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Land gibt der Realschule plus Kell/Zerf Garantie für den Fortbestand

Land gibt der Realschule plus Kell/Zerf Garantie für den Fortbestand

An der Realschule plus Kell/Zerf (Kreis Trier-Saarburg) beginnt heute die Zeit der Anmeldungen. Für die Verantwortlichen gibt es berechtigten Grund zur Hoffnung, dass wieder mehr Kinder als früher die fünften Klassen der Schule besuchen wollen. Denn seitdem das Land eine Ausnahmegenehmigung erteilt hat, sind "alle Gerüchte um eine mögliche Schulschließung endgültig vom Tisch", sagt Rektor Bernd Staudt.

Kell/Zerf. "Wir sind eine Schule mit Zukunftsperspektive!" Das ist die klare Botschaft, mit der die Realschule plus Kell/Zerf Werbung in eigener Sache macht, bevor am heutigen Montag die bis zum 28. Februar andauernde Zeit der Anmeldungen für die künftigen Fünftklässler beginnt.
Diese Aussage wird erst durch einen kurzen Blick zurück verständlich: Voriges Jahr machten Gerüchte die Runde, dass die Realschule nicht mehr lange Bestand haben wird. "Diese unterschwellige Diskussion hat uns Anmeldezahlen gekostet", sagte Rektor Bernd Staudt damals.
Für das laufende Schuljahr 2013/14 hatten sich 31 Kinder für die fünften Klassen angemeldet. Das Problem war: Das Land verlangt gesetzlich, dass in Realschulen dreizügig - also drei Klassen pro Jahrgangsstufe - unterrichtet wird. Die Schülerzahlen reichten dafür aber weder in Kell/Zerf noch in Waldrach oder Thalfang aus. Für alle drei Schulen gab es aber kurz vor Weihnachten eine erfreuliche Nachricht. Das Land erteilte für sie eine Ausnahmegenehmigung von der Dreizügigkeit - und zwar unbefristet (der TV berichtete).Über den Mindestanforderungen


Im Fall Kell/Zerf und Waldrach hatte der Kreis Trier-Saarburg als Schulträger diese Ausnahmeregelung beantragt. Die Zustimmung des Landes hatte mehrere Gründe. Die Schule müsse "aufgrund der bestehenden Siedlungsstruktur bestehen bleiben", heißt es im offiziellen Wortlaut. Das bedeutet konkret: Wäre Kell/Zerf geschlossen worden, hätten die Kinder die nächstgelegene Realschule mit kooperativen System (siehe Extra) nicht mehr innerhalb von 45 Minuten mit dem Bus erreichen können.
Zudem liegen die Schülerzahlen in Kell/Zerf nach wie vor deutlich über den Mindestanforderungen, bei deren Unterschreitung das Land überhaupt kein "schulisches Bedürfnis" mehr sieht. Das Bestehen der betreffenden Bildungsstätte steht dann massiv infrage, wenn dort weniger als 25 Kinder in der fünften Klasse und insgesamt bis zur Klasse zehn weniger als 180 Kinder unterrichtet werden. In Kell/Zerf besuchen aktuell aber 31 Kinder die fünfte Klasse. Die Gesamtschülerzahl liegt bei 289.
Mit der Ausnahmegenehmigung "haben wir jetzt Planungssicherheit. Darüber ist das ganze Kollegium, aber auch die Eltern erleichtert", betont Staudt. Wer sein Kind in der fünften Klasse anmelde, habe nun die Gewissheit, dass es bis zur neunten oder zehnten Klasse an der Schule bleiben und dort seinen Abschluss machen kann. Insofern geht Staudt davon aus, dass die Anmeldezahlen wieder steigen. "Insgeheim hoffen wir auf 40", so der Rektor. Die Schule hat seit 2011 ein Ganztagsangebot. Ihre Attraktivität soll in diesem Sommer durch einen neuen Schwerpunkt - eine spezielle Sportklasse, die in diesem Fach pro Woche fünf statt drei Unterrichtsstunden hat - gesteigert werden.
Elternbeiratssprecher Volker Burg ist froh, "dass die Verunsicherung weg ist und wir Schwarz auf Weiß die Aussage haben, dass die Schule bestehen bleibt". Andernfalls wäre es wohl so gekommen, dass für das nächste Schuljahr "etwa 15 bis 20 Prozent weniger Kinder angemeldet worden wären", so Burgs Schätzung.
Martina Bosch, Pressesprecherin des Kreises, betont, dass die Schulen in Kell/Zerf und Wal drach durch die Ausnahmegenehmigung die "Basis haben, um sich mit ihrem vielfältigen Bildungsangebot zu behaupten". Dabei werde sie der Kreis als Träger unterstützen. Allerdings "entbindet die Zusage des Landes den Kreis nicht davon, die Entwicklung der Schülerströme langfristig zu beobachten", so Landrat Günther Schartz (CDU).Extra

Aus den früheren zwei Hauptschulen in Kell und Zerf wurde 1999 zunächst eine Regionale Schule. Seit 2009 trägt sie den Titel "Realschule plus". Die Klassen fünf und sechs - also die Orientierungsstufe - gehen nach Kell. Die älteren Jahrgänge werden in Zerf unterrichtet - und zwar nach dem "kooperativen Modell". Mit diesem Fachbegriff ist gemeint, dass ab Klasse sieben in Zerf in zwei Zweige getrennt wird. Ein Teil der Schüler arbeitet auf die Berufsreife (nach Klasse neun), der andere auf die mittlere Reife hin. In integrativen Realschulen (zum Beispiel in Saarburg) lernen die Jugendlichen auch nach der Orientierungsstufe unabhängig vom Bildungsgang gemeinsam im Klassenverband. 2010 hat die VG Kell die Trägerschaft der Realschule plus Kell/Zerf an den Landkreis Trier-Saarburg abgegeben. Dieser wird bald am Zerfer Schulgebäude den Brandschutz verbessern. Diese 490 000 Euro teuren Arbeiten sollen in den Sommerferien beginnen. ax