Lamas zieht's nach Züsch

ZÜSCH. Einst war der "Tannenhof" ein bekanntes Lokal in Züsch. Für seine neuen Eigentümer ist er jedoch ein "heiliger Platz". Seit kurzem lehren buddhistische Lamas in dem Haus, das sie für Anhänger dieser Religion zu einem Zentrum für Zeremonien, praktische Übungen wie Meditation und Seminare ausbauen wollen.

"Unsere Tür ist für jeden offen", sagt Khenpo Pema Rinpoche auf Englisch. Der aus Indien stammende Lama (Lehrer) ist der Vorsteher des "German Palyul Center", der seit kurzem seinen neuen Sitz im früheren "Tannenhof" in Züsch hat und den Besucher bereits am Eingangstor mit exotisch wirkenden Schriftzeichen empfängt. "Palyul" - das ist ein Zweig der "Nyingma-Schule", die ihrerseits die älteste der vier großen Schulen des tibetischen Buddhismus ist (siehe Hintergrund). Unterstützt wird Khenpo Pema Rinpoche von einem Verein, zu dem sich die Anhänger dieser Lehre im südwestdeutschen Raum 2001 zusammengeschlossen haben."Eine friedliebende Religion"

Für dessen Vorsitzende, Manuela Martin, ist vor allem eine Aussage wichtig: "Keiner sollte Angst davor haben, dass wir eine Sekte sind und aufgesaugt wird. Wenn jemand neugierig ist, kann er gerne zu uns kommen. Es gibt hier aber keinen Zwang." Mindestens ebenso viel Wert legt sie angesichts der aktuellen politischen Ereignisse auf die Feststellung, dass der Buddhismus eine "absolut friedliebende Religion" ist. So viel zur Aufklärungsarbeit, die "German Palyul" insbesondere bei der heimischen Bevölkerung betreiben will. Doch was wird im früheren "Tannenhof" eigentlich gemacht? Zurzeit leben sechs Lamas und einige Studenten in dem Haus. Außerdem treffen sich dort die Mitglieder des Vereins und Interessierte, um in der Sangha (Gemeinschaft) in der tibetisch buddhistischen Dharma (Lehre) unterrichtet zu werden. Die herausragende Bedeutung haben dabei die Lehren zu Dzogchen, der "großen Vollkommenheit". Neben Zeremonien spielen bei den Buddhisten auch praktische und mentale Übungen, etwa Meditationen, eine wichtige Rolle. Deren Ziel ist es, "seinen inneren Frieden zu erlangen, wenn es beispielsweise familiäre Probleme gibt. Eine wichtige praktische Übung ist es auch, sein Mitgefühl zu entdecken und zu entwickeln", erklärt Khenpo Pema Rinpoche seine Lehrtätigkeit. Noch allerdings ist die Schar der Anhänger überschaubar, die sich im Züscher Buddhismus-Zentrum versammeln. Denn der Verein hat laut Martin aktuell nur etwa 15 Mitglieder. Außerdem ist im vorher leer stehenden "Tannenhof" noch einiges an Aufräum- und Renovierungsarbeiten zu machen. Bis Dezember will man damit aber fertig sein. Dann hat sich nämlich hoher Besuch aus Indien abgekündigt, wird Pema Norbu Rinpoche, der Vorsteher des Mutterklosters Palyul, nach Züsch kommen. "An diesem Abend wollen wir auch die Vertreter der Gemeinde, die Priester und Pfarrer und die Bevölkerung im Dorf einladen", kündigt Khenpo Pema Rinpoche an. Ortsbürgermeister Hermann Bernardy hat diesbezüglich keine Berührungsängste. Bislang habe er zwar lediglich mit den Vereinsvertretern Kontakt gehabt. "Ich werde die Einladung aber annehmen und hingehen." Die Gemeinde habe den Verein auch unterstützt, als es um die Frage ging, ob der "Tannenhof" umfunktioniert und dort ein buddhistisches Zentrum eingerichtet werden kann, so Bernardy weiter. Bisher habe er sich zwar noch kein Bild über die neuen Bewohner des "Tannenhofs" machen können, sagt derweil Dechant Clemens Grünebach. "Ich will sie aber bald besuchen, um mich kundig zu machen."Lamas suchen Rückzug, schotten sich aber nicht ab

Was bleibt, ist jedoch noch eine Frage: Warum haben sich die buddhistischen Lamas ausgerechnet für Züsch als Standort ihres Schulungszentrums entschieden? "Wir brauchen die Möglichkeit zum Rückzug, um Weisheit und Energie zu erlangen", sagt Khenpo Pema Rinpoche. Das sind Voraussetzungen, die in dem am Rande des Dorfs gelegenen "Tannenhof eher gegeben seien, "als an unseren früheren Sitzen in Trier und Saarbrücken". Das bedeutet aber nicht, dass sich Lamas komplett von der Außenwelt abschotten würden. "Wir gehen schon auch raus", sagt Khenpo Pema Rinpoche. So war der Lama schon höchstpersönlich in Hermeskeil im Baumarkt, um Material für die Reparaturarbeiten im "Tannenhof" zu kaufen. Und auch mit einigen Leuten im Dorf habe er schon gesprochen. "Die kamen auf mich zu und waren sehr interessiert", berichtet er von seinen Erfahrungen. Einmal jedoch musste er ein Missverständnis ausräumen: "Da wurde ich gefragt, ob der Dalai Lama unser Gott ist. Das stimmt aber nicht. Er ist das Oberhaupt einer anderen buddhistischen Schule."