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Land Rheinland-Pfalz übernimmt Haftung für ehemaligen Truppenübungsplatz bei Saarburg

Land Rheinland-Pfalz übernimmt Haftung für ehemaligen Truppenübungsplatz bei Saarburg

Das Beweidungsprojekt für den früheren Truppenübungsplatz in Saarburg schien Anfang des Jahres vor dem Aus zu stehen. Doch inzwischen hat der Bund Druck gemacht: Nur wenn das Land die Gewährträgerhaftung für die militärische Fläche an der Saar übernimmt, will er auch die Liegenschaften Schmidtenhöhe und Westerburg an den Nabu übertragen.

Taurusrinder und Konikpferde grasen seit sechs Jahren auf dem ehemaligen Standortübungsplatz Schmidtenhöhe in Koblenz. Schon knapp zwei Jahre nach dem Start dieser Form der Beweidung hat die Artenvielfalt auf der ausgedienten militärischen Liegenschaft deutlich zugenommen; so wurden dort beispielsweise im Jahr 2014 genau 136 Vogelarten gezählt.
Würde es nach der Saarburger Verbandsgemeindeverwaltung und den Mitgliedern des Verbandsgemeinderats gehen, hätte sich auch der frühere Truppenübungsplatz der Franzosen längst in eine artenreiche halboffene Weidelandschaft (siehe Extra) verwandelt. Doch immer wieder tauchten in den vergangenen fünf Jahren neue Hindernisse auf. Zuletzt hatte Anfang des Jahres das Land eine Übernahme der etwa 60 Hektar großen Fläche - das entspricht einer Größe von 140 Fußballplätzen - abgelehnt. Das Areal galt nach mehreren Jahrzehnten militärischer Nutzung als Kampfmittelverdachtsfläche (der TV berichtete am 13. Januar).
Doch mittlerweile ist diese Einschätzung Geschichte, wie Stephanie Nabinger, Landtagsabgeordnete der Grünen, erfahren hat. Die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord kommt nämlich nach einer Untersuchung des Saarburger Truppenübungsplatzes zu einer neuen Bewertung des Altlastenrisikos. Dieses sei - laut einem Schreiben des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums, das dem TV vorliegt - "deutlich niedriger" als zunächst angenommen. Daher schlägt das Ministerium der Landesregierung vor, die Gewährträgerhaftung für die zum nationalen Naturerbe zu rechnende Fläche zu übernehmen. Die Haftungsübernahme durch das Land wiederum ist Voraussetzung dafür, dass der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) auf der Fläche mit dem Beweidungsprojekt starten darf.
Dass jetzt Bewegung in das Verfahren gekommen ist, liegt daran, dass die Bundesregierung Druck auf das Land ausgeübt hat. Der Bund hat zur Bedingung gemacht, dass der ehemalige französische Truppenübungsplatz bei Saarburg Teil eines Gesamtpakets sein müsse. Neben dem Areal bei Saarburg gehören in dieses Paket, dass das Land dem Bund vorlegen muss, auch der frühere Standortübungsplatz Schmidtenhöhe bei Koblenz sowie der Truppenübungsplatz Daaden im Westerwaldkreis.
Die Aufnahme der drei militärischen Liegenschaften in den Landeshaushalt, der in der kommenden Woche beraten wird, ist auch deshalb dringend, weil das Bundesamt für Naturschutz als Frist für den Abschluss von Rahmenvereinbarungen mit dem Nabu den 31. Dezember gesetzt hat. Der Nabu als Projektträger betreut in Rheinland-Pfalz unter anderem schon das Beweidungsprojekt auf der Schmidtenhöhe. Kooperationspartner des Nabu in Saarburg soll das Hofgut Serrig sein. Dessen Geschäftsführer hat schon in der Vergangenheit erklärt, dass das Gut zu einer Zusammenarbeit mit dem Nabu bereit sei.
Siegfried Schuch, Vorsitzender des Nabu Rheinland-Pfalz, freut sich, dass das "längst überfällige Projekt jetzt endlich starten kann. Nach den Pflegemaßnahmen mit einem Panzer der Bundeswehr vor zwei Jahren ist es dringend an der Zeit, dass die Nachnutzung beginnt. Nur so kann das nationale Naturerbe Truppenübungsplatz Saarburg geschützt werden".Meinung

Endlich!
Wo bis vor wenigen Jahren Panzer über die Hochfläche brummten und die Soldaten des 16. Jägerbataillons für ihre weltweiten Einsätze trainierten, hat sich ein für Saarburg einmaliges Biotop entwickelt. Biologen haben auf dem 60 Hektar großen Areal schon etliche gefährdete Lurche und Pflanzen nachgewiesen. Doch nach dem Abzug der Franzosen vor fünf Jahren war das Biotop gefährdet. Zunehmend verbuschte es. Und Tümpel, wichtig für Kröten, Fröschen und Gelbbauchunken, versandeten. Manchem Biologen, der das Gebiet schon kannte, als dort Soldaten für den Kriegseinsatz lernten, trieb der aktuelle Zustand Tränen in die Augen. Doch jetzt hat der Bund endlich Tacheles mit dem Land geredet und ihm klar gemacht, dass es die zum nationalen Naturerbe im Land erklärten Flächen nur dann bekommt, wenn sie es komplett übernimmt. Das mag zwar nicht die feine englische Art gewesen sein, aber es wurde Zeit, dass der Bund sich seiner Verantwortung für die Flächen stellt. Und das ist gut so. saarburg@volksfreund.deExtra

Das Konzept der halboffenen Weidewirtschaft beruht darauf, dass große Pflanzenfresser wie Rinder und Pferde die Landschaft in Teilen von Bewuchs freihalten. Das führt zu offenen parkartigen Landschaften, wie sie in Mitteleuropa nach Ansicht einiger Wissenschaftler nach dem Holozän - also vor rund 11500 Jahren - bestand. Naturschützer gehen davon aus, dass in halboffenen Weidelandschaften die Artenvielfalt zunimmt. So profitieren von dieser Landschaftsform beispielsweise Grünspechte und Bienenfresser. Beide Vogelarten sind auf lichte Gehölze angewiesen. itz