nur das ausgeben, was gespendet wurde", erklärt Mechthild Wiescher. Die 63-Jährige engagiert sich nicht nur als eine von rund 30 Helfern, sondern auch im Vorstand des Trägervereins. Sie mache so gut wie immer die Erfahrung, dass die Menschen freundlich und dankbar sind, dass es die Tafel gibt. Nicht einmal Schlangestehen müssen die Kunden, denn sie ziehen für den nächsten Einkauf kleine Kärtchen, auf denen die Zeit steht, zu der sie kommen sollen. So kann der Ansturm besser verteilt werden kann. "Sonst kämen wir hier gar nicht mehr klar", sagt Wiescher.
Rund 7000 Euro Kosten entstehen jedes Jahr für den Transporter, die Raummiete und Energie. Eine ganze Galerie von Kühltruhen hält Lebensmittel länger frisch, was beim Strom besonders ins Geld geht. Das kommt aus den Beiträgen der rund 80 Mitglieder des Trägervereins sowie von Spenden und Aktionen.
Die schönsten Momente sind für Klaus Elfert, wenn ehemalige Kunden wieder Arbeit und damit ein Auskommen gefunden haben: "Oft kommen die zurück, um selbst Lebensmittel zu spenden."
Extra

Genuss mit sozialem Engagement verbinden - das ermöglicht am 25. Oktober um 19 Uhr im Johanneshaus Hermeskeil das Festessen "Tafeln für die Tafel" zum dreijährigen Bestehen der Einrichtung. Für 30 Euro gibt es ein Vier-Gänge-Menü. Es kochen Klaus Diewald vom Saarburger Hof, Raimund Müller vom Haus St. Michael in Kell, Peter Siegmund vom Köcheverein Mittelmosel und Bernd Schneider vom Hotel Weis in Mertesdorf. Karten gibt es im Pfarrbüro der katholischen Kirchengemeinde Hermeskeil sowie in den Volksbank-Geschäftsstellen Hermeskeil und Reinsfeld. Anfragen auch unter Telefon 06503/952227 oder per E-Mail familieelfert@yahoo.de dothExtra

898 Tafeln gibt es in Deutschland. Sie versorgen regelmäßig 1,5 Millionen bedürftige Menschen mit Lebensmitteln. 53 Prozent sind Erwachsene im erwerbsfähigen Alter, 30 Prozent Kinder, 17 Prozent Rentner. Rund 50 000 ehrenamtlich Tätige helfen beim Sammeln und Ausgeben der Ware. Mit mehr als 5000 Fahrzeugen werden die Lebensmittel bei Supermärkten und anderen Spendern abgeholt. doth Mehr Infos im Internet unter www.tafel.de