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Land nimmt Kell den Wind aus den Segeln - Lange Gesichter im VG-Rat: Naturpark-Verbot macht bisherige Planung zunichte

Land nimmt Kell den Wind aus den Segeln - Lange Gesichter im VG-Rat: Naturpark-Verbot macht bisherige Planung zunichte

Groß war der Unmut im Verbandsgemeinderat Kell, als es am Donnerstag um das Thema Windkraftplanung ging. Denn so wie es aussieht, sind die bislang vorgesehenen Standorte bei Zerf und Waldweiler nicht zu halten.

"Enttäuschend", "höchstärgerlich", "ein Schlag ins Gesicht" - diese Kommentare aus der Sitzung des Verbandsgemeinderats Kell zeigen deutlich, wie verstimmt die Ratsmitglieder waren. Am Donnerstag ging es in der Niederzerfer Mühle um die neuen Vorgaben der Landesregierung, Windräder in Kernzonen von Naturparks künftig auszuschließen. Die VG Kell am See ist davon besonders betroffen, weil ihre zwei ausgewählten Standorte im Zerfer Wald und am Teufelskopf bei Waldweiler fast komplett im Kern des Naturparks Saar-Hunsrück liegen.

Bisher war der Rat davon ausgegangen, dass Ausnahmen gemacht würden. Laut Bürgermeister Martin Alten hat das Innenministerium nun aber schriftlich erklärt, dass "keine Genehmigungen mehr erteilt" würden. "Unser neuer Flächennutzungsplan, mit dem wir uns seit fünf Jahren beschäftigen, kann somit nicht mehr umgesetzt werden." Laut Alten ist für Planungen und Gutachten bereits "rund eine Viertelmillion Euro" geflossen, "die nach jetzigem Stand vergeblich ausgegeben wurde".

Zurzeit läuft ein Verfahren, um die neuen Vorgaben zur Windenergie in den Landesentwicklungsplan (Lep) verbindlich aufzunehmen. Dazu darf die Öffentlichkeit Stellung nehmen. Der VG-Rat Kell hat einstimmig erklärt, dass er dem Ziel, Windräder in Naturpark-Kernzonen auszuschließen, nicht zustimmt. Der Lep-Plan soll im Frühjahr 2017 beschlossen werden.

Manfred Rauber, SPD-Ratsmitglied und Ortsbürgermeister von Waldweiler, machte keinen Hehl aus seiner Verärgerung: "Absprache wurden auf den Kopf gestellt oder verworfen", kritisierte er. Umweltministerin Ulrike Höfken habe schriftlich zugesichert, dass unter zwei Voraussetzungen Ausnahmen genehmigt würden: bei einer Vorbelastung durch Anlagen im Saarland und dem Vorweisen hydrologischer Gutachten zu Folgen fürs Grundwasser. Beides sei für Waldweiler erfüllt. Er stehe deshalb im Kontakt mit Mainz und erwarte eine "abschließende Antwort".

Klaus Marx (CDU) beklagte, die Behörden hätten im Vorfeld "alle rumgeeiert" und lehnten sich jetzt zurück: "Die Sache ist k.o., da müssen wir uns nichts vormachen." Erwin Rommelfanger (FWG) monierte, das Land habe die Kommunen "mal wurschteln lassen" und dann ständig Vorgaben geändert. Sollte die bisherige Arbeit tatsächlich umsonst gewesen sein, werde er "kein Bestreben mehr zeigen, einen neuen Plan aufzustellen und noch einen Cent für neue Standorte auszugeben".