Kunst im Kalksteinbruch

OBERBILLIG. Seit 24 Jahren bietet Hildegard Reeh in ihrer Galerie für moderne Kunst, der "Contemporanea" (Zeitgenössisches), in Oberbillig Künstlern eine Plattform, sich in Szene zu setzen. Ihre Ausstellungsfläche im Lerchenweg 26 wird nun durch ein architektonisch ungewöhnliches Areal samt Neubau auf dem Gelände eines Kalksteinbruchs beträchtlich erweitert: das "Contemporaneum".

Zeitgenössischer Kunst einen Raum geben und Künstlern zu "einer gewissen Publicity" verhelfen, andererseits Leuten die Gelegenheit bieten, Kunst in einem naturnahen Ambiente zu begegnen: Das sind die Motive, die Hildegard Reeh seit mehr als 20 Jahren bewegen, zweimal jährlich Ausstellungen mit namhaften Künstlern zu veranstalten. Bisher diente ihr Haus, das mit großen Glasflächen viel Transparenz zu dem weitläufigen Garten herstellt, im Innen- und Außenbereich als Ausstellungsfläche. Die bisherige Form der Galerie wird nun mit der Frühjahrsausstellung am 7. Mai beträchtlich erweitert. Dabei werden Werke von HD Schrader zu sehen sein - in einem Ambiente, das in der regionalen Kunstszene einmalig ist. "Wir hatten das Glück, das Gelände erwerben zu können", sagt Hildegard Reeh. Mit dem "Gelände" meint sie einen Steilhang von einem Hektar Größe, der in der "wilden Wüste" eines ehemaligen Kalksteinbruchs liegt. Dort hat die Familie Reeh unter Betreuung des Architekten Achim Thon auf einem Plateau gleich oberhalb ihres Eigenheims einen Ausstellungspavillon für Malerei und Bildhauerkunst errichtet: Ein einziger Raum mit einer rundum verglasten Fassade und großzügigen Terrassen, die als Teil der Ausstellungsfläche dienen sollen - ein Wechselspiel von Glas- und Wandflächen. Die Beschränkung auf wenige Baumaterialien soll den Blick auf die Kunstobjekte schärfen. Dass der minimalistische Pavillon aus Sichtbeton besteht, ist wohl überlegt. Durch den Kontrast kämen Kunst und Natur besser zur Geltung, glaubt Reeh. Kunst auf der Kulturbrache

Gegenüber der Ortsgemeinde habe sich die Familie Reeh zur Pflege und Freihaltung der gemeindlichen Ausgleichsfläche verpflichtet, sagt Ortsbürgermeister Andreas Beiling und spricht von einer "Bereicherung für den Ort". Der Pavillon diene ausschließlich zur Darstellung von Kunst. Eine Einfriedung sei nicht vorgesehen, so dass das Areal über den nahe liegenden Bolzplatz erreichbar sei. In der Kulturbrache mit verschlungenen Gehwegen, Totholzbäumen und Orchideen ist der Betrachter nun eingeladen, sich auf Kunst einzulassen. So wie am Sonntag, wenn Reeh zur Ausstellungs-Vernissage des Künstlers HD Schrader einlädt. Cubecracks und Cubecuts nennen sich die Plastiken, die aufgrund ausgefeilter Konstruktionen ästhetische Akzente in der Landschaft setzen: allesamt signalrot, mal spitz, mal flächig, immer vielkantig. Und auch witzig, wie die originellen Vogelhäuschen, die sich erst auf den zweiten Blick als solche offenbaren. Verschlungene Plastiken sind um einen Baum geordnet, ebenso wie Bilder von Schrader, die Linien, Flächen und Farben als Motive aufgreifen. Die Vernissage im Contemporaneum beginnt am 7. Mai um 11 Uhr. Die Ausstellung ist geöffnet vom 9. bis 27. Mai, dienstags von 14 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 14 Uhr sowie nach Vereinbarung. Informationen unter Telefon 06501/12297